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Geschichte

Die Papierherstellung in Amalfi

Amalfi gehörte zu den ersten Papierzentren Europas: Die Technik kam über die arabische Welt, geschöpft wurde in den Wassermühlen des Valle dei Mulini — eine Werkstatt arbeitet bis heute.

4 Min. LesezeitAktualisiert 5. Juli 2026

Die Papierherstellung erreichte Europa im Mittelalter aus China über die islamische Welt — und Amalfi gehört zu den ersten Orten, an denen sie nachweisbar betrieben wurde. Die Händler der Seerepublik kannten die arabischen Werkstätten des Mittelmeerraums aus erster Hand und brachten die Technik mit nach Hause. Das Produkt hieß carta bambagina: Papier aus zerstampften Baumwoll- und Leinenlumpen, nicht aus Holz — deshalb ist es weich, saugfähig und erstaunlich haltbar.

Der älteste erhaltene Beleg ist ausgerechnet ein Verbot: 1231 untersagte Kaiser Friedrich II. in den Konstitutionen von Melfi den Notaren von Neapel, Sorrent und Amalfi, öffentliche Urkunden auf Bambagina-Papier auszustellen — Pergament galt als haltbarer. Dass Amalfi-Papier damals längst im Umlauf war, belegt das Dekret nebenbei gleich mit.

Das Valle dei Mulini: Wasserkraft für ein Handwerk

Hinter Amalfi steigt ein enges Tal in die Berge — das Valle dei Mulini, das Tal der Mühlen. Der Bach Canneto trieb dort die Wasserräder der Papiermühlen an: Lumpen wurden in wassergetriebenen Hammerwerken zerfasert, der Faserbrei in Bottichen mit Sieben zu Bögen geschöpft, gepresst und an der Luft getrocknet. Das Tal bot alles, was das Handwerk brauchte — sauberes Wasser, Gefälle für die Räder und unten am Meer einen Hafen für den Absatz. Um das Ende des 18. Jahrhunderts arbeiteten hier 16 Mühlen, der Höhepunkt der Produktion.

Niedergang: Industrie-Konkurrenz und das Hochwasser von 1954

Im 19. Jahrhundert machten industrielle Papierfabriken das Lumpen-Handwerk unrentabel; viele Mühlen schlossen. Den Schlusspunkt setzte die Natur: Das verheerende Hochwasser vom Oktober 1954 verwüstete das Tal und zerstörte die meisten der damals noch stehenden Betriebe — 13 von 16 Mühlen. Ihre Ruinen verfallen bis heute zwischen Farnen und Zitronenterrassen; wer sie sehen will, findet die Route im Beitrag zum Valle dei Mulini.

Eine Werkstatt hat alles überstanden: die Cartiera Amatruda, deren Familie seit dem 15. Jahrhundert als Papiermacher in Amalfi belegt ist. Sie schöpft bis heute Papier von Hand — Büttenbögen mit Wasserzeichen, Hochzeitspapeterie, Künstler- und Schreibpapier, verkauft als Carta di Amalfi.

Amalfi-Papier heute: Museum und Einkauf

Das Museo della Carta an der Via delle Cartiere ist in der früheren Mühle der Familie Milano untergebracht und zeigt das Verfahren dort, wo es jahrhundertelang stattfand — mit funktionierenden Wasserrädern, Hammerwerk und Schöpfbottich. Ab März ist es täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet; der Eintritt inklusive Führung kostet wenige Euro, die Führung mit eigenem Papierschöpfen 15 bis 20 Euro (Stand: Juli 2026).

Kaufen lässt sich Amalfi-Papier im Museumsshop und in den Schreibwaren- und Souvenirläden der Altstadt — von der einzelnen Büttenkarte bis zum gebundenen Notizbuch. Wer sichergehen will, achtet auf das Wasserzeichen und den Namen Amatruda.