Zum Inhalt springen
Geschichte

Normannen und Staufer in Salerno

Zwischen 1076/77 und 1266 regierten erst Normannen, dann Staufer über Salerno. Aus dieser Zeit stammen der Dom, der Ruf der ältesten Medizinschule Europas — und die Verwüstung von 1194, von der sich die Stadt lange nicht erholte.

5 Min. LesezeitAktualisiert 5. Juli 2026

Im Winter 1076/77 eroberte der Normanne Robert Guiskard nach monatelanger Belagerung das langobardische Salerno. Damit endeten rund 500 Jahre langobardischer Herrschaft — und Salerno wurde zur Residenz des mächtigsten Normannenfürsten Süditaliens. Robert stiftete den neuen Dom, den Papst Gregor VII. 1084 weihte. Der Papst, im Machtkampf mit dem Kaiser ins Salerneser Exil gedrängt, starb hier 1085 und liegt bis heute im Dom begraben. Auch das langobardische Castello di Arechi über der Stadt blieb unter den neuen Herren Festung und wurde weiter ausgebaut.

Die Schule von Salerno

Schon vor der normannischen Eroberung war Salerno ein Zentrum der Heilkunde. Die Schola Medica Salernitana ist die älteste belegte medizinische Schule Europas — sie verband griechische, lateinische, jüdische und arabische Tradition. Ihre Blüte fällt ins 10. bis 13. Jahrhundert: Studenten aus ganz Europa kamen nach Salerno, um Medizin zu lernen. Die Schule bestand formal noch Jahrhunderte weiter und wurde erst 1811 unter Joachim Murat aufgehoben.

Amalfi unter den Normannen

Auch Amalfi geriet in dieser Zeit unter normannische Kontrolle: 1073 unterwarf sich die Seerepublik Robert Guiskard; zwei Aufstände gegen die neuen Herren scheiterten. Den härteren Schlag versetzten der Stadt aber ihre Handelsrivalen aus Pisa, die Amalfi 1135 und 1137 plünderten. Die große Zeit als Seemacht war damit vorbei. Was blieb, sieht man bis heute: der Dom von Amalfi mit seinen arabisch-normannischen Formen und die dichte Gassenstruktur der alten Handelsstadt.

Die Staufer

1194: Heinrich VI. verwüstet Salerno

Über die Ehe Heinrichs VI. mit der Normannenerbin Konstanze von Sizilien (1186) fiel das Königreich an die Staufer. Salerno bezahlte den Machtwechsel teuer: Weil die Stadt 1191 die Kaiserin an den Gegenkönig Tankred ausgeliefert hatte, gab Heinrich VI. sie im September 1194 zur Plünderung frei. Salerno wurde verwüstet und verlor seinen Rang als eine der ersten Städte des Königreichs — ein Bruch, von dem sich die Stadt über Jahrhunderte nicht erholte.

Friedrich II. und die Konstitutionen von Melfi

Konstanzes Sohn Friedrich II., 1194 in Jesi geboren und schon 1198 als Kind zum König von Sizilien gekrönt, machte Süditalien später zu einem für seine Zeit ungewöhnlich straff organisierten Verwaltungsstaat. In den Konstitutionen von Melfi (1231) regelte er als einer der ersten Herrscher Europas die ärztliche Zulassung: Praktizieren durfte nur, wer eine staatliche Prüfung bestanden hatte — und die Ausbildung blieb an die Schule von Salerno gebunden. Für die geplünderte Stadt bedeutete das ein Stück Kontinuität.

Das Ende der Staufer und was bleibt

1266 fiel Manfred, Friedrichs Sohn, in der Schlacht bei Benevent gegen Karl von Anjou; 1268 wurde der letzte Staufer Konradin nach der verlorenen Schlacht von Tagliacozzo in Neapel hingerichtet. Das Zentrum des Königreichs verschob sich endgültig nach Neapel, Salerno wurde Provinzstadt. Sichtbar geblieben ist die Epoche trotzdem: der romanische Dom mit dem Grab Gregors VII., das Castello di Arechi hoch über dem Golf — und der Ruf der Schule von Salerno als älteste Medizinschule Europas.