Herculaneum, italienisch Ercolano, liegt am westlichen Fuß des Vesuvs am Golf von Neapel. Wie Pompeji wurde die Stadt beim Ausbruch im Jahr 79 verschüttet — anders als Pompeji nicht durch Ascheregen, sondern durch eine Folge pyroklastischer Ströme, die das Stadtgebiet unter rund 20 Metern verhärtetem Material versiegelten. Diese dichte Decke hat konserviert, was in Pompeji verloren ging: Holzbalken, Türen, Möbel, Lebensmittelreste, sogar verkohlte Schriftrollen aus der Villa dei Papiri. Die Villa selbst liegt außerhalb des Rundgangs und ist derzeit wegen Grabungs- und Sicherungsarbeiten nicht zugänglich.
Was Herculaneum besonders macht
Das ausgegrabene Areal umfasst rund vier Hektar — nur ein Bruchteil der antiken Stadt, der Rest liegt bis heute unter dem modernen Ercolano. Genau das macht den Besuch angenehm: Zwei bis drei Stunden reichen für einen gründlichen Rundgang, ohne dass man wie im weitläufigen Pompeji Prioritäten setzen muss. Viele Häuser stehen noch zweistöckig, Wandmalereien und Mosaiken zeigen erstaunlich frische Farben. Sehenswert sind das Haus des Neptun- und Amphitrite-Mosaiks, das Haus mit dem mosaizierten Atrium, die Thermen und die Bootshäuser am antiken Strand: Dort wurden ab den 1980er-Jahren über 300 Skelette von Menschen gefunden, die in der Ausbruchsnacht vergeblich auf Rettung über das Meer warteten.
Eintritt und Öffnungszeiten
Der reguläre Eintritt kostet 16 €, EU-Bürger zwischen 18 und 25 zahlen 2 €, unter 18 Jahren ist der Eintritt frei (Stand: Juli 2026). Tickets gibt es an der Kasse und online über CoopCulture. Geöffnet ist täglich, einen wöchentlichen Ruhetag gibt es nicht — geschlossen nur am 1. Januar und 25. Dezember. Vom 16. März bis 14. Oktober: 8:30 bis 19:30 Uhr, letzter Einlass 18 Uhr. Vom 15. Oktober bis 15. März: 8:30 bis 17 Uhr, letzter Einlass 15:30 Uhr.
Anreise
Mit der Circumvesuviana (Linie Neapel–Sorrent) bis zur Station Ercolano Scavi, von dort rund zehn Minuten zu Fuß geradeaus bergab zum Eingang. Ab Neapel dauert die Fahrt etwa 20 Minuten, ab Sorrent knapp eine Stunde; die Tickets kosten wenige Euro. Von Salerno nimmt man den Regionalzug nach Neapel und steigt dort um — zusammen etwa 70 bis 90 Minuten. Einen Überblick über Züge und Verbindungen in der Region gibt der Artikel zur Anreise.
Kombination mit Vesuv oder Pompeji
Herculaneum und der Vesuv lassen sich gut an einem Tag verbinden: Shuttlebusse zum Kraterparkplatz starten direkt an der Station Ercolano Scavi. Morgens die Ausgrabungen, mittags der Berg — ein voller, aber machbarer Tag. Herculaneum und Pompeji am selben Tag sind theoretisch möglich, da Pompei Scavi an derselben Bahnlinie liegt, in der Praxis aber anstrengend und beiden Stätten nicht angemessen. Wer vergleichen will, plant zwei Tage. Bei Sommerhitze hat Herculaneum einen Vorteil: Die Stätte ist kompakter, liegt tiefer im Gelände und bietet mehr Schatten als Pompeji.


