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Geschichte

Paestum und die Magna Graecia

Lange bevor Rom Süditalien beherrschte, war die Region zwischen Salerno und der kalabrischen Spitze griechisches Siedlungsgebiet — die Magna Graecia.

6 Min. LesezeitAktualisiert 30. April 2026

Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. begannen griechische Stadtstaaten, Kolonien an der Küste Süditaliens und Siziliens zu gründen. Die Region wurde so dicht besiedelt und so kulturell griechisch geprägt, dass Römer sie später Magna Graecia — Großgriechenland — nannten.

Poseidonia, das spätere Paestum

Um 600 v. Chr. gründeten Siedler aus Sybaris die Stadt Poseidonia in der Ebene südlich des heutigen Salerno. In den folgenden 150 Jahren entstanden die drei großen dorischen Tempel, die heute noch stehen — der Hera-Tempel I (550 v. Chr.), der Athena-Tempel (500 v. Chr.) und der zweite Hera-Tempel (450 v. Chr., lange irrtümlich „Poseidon-Tempel" genannt).

Lukaner und Römer

Im 4. Jahrhundert v. Chr. eroberten die italischen Lukaner die Stadt; 273 v. Chr. wurde sie römisch und bekam den lateinischen Namen Paestum. Die griechischen Tempel blieben in Funktion, das Forum und ein Amphitheater kamen dazu. Im frühen Mittelalter wurde Paestum wegen Malaria aufgegeben — und über Jahrhunderte vergessen.

Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert

Erst im Zuge der Grand Tour wurden die Tempel im 18. Jahrhundert für Europa wiederentdeckt. Goethe besuchte Paestum 1787 und schrieb in der Italienischen Reise über den Eindruck der Bauten. Bis heute gehören sie zu den am besten erhaltenen Beispielen dorischer Architektur weltweit — vollständiger als fast alles, was man in Griechenland selbst sieht.