Vor dem 19. Jahrhundert war die Amalfiküste praktisch nur per Schiff erreichbar. Die Dörfer klebten an steilen Felswänden, untereinander verbunden durch Maultierpfade und Treppen, darunter Wege, die heute Teil des Sentiero degli Dei sind. Ein erstes Straßenprojekt genehmigte König Joachim Murat 1811: von Amalfi über Atrani, Minori und Maiori und dann über den Chiunzi-Pass ins Landesinnere. Der Abschnitt Amalfi–Maiori wurde tatsächlich gebaut, dann gingen dem Vorhaben Geld und Technik aus. Erst 1824 einigten sich die Küstengemeinden auf eine Trasse entlang des Meeres nach Vietri sul Mare und Salerno. 1832 begannen die Arbeiten, 1835 bestätigte Ferdinand II. von Bourbon, König beider Sizilien, die günstigere Küstenvariante um das Capo d’Orso. Nach ihm hieß die Straße zunächst Strada Ferdinandea della Costiera di Amalfi; daraus wurde die heutige Strada Statale 163.
Bau über zwei Jahrzehnte
Bourbonische Ingenieure ließen die Trasse in Handarbeit direkt aus dem Kalkstein schlagen, mit kurzen Tunneln, Überhängen über dem Wasser und Brücken über die tiefen Schluchten der valloni. Das aufwendigste Bauwerk des ersten Abschnitts ist der Viadukt von Atrani, zwischen 1832 und 1850 über die Schlucht des Dragone gespannt; er führt die Straße bis heute über die Dächer des Dorfes. Am 26. April 1850 waren die Arbeiten zwischen Vietri sul Mare und Amalfi abgeschlossen, am 12. Januar 1853, dem Geburtstag des Königs, wurde die Strecke feierlich eröffnet; der Festzug fuhr von Vietri nach Amalfi. Der Amalfitaner Historiker Matteo Camera sprach von einem gigantischen Werk mit Galerien über dem Meer.
Westlich von Amalfi blieb es vorerst beim Maultierpfad. Die Fortsetzung über Conca dei Marini, den Fiordo di Furore, Praiano und Positano hinauf zu den Colli di San Pietro und hinunter nach Meta wurde erst um 1888–1890 befahrbar, mit dem Viadukt von Pantanelli bei Positano als kühnstem Bauwerk. Damit war die Küste erstmals von beiden Seiten mit der Kutsche erreichbar. Die Bergstraße über Agerola kam sogar erst 1935 hinzu. Ihre heutige Nummer trägt die Amalfitana seit 1953 (Dekret vom 27. Mai 1953), genau hundert Jahre nach der Eröffnung; in den 1960er Jahren ließ die Straßenverwaltung ANAS die Fahrbahn stellenweise verbreitern und sichern.
Streckenführung: 50 Kilometer in vier Etappen
Die SS 163 ist 50,4 Kilometer lang. Die Kilometrierung beginnt in Meta an der SS 145 Sorrentina und endet in Vietri sul Mare an der SS 18. Von Salerno kommend erlebt man sie in vier Abschnitten:
- Vietri sul Mare – Cetara – Capo d’Orso – Maiori (rund 14 km): Hinter Cetara windet sich die Straße hoch über dem Wasser um das Kap; vom Capo d’Orso reicht der Blick bei klarer Sicht über den ganzen Golf bis Capri. Es ist der wildeste, am wenigsten bebaute Teil der Strecke.
- Maiori – Minori – Atrani – Amalfi (rund 5 km): Dicht besiedelt, enge Ortsdurchfahrten, der Viadukt von Atrani. In Amalfi liegen Busbahnhof und Parkplatz am Hafen direkt an der Straße: das Nadelöhr der ganzen Küste.
- Amalfi – Conca dei Marini – Furore – Praiano (rund 11 km): Die spektakulärste Etappe. Oberhalb von Conca dei Marini öffnet sich der Blick zurück auf das Capo di Conca und die Bucht von Amalfi, dann folgt die Brücke über den Fiordo di Furore (km 23+300), schließlich Praiano mit Sicht auf Positano und die Inseln Li Galli.
- Praiano – Positano – Colli di San Pietro – Meta (rund 20 km): Hinter Positano verlässt die Straße die Küste und steigt in weiten Kehren zu den Colli di San Pietro auf, bevor sie zur Sorrentiner Halbinsel abfällt. Es ist die einzige Passage, auf der man kurz durchatmen kann.
Eine amtliche Zählung der Kurven gibt es nicht; Zahlen wie „tausend Kurven“ sind Folklore. Realistisch ist: Zwischen Vietri und Positano gibt es kaum hundert Meter Gerade am Stück, die Fahrbahn ist streckenweise unter sechs Meter breit, und zwei Busse kommen an vielen Stellen nur mit Rangieren aneinander vorbei.
Grand Tour, Steinbeck und der Weg zum Welterbe
Für die Reisenden der Grand Tour war die Küste vor 1853 ein Abstecher per Boot von Salerno oder Sorrent; die neue Straße machte Amalfi und Ravello zum Ziel für Kutschen, ab den 1890er Jahren auch Positano. Berühmt wurde die Fahrt selbst aber erst durch John Steinbeck. Im Mai 1953 erschien sein Positano-Essay in Harper’s Bazaar: Die Straße beschrieb er sinngemäß als Trasse, die sich am Rand des Nichts entlangschraube, und Positano als Traumort, der nicht ganz wirklich scheine, solange man dort ist, und erst nach der Abreise verlockend wirklich werde. Der Text machte die Küste im Nachkriegsamerika populär. Seither ist die Straße Filmkulisse: Only You (1994) in Positano, Wonder Woman (2017) in Ravello, Christopher Nolans Tenet (2020) in Ravello und Amalfi, The Equalizer 3 (2023) und die Netflix-Serie Ripley (2024) in Atrani. 1997 nahm die UNESCO die Costiera Amalfitana als Kulturlandschaft in die Welterbeliste auf; die Straße ist bis heute ihr Rückgrat.
Verkehrsregeln 2026: Kennzeichen, Busse, Wohnmobile, ZTL
Kennzeichen-Wechselverkehr (targhe alterne). Zwischen Vietri sul Mare und Positano dürfen an bestimmten Tagen von 10 bis 18 Uhr nur Pkw fahren, deren letzte Ziffer im Kennzeichen zum Datum passt: An geraden Kalendertagen sind gerade Endziffern gesperrt, an ungeraden die ungeraden. Termine 2026: Osterwoche 30. März – 6. April täglich, 25. April – 2. Mai täglich, Juni und Juli an Wochenenden und Feiertagen, August und September täglich, Oktober wieder an Wochenenden und Feiertagen. Ausgenommen sind Anwohner der Küstengemeinden, Taxis und Mietwagen mit Fahrer, Zweiräder, Menschen mit Behindertenausweis sowie Hotelgäste, letztere nur am An- und Abreisetag mit Buchungsnachweis. Für Mietwagen gilt keine Ausnahme: Es zählt allein die Endziffer (Stand: September 2026).
Wohnmobile und Anhänger. Zwischen Positano und Vietri sul Mare sind Wohnmobile, Caravans und Pkw mit Anhänger ganzjährig und unabhängig von der Größe gesperrt (ANAS-Verordnung 340/2019, in Kraft seit April 2020). Kontrollen finden statt, Verstöße werden an Ort und Stelle gebüßt und das Fahrzeug über Agerola umgeleitet.
Reisebusse. Auf demselben Abschnitt sind Busse über 10,36 Meter Länge oder 4 Meter Höhe sowie Sattelzüge verboten. Kürzere Reisebusse dürfen fahren, brauchen aber für Halt und Fahrgastwechsel in Amalfi eine Online-Buchung im BusPass-System der Gemeinde. Außerdem hat die Provinz Salerno im Juli 2026 die beiden Bergzufahrten, die Agerolina (SR 366, Amalfi–Agerola) und die Straße Ravello–Chiunzi-Pass (SR 373), für Fahrzeuge über 5 Tonnen gesperrt; Begründung sind nicht normgerechte Leitplanken nach dem Busunglück von Ravello im Mai 2023. Nach Protesten der Gemeinden trat am 27. Juli 2026 die abgeschwächte Ordinanza 649 in Kraft: Linienbusse bis 9,30 m Länge dürfen nach Ravello, bis 10,40 m auf die Agerolina, in den Kehren gilt Tempo 10. Die Provinz wollte die Regelung bis Ende September beobachten; eine Entscheidung war Anfang Oktober noch nicht veröffentlicht (Stand: Oktober 2026).
ZTL. Die Ortskerne haben eigene Zonen mit beschränktem Verkehr, jede Gemeinde regelt sie selbst: Positano sperrt den Ortskern für Nicht-Anwohner, in Amalfi ist der Bereich um die Piazza Duomo Fußgängerzone, auch Ravello hat im Ortskern eine ZTL. Die Einfahrten sind kameraüberwacht; Bußgelder kommen Monate später über die Mietwagenfirma. Details zu Parken und Kosten im Beitrag Mietwagen an der Amalfiküste.
Fahrzeiten realistisch
Der Kilometerstand täuscht. Salerno–Amalfi (rund 25 km) dauert im Winter oder frühmorgens 45 bis 60 Minuten, an einem Sommertag nachmittags leicht anderthalb bis zwei Stunden. Salerno–Positano (rund 42 km) braucht ohne Verkehr gut eineinhalb Stunden, in der Saison zweieinhalb bis drei. Sorrent–Positano über die Colli di San Pietro (rund 17 km) sind 30 bis 40 Minuten, an Sommerwochenenden das Doppelte. Wenn schon Auto, dann vor 8 Uhr oder nach 19 Uhr; zwischen 10 und 17 Uhr steht die Straße im Juli und August regelmäßig still, vor allem an der Einfahrt nach Amalfi und in Positano. Zum Vergleich: Die Fähre Salerno–Amalfi braucht etwa 35 Minuten.
Sicherheit: Felsstürze und Winter
Die Straße hängt an einem Steilhang aus Kalk, und nach Starkregen lösen sich Felsen — meist im Herbst und Winter. Am 21. November 2025 stürzte am Fiordo di Furore (km 23+300) ein großer Block auf die Fahrbahn; die SS 163 war dort bis zum 11. Dezember 2025 voll gesperrt und wurde dann einspurig mit Ampelregelung wieder freigegeben, während der Hang oberhalb weiter gesichert wurde. Laut Lokalpresse wurde der Abschnitt nach Abschluss der Hangsicherung am späten Abend des 31. Januar 2026 wieder vollständig freigegeben. An der SS 163 kommen Felssturzstellen, Ampelabschnitte und kurze Sperrungen für Sicherungsarbeiten laufend hinzu, zuletzt im September 2026 nach den Waldbränden zwischen Amalfi und Conca dei Marini. Vor der Fahrt die Verkehrsmeldungen der ANAS oder die Lokalpresse prüfen (Stand: September 2026). Während der Sperrung dauerte die Fahrt Amalfi–Positano über Agerola fast zwei Stunden, SITA-Busse endeten an der Frana. Wer im Winter unterwegs ist, prüft vor der Abfahrt die Verkehrsmeldungen der ANAS oder der Lokalpresse; Schnee ist an der Küste selten, Sturm und Steinschlag nicht.
Alternativen: Fähre, Bus, Bergstraßen
Am entspanntesten fährt man die Strecke im SITA-Bus: Von Salerno Richtung Amalfi und Positano links sitzen, auf dem Rückweg rechts, dann liegt das Meer direkt unter dem Fenster. Von Frühjahr bis Herbst ist die Fähre die stressfreie Alternative; sie zeigt die Küste aus der Perspektive, aus der Reisende sie jahrhundertelang sahen. Mit dem Pkw lässt sich die Küstenstraße teilweise umgehen: Von der Autobahn A3 bei Angri führt die Straße über Tramonti und den Chiunzi-Pass nach Maiori und Ravello; von Castellammare oder Gragnano geht es über Agerola nach Amalfi. Beide Bergstraßen sind kurvig, aber leerer als die Küste — und seit Sommer 2026 für Fahrzeuge über 5 Tonnen tabu. Von oben zeigt sich die Straße am schönsten vom Sentiero degli Dei aus oder von den Gärten der Villa Cimbrone in Ravello.
Typische Fehler
- Den Mietwagen am Flughafen Neapel nehmen und im August um 11 Uhr nach Positano fahren wollen, ohne auf die Endziffer des Kennzeichens zu achten.
- Ein Wohnmobil oder einen Van über sieben Meter buchen, weil „Camping an der Amalfiküste“ so schön klingt: Die SS 163 ist dafür gesperrt.
- Google-Fahrzeiten glauben. Die App kennt die Kurven, aber nicht die Busse im Gegenverkehr.
- In Positano oder Amalfi „kurz“ in den Ortskern fahren: Die ZTL-Kamera kostet rund 83 bis 332 Euro pro Durchfahrt.
- Den Rückweg am Abend planen, wenn alle gleichzeitig zurück wollen. Besser: Fähre hin, Bus zurück, oder umgekehrt.
Häufige Fragen zur Strada Amalfitana
- Darf man mit dem Mietwagen auf der Amalfitana fahren?
Ja, Mietwagen sind nicht gesondert eingeschränkt, sie unterliegen aber der Kennzeichen-Regel wie jeder Pkw. An Sperrtagen zwischen 10 und 18 Uhr darf nur fahren, wessen Endziffer zum Datum passt. Wohnmobile und Anhänger sind ganzjährig verboten (Stand: September 2026).
- Kennzeichen gerade oder ungerade: Wie funktioniert die Regel?
An geraden Kalendertagen sind Pkw mit gerader Endziffer gesperrt, an ungeraden Tagen die mit ungerader Endziffer, jeweils zwischen Vietri sul Mare und Positano von 10 bis 18 Uhr. 2026 gilt das in der Osterwoche, um den 25. April, an Wochenenden und Feiertagen im Juni, Juli und Oktober sowie täglich im August und September.
- Wie lange dauert die Fahrt von Salerno nach Positano?
Rund 42 Kilometer, ohne Verkehr etwa eineinhalb Stunden. Im Sommer tagsüber muss man zweieinhalb bis drei Stunden einplanen. Fähre plus Bus ist dann meist schneller.
- Ist die SS 163 nach dem Felssturz bei Furore wieder offen?
Ja. Nach dem Felssturz vom 21. November 2025 war die Straße am Fiordo di Furore bis zum 11. Dezember 2025 gesperrt und wurde dann einspurig mit Ampel wieder freigegeben; laut Lokalpresse folgte nach der Hangsicherung am 31. Januar 2026 die vollständige Freigabe. Neue Felssturzstellen und kurze Sperrungen kommen an der SS 163 aber laufend hinzu, deshalb vor der Fahrt die ANAS-Verkehrsmeldungen prüfen (Stand: September 2026).
- Dürfen Reisebusse auf der Amalfitana fahren?
Zwischen Positano und Vietri sul Mare nur Busse bis 10,36 Meter Länge und 4 Meter Höhe; für Amalfi ist zusätzlich eine BusPass-Buchung nötig. Die Bergzufahrten über Agerola und den Chiunzi-Pass sind seit Juli 2026 für Fahrzeuge über 5 Tonnen gesperrt (Stand: September 2026).


