Der Fiordo di Furore ist kein echter Fjord — Fjorde entstehen durch Gletscher, dieser Einschnitt wurde über Jahrtausende vom Bach Schiato in den Kalkstein gegraben. Geologisch korrekt wäre also „Ria“ oder schlicht Schlucht, aber der klangvolle Name hat sich durchgesetzt. Die Amalfitana (SS163) überspannt die Schlucht mit einem rund 30 Meter hohen Brückenbogen, darunter liegen ein winziger Kiesstrand und die „Monazzeni“ — ehemalige Lagerhäuser der Fischer, die heute zu einem kleinen Ökomuseum gehören.
Ehrlich eingeordnet: Der Fiordo ist ein Instagram-Hotspot mit sehr wenig Platz. Wer nur das berühmte Foto will, braucht zehn Minuten. Lohnender wird der Stopp mit dem Abstieg zum Strand — sofern er gerade zugänglich ist — oder kombiniert mit der nahen Grotta dello Smeraldo.
Zugang zum Strand: Treppe von der SS163
Der Abgang beginnt direkt an der Brücke: Rund 200 Steinstufen führen von der SS163 hinunter in die Schlucht. Der Strand selbst misst nur etwa 25 Meter, das Wasser ist wegen der hohen Felswände schattig und spürbar kühler als an offenen Stränden. Im Hochsommer ist der schmale Streifen schnell voll.
Wichtig zu wissen: Der Zugang war wiederholt gesperrt. Nach einem Brand 2017 blieb der Strand wegen Steinschlaggefahr drei Jahre geschlossen und wurde erst im Juli 2020 nach Sicherungsarbeiten wieder freigegeben. Auch seither wird der Zugang immer wieder per Ordinanza reglementiert oder zeitweise geschlossen — etwa bei Steinschlagrisiko oder Dreharbeiten (Stand: Juli 2026). Vor der Anreise den aktuellen Stand beim Comune di Furore prüfen. Alle Details zu Wasser, Ausstattung und Badealltag stehen auf der eigenen Seite zur Spiaggia di Furore.
Fotopunkt und beste Zeit
Das klassische Motiv — Brückenbogen, Schlucht und Strand in einer Achse — gibt es nur von der Brücke selbst. Der Gehweg dort ist schmal und der Verkehr auf der SS163 dicht; kurz anhalten, fotografieren, weitergehen. Da die Schlucht eng und nach Norden eingeschnitten ist, erreicht die Sonne den Grund nur um die Mittagszeit — wer den Strand im Licht will, kommt zwischen etwa 11 und 14 Uhr. Für Fotos ohne Menschenmassen ist der frühe Morgen besser, dann liegt die Schlucht allerdings im Schatten.
Anreise: Bus, Auto und die Sache mit dem Halten
Am bequemsten kommt man mit dem SITA-Bus der Linie Amalfi–Positano: Haltestelle „Fiordo di Furore“ direkt an der Brücke, als Bedarfshalt — rechtzeitig drücken bzw. dem Fahrer deutlich winken. Die Haltebucht ist minimal, volle Busse fahren in der Hochsaison auch mal durch. Mit dem Auto ist es schwieriger: An der SS163 gibt es nur eine Handvoll Stellplätze am Straßenrand, die im Sommer praktisch immer belegt sind. Realistischer ist ein Stopp per Roller, mit Mietwagen außerhalb der Saison oder die Kombination mit einem Tagesausflug ab Amalfi oder Praiano.
Kino-Geschichte und Klippenspringen
1948 drehte Roberto Rossellini am Fiordo die Episode „Il miracolo“ seines Films „L’Amore“ — mit Anna Magnani in der Hauptrolle, die dafür das Nastro d'Argento als beste Darstellerin erhielt. Die beiden wohnten während der Dreharbeiten in einem Haus am Fjord; ihre turbulente Liebesgeschichte ist bis heute Teil der lokalen Erzählung, und in Furore erinnern Gedenktafeln an das Paar.
Berühmt war der Fiordo auch für das MarMeeting: Von 1985 an sprangen hier Klippenspringer aus aller Welt von einer Plattform an der Brücke rund 28 Meter tief ins Wasser. Nach der 32. Ausgabe 2018 fand der Wettbewerb in Furore nicht mehr statt; seit 2024 wird das MarMeeting in Porto Flavia auf Sardinien ausgetragen. Ein Nachfolgeformat am Fiordo ist zwar im Gespräch, aber bislang nicht umgesetzt (Stand: Juli 2026).
Ruhige Alternative zu Positano: Praiano liegt zwischen Positano und Amalfi, blickt nach Westen — und sieht als einer der wenigen Orte der Küste die Sonne im Meer versinken.




