Herculaneum, italienisch Ercolano, liegt am westlichen Fuß des Vesuvs am Golf von Neapel, rund zehn Kilometer südöstlich der Stadt. Wie Pompeji wurde die Stadt beim Ausbruch im Jahr 79 verschüttet, anders als Pompeji aber nicht in erster Linie durch Ascheregen, sondern durch eine Folge pyroklastischer Ströme, die das Stadtgebiet unter rund 20 Metern verhärtetem Material versiegelten. Diese dichte, luftdichte Decke hat konserviert, was in Pompeji verloren ging: Holzbalken, Türen, Betten, Regale, Brotlaibe, Nüsse und Getreide, sogar verkohlte Papyrusrollen aus der Villa dei Papiri. Die antike Stadt war kleiner als Pompeji, wohlhabender und lag direkt am Meer. Heute liegt die Küstenlinie durch das vulkanische Material rund 400 Meter weiter draußen.
Herculaneum oder Pompeji?
Die ehrliche Antwort: Beide Stätten zeigen Unterschiedliches, und keine ersetzt die andere. Pompeji ist eine ganze Stadt mit Forum, Amphitheater, Theatern und Tempeln, rund 66 Hektar groß, von denen etwa zwei Drittel freigelegt sind. Herculaneum ist ein Ausschnitt: etwa 4,5 Hektar ausgegraben, ein paar Straßenzüge mit Wohnhäusern, Läden, Thermen und dem antiken Strand. Der Rest der Stadt liegt bis heute unter dem modernen Ercolano und lässt sich ohne Abriss ganzer Wohnblocks nicht freilegen.
Dafür ist der Erhaltungszustand in Herculaneum eine andere Liga. Viele Häuser stehen noch zweistöckig, Holz ist verkohlt, aber erhalten, Wandmalereien und Mosaiken wirken frischer als in Pompeji. Dazu kommt der Besucherstrom: Pompeji zählt an starken Tagen bis zu 20.000 Gäste, Herculaneum einen Bruchteil davon. Bei nur einem Tag und dem ersten Besuch am Vesuv fällt die Wahl meist auf Pompeji, schon wegen der Dimension. Für Ruhe, Details und Alltagsgeschichte, bei knapper Zeit oder mit Kindern ist Herculaneum die bessere Wahl. Beides zusammen braucht zwei Tage.
Rundgang: die wichtigsten Häuser
Vom Eingang am Corso Resina führt ein Weg über die Grabungskante hinunter; von oben sieht man die ganze Stätte im Überblick und den Höhenunterschied von rund 20 Metern zwischen antikem und modernem Niveau. Unten teilen drei Straßen (Cardo III, IV und V) das freigelegte Areal in Blocks. Ein sinnvoller Rundgang folgt den Straßen und nimmt die Häuser der Reihe nach mit:
- Casa dell'Atrio a Mosaico: großes Stadthaus mit schwarz-weißem Mosaikboden im Atrium, der sich unter dem Gewicht des Materials wellenförmig verformt hat.
- Casa dei Cervi: die aufwendigste Villa der Stätte, benannt nach den Marmorgruppen von Hirschen, die von Hunden gerissen werden; mit Terrasse zum ehemaligen Meer.
- Casa del Tramezzo di Legno: Eine verkohlte, aber fast vollständige hölzerne Falttür trennt bis heute Atrium und Tablinum; eines der berühmtesten Einzelstücke Herculaneums.
- Casa di Nettuno e Anfitrite: Glasmosaik in leuchtendem Blau und Grün im Gartenhof; im angebauten Laden stehen noch die Holzregale mit Amphoren.
- Terme del Foro: Thermen mit getrennten Männer- und Frauenabteilungen, Mosaikböden mit Meereswesen und erhaltenen Umkleideregalen.
- Collegio degli Augustali: Sitz des Kaiserkults mit großformatigen Fresken zu Herkules; daneben die kleine Pförtnerkammer, in der ein Skelett auf dem Bett gefunden wurde.
- Fornici (Bootshäuser): die Gewölbe am antiken Strand unterhalb der Terrasse. Ab 1982 wurden hier rund 300 Skelette von Menschen freigelegt, die in der Ausbruchsnacht auf Rettung über das Meer warteten. In mehreren Gewölben stehen heute Abgüsse der Skelette an ihrer Fundstelle.
Die Villa dei Papiri, Fundort der einzigen antiken Bibliothek, die als Ganzes überliefert ist, liegt außerhalb des Rundgangs. Sie und das antike Theater sind wegen Sicherungsarbeiten geschlossen, ein Termin für die Wiedereröffnung steht nicht fest (Stand: September 2026). Die Papyri selbst lagern in der Nationalbibliothek in Neapel. Wie in Pompeji werden einzelne Häuser im Wechsel geschlossen; die tagesaktuelle Liste hängt am Eingang aus.
Eintritt, Tickets und Öffnungszeiten
Der reguläre Eintritt kostet 16 €, EU-Bürger von 18 bis 25 zahlen 2 €, unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Tickets gibt es an der Kasse und online über CoopCulture (ercolano.coopculture.it), online kommt eine Vorverkaufsgebühr von 1,50 € dazu. Reservieren ist außerhalb der Gratis-Tage nicht nötig, denn anders als in Pompeji gibt es weder Namenstickets noch Zeitfenster. Ein offizielles Kombiticket mit Pompeji gibt es derzeit nicht mehr; was Drittanbieter als „Kombiticket“ verkaufen, sind gebündelte Einzeltickets mit Aufschlag. Für mehrere Stätten und Museen in Kampanien lohnt ein Blick auf die Campania Artecard, die in Herculaneum akzeptiert wird. An einzelnen Samstagen von Oktober bis Mitte Dezember 2026 führen einstündige Führungen in die sonst geschlossenen Terme Suburbane, die Vorstadtthermen am antiken Strand (Kombiticket mit dem Park 21 €, 18 bis 25 Jahre 7 €, Buchung über CoopCulture; Stand: September 2026).
Eintritt frei ist am ersten Sonntag im Monat sowie am 25. April, 2. Juni und 4. November; die Gratis-Tickets werden nur an der Tageskasse ausgegeben. Öffnungszeiten: vom 16. März bis 14. Oktober 8:30 bis 19:30 Uhr, letzter Einlass 18 Uhr; ab dem 15. Oktober bis Mitte März 8:30 bis 17 Uhr, letzter Einlass 15:30 Uhr. Geöffnet ist täglich außer am 25. Dezember und 1. Januar, einen wöchentlichen Ruhetag gibt es nicht (Stand: September 2026). Kurzfristige Änderungen stehen auf der offiziellen Seite ercolano.cultura.gov.it.
Anreise von Salerno und der Amalfiküste
Von Salerno gibt es zwei Wege, beide mit Trenitalia. Variante 1: Regionalzug nach Napoli Centrale (35 bis 45 Minuten, rund 5 €), dann in der Untergeschoss-Station Napoli Garibaldi in die Circumvesuviana Richtung Sorrent oder Poggiomarino umsteigen und bis Ercolano Scavi fahren (15 bis 20 Minuten, rund 2 bis 3 €). Von dort führt die Via IV Novembre geradeaus bergab in etwa zehn Minuten zum Eingang. Mit Umsteigen rechnet man zusammen 70 bis 90 Minuten. Variante 2: Einige Regionalzüge Salerno–Neapel fahren über Torre Annunziata und halten in Portici-Ercolano: ohne Umsteigen rund eine Stunde, dann allerdings 15 bis 20 Minuten Fußweg oder ein kurzes Taxi zur Grabung. Variante 1 hat mehr Verbindungen, Variante 2 erspart den Bahnhofswechsel in Neapel. An den Wochenenden 26./27. September und 10./11. Oktober 2026 ist diese Strecke zwischen Nocera Inferiore und Torre Annunziata wegen Bauarbeiten unterbrochen, es fahren Ersatzbusse. Auf der Circumvesuviana gilt ab 17. Oktober 2026 ein neuer Fahrplan: Zwischen Neapel und Sorrent fährt dann alle 30 Minuten ein Zug mit Halt in Ercolano Scavi; am Bahnsteig auf Zugziel und Halte achten (Stand: Oktober 2026).
Von Amalfi, Positano oder Ravello fährt man zuerst mit dem SITA-Bus oder der Fähre nach Salerno und dann wie oben weiter, insgesamt zweieinhalb bis drei Stunden pro Richtung; im Sommer ist die Fähre meist zuverlässiger. Von Positano aus kann der Weg über Sorrent kürzer sein: SITA-Bus nach Sorrent, dann Circumvesuviana bis Ercolano Scavi (knapp eine Stunde Zugfahrt). Mit dem Mietwagen parkt man auf den bewachten Plätzen rund um den Eingang am Corso Resina; auf der Küstenstraße von Amalfi sind es aber gut zwei Stunden, und die Autobahnausfahrt Ercolano ist im Berufsverkehr zäh. Weitere Verbindungen im Überblick gibt der Beitrag zur Anreise.
Dauer und beste Zeit
Für den Rundgang reichen zwei bis drei Stunden, mit Antiquarium und Bootshäusern eher drei. Weil die Stätte in einer Grube liegt, staut sich im Hochsommer die Hitze, obwohl die zweistöckigen Häuser mehr Schatten spenden als Pompeji. Wasser, Hut und feste Schuhe sind Pflicht, das antike Pflaster ist uneben. Angenehm sind April bis Juni und September bis Oktober; ab Mitte Oktober ist die Stätte fast leer, schließt aber schon um 17 Uhr. Gastronomie gibt es innerhalb der Grabung praktisch nicht; Bars und Trattorien liegen an der Via IV Novembre zwischen Bahnhof und Eingang. Audioguides werden am Eingang verliehen, ein Grundriss oder eine Offline-Karte auf dem Handy erleichtert die Orientierung zwischen den Cardines zusätzlich.
Kombination mit Vesuv, Pompeji oder MAV
Vesuv: Die logistisch einfachste Kombination. Die Shuttlebusse von Vesuvio Express starten direkt vor dem Bahnhof Ercolano Scavi zum Parkplatz auf 1.000 Metern (hin und zurück 15 €, Stand: September 2026); das Kraterticket muss vorab online mit Zeitfenster gebucht werden. Sinnvolle Reihenfolge: morgens die Ausgrabungen, mittags der Berg, oder umgekehrt, wenn das Zeitfenster am Krater früh liegt. Im Oktober ist um 16 Uhr letzter Zugang zum Kraterweg, ab November um 15 Uhr. Details zu Tickets und Aufstieg im Beitrag zum Vesuv.
Pompeji: Beide Stätten liegen an derselben Circumvesuviana-Linie, rund 20 Minuten voneinander entfernt. An einem Tag geht das theoretisch, wird aber beiden Orten nicht gerecht. Realistisch sind Herculaneum am Morgen und ein zweiter, ganzer Tag für Pompeji.
MAV: Das Museo Archeologico Virtuale an der Via IV Novembre, auf halbem Weg zwischen Bahnhof und Grabung, rekonstruiert Herculaneum und Pompeji digital mit Projektionen und einem Film zum Ausbruch. Eintritt 11 € inklusive 3D-Film, ermäßigt 9 €, im Winter montags geschlossen (Stand: September 2026). Für Kinder und alle, die sich die Ruinen als Stadt vorstellen wollen, ein sinnvoller Zusatz von rund einer Stunde, am besten vor der Grabung, nicht danach.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist der falsche Bahnhof: Ercolano Scavi liegt an der Circumvesuviana, Portici-Ercolano an der Trenitalia-Strecke. Beide funktionieren, aber wer in Neapel in den falschen Zug steigt, landet am jeweils anderen Ende der Stadt. Zweitens der letzte Einlass: Bis 14. Oktober ist um 18 Uhr Schluss am Eingang, ab 15. Oktober schon um 15:30 Uhr; bei einem Vesuv-Besuch am Vormittag muss das Timing sitzen. Drittens die Erwartung: Forum und Amphitheater gibt es in Pompeji, Herculaneum zeigt Wohnhäuser und Alltag, nicht die öffentliche Stadt. Und viertens Pompeji und Herculaneum am selben Tag mit dem Vesuv obendrauf: auf dem Papier machbar, in der Praxis ein Gewaltmarsch.
Häufige Fragen zu Herculaneum
- Herculaneum oder Pompeji: Was ist besser?
Pompeji zeigt eine ganze Stadt mit Forum, Amphitheater und Theatern und ist rund zehnmal so groß. Herculaneum ist kleiner, deutlich besser erhalten und wesentlich leerer, dafür ohne große öffentliche Bauten. Mit wenig Zeit, bei Sommerhitze oder mit Kindern ist Herculaneum die entspanntere Wahl; wer beides will, plant zwei Tage.
- Wie kommt man von Salerno nach Herculaneum?
Mit dem Regionalzug nach Napoli Centrale (35 bis 45 Minuten) und dort mit der Circumvesuviana ab Napoli Garibaldi bis Ercolano Scavi (15 bis 20 Minuten), dann zehn Minuten zu Fuß. Alternativ halten einige Regionalzüge Salerno–Neapel direkt in Portici-Ercolano, von dort sind es 15 bis 20 Minuten Fußweg. Insgesamt 70 bis 90 Minuten (Stand: September 2026).
- Wie lange dauert ein Besuch in Herculaneum?
Zwei bis drei Stunden reichen für alle geöffneten Häuser, die Thermen und die Bootshäuser. Mit MAV oder Vesuv-Shuttle wird ein ganzer Tag daraus.
- Was kostet der Eintritt in Herculaneum?
16 € regulär, 2 € für EU-Bürger von 18 bis 25, frei unter 18. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt für alle frei (Stand: September 2026).
- Kann man die Villa dei Papiri besichtigen?
Derzeit nicht. Die Villa und das antike Theater sind wegen Sicherungsarbeiten geschlossen, ein Termin für die Wiedereröffnung ist nicht bekannt (Stand: September 2026). Die Skulpturen aus der Villa stehen im Nationalmuseum in Neapel.


