
Geschichte der Amalfiküste und Salernos
Magna Graecia, Seerepublik Amalfi, Normannen und Staufer, Grand Tour — wie die Region zu dem geworden ist, was sie heute ist.
Vier Linien durchziehen die Geschichte der Region: die griechische Kolonisation mit Paestum als steinernem Zeugnis, die mittelalterliche Seerepublik Amalfi mit ihrem Mittelmeerhandel und der Papierherstellung im Valle dei Mulini, die Zeit der Normannen und Staufer, in der Salerno an Bedeutung gewann, und die Grand Tour des 18. und 19. Jahrhunderts, die das nordeuropäische Italienbild bis heute prägt.
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Die Seerepublik Amalfi
Von 839 bis zur normannischen Eroberung 1073 regierte sich Amalfi selbst, prägte Goldmünzen und handelte von Konstantinopel bis Kairo. Was davon belegt ist, was Legende und was heute noch davon steht.

Paestum und die Magna Graecia
Um 600 v. Chr. gründeten Griechen aus Sybaris die Stadt Poseidonia in der Ebene südlich von Salerno. Ihre drei dorischen Tempel zählen bis heute zu den besterhaltenen Bauten der Magna Graecia — die Geschichte dahinter reicht von den Lukanern über Rom bis zu Goethes Besuch 1787.

Normannen und Staufer in Salerno
Zwischen der normannischen Eroberung 1076/77 und dem Ende der Staufer 1266/68 wurde Salerno Herzogsresidenz, Papstgrab und Sitz der ältesten Medizinschule Europas, bevor Heinrich VI. es 1194 verwüsten ließ. Chronologie, Folgen für die Amalfiküste und was davon heute zu sehen ist.

Die Papierherstellung in Amalfi
Amalfi gehörte zu den ersten Papierzentren Europas: Ab dem 12./13. Jahrhundert wurden im Valle dei Mulini Lumpen zu „Carta Bambagina“ verarbeitet — mit der Wasserkraft des Canneto. Von einst 16 Mühlen arbeitet heute noch eine.

Die Amalfiküste auf der Grand Tour
Goethe kam 1787 bis Salerno und Paestum, Ibsen vollendete 1879 in Amalfi die „Nora“, Wagner fand 1880 in Ravello Klingsors Zaubergarten. Wie Bildungsreisende, Maler und Exilanten die Amalfiküste zum Sehnsuchtsort machten — und was davon heute noch zu sehen ist.

Regata delle Antiche Repubbliche Marinare
Seit 1956 tragen Amalfi, Genua, Pisa und Venedig jedes Jahr ein Ruderrennen über 2.000 Meter samt Festumzug aus, reihum in einer der vier Städte. 2026 war Pisa Gastgeber, 2027 folgt Venedig; Amalfi ist planmäßig 2029 wieder an der Reihe.

Festa di Sant’Andrea in Amalfi
Amalfi feiert seinen Schutzpatron zweimal im Jahr: am 27. Juni zur Erinnerung an die Rettung vor Barbarossas Flotte 1544 und am 30. November, dem Namenstag des Apostels. Beide Male endet die Prozession mit der Corsa, dem Lauf der Silberbüste über die 62 Domstufen.

Das Ravello Festival
Seit 1953 spielen jeden Sommer Orchester auf dem Belvedere der Villa Rufolo, rund 340 Meter über dem Golf von Salerno. Die 74. Ausgabe lief vom 4. Juli bis 5. September 2026, Tickets kosteten 20–100 €; 2027 steht im Zeichen von Beethovens 200. Todestag.

Die Strada Statale 163 – die Amalfitana
Rund 50 Kilometer Küstenstraße zwischen Vietri sul Mare und Meta: ab 1832 unter Ferdinand II. in den Fels geschlagen, 1853 eröffnet und heute so berühmt wie überlastet. Baugeschichte, Streckenführung, Verkehrsregeln 2026 und Alternativen.

Neapolitanische Musik an der Küste
„’O sole mio“, „Funiculì funiculà“, „Torna a Surriento“: Die bekanntesten italienischen Lieder sind neapolitanisch und entstanden zwischen Vesuv und Sorrent. Wer sie schrieb, was Tarantella und Tammorra damit zu tun haben und wo man sie heute jenseits des Restaurant-Kitsches hört.