Hinter der Piazza Duomo von Amalfi führt die Hauptgasse landeinwärts, wird zur Via Pietro Capuano und schließlich zur Via delle Cartiere, der „Straße der Papiermühlen“. Hier beginnt das Valle dei Mulini, das Tal der Mühlen entlang des Canneto-Bachs. Vom 13. Jahrhundert an wurde in diesem Tal Papier geschöpft; das Hochwasser vom Oktober 1954 zerstörte die meisten der damals noch aktiven Betriebe. Nur wenige Mühlen überlebten: Die Manufaktur Amatruda produziert bis heute handgeschöpftes Papier, die ehemalige Cartiera Milano beherbergt das Museo della Carta. Der Rest steht als Ruine im Tal: Wasserkanäle, Bottiche, halb eingestürzte Steingebäude, die der Wald zurückholt. Wie Amalfi zu einem der frühesten Papierzentren Europas wurde, steht im Artikel zur Papierherstellung in Amalfi; hier geht es um den Weg selbst.
Zur Orientierung: Der obere, wildere Teil des Tals heißt Valle delle Ferriere, nach den noch älteren Eisenhütten (ferriere). Beide Namen werden oft für dieselbe Wanderung verwendet; der markierte Weg trägt die Nummer 325 des CAI Monti Lattari („sentiero basso“, unterer Weg).
Route ab Amalfi: CAI 325 mit Zahlen
Start ist die Piazza Flavio Gioia am Hafen (5 m). Von dort durch die Hauptgasse bergauf, an der Piazza Duomo vorbei und immer geradeaus, bis die Gasse zur Via delle Cartiere wird. Nach dem Museo della Carta und der Papierfabrik Amatruda endet nach etwa einem Kilometer das Pflaster, und der Pfad taucht in den Wald ein: Stufen, Kastanien, Zitronenterrassen, unten der Bach. Die ersten Mühlenruinen liegen kurz danach, 30 bis 40 Gehminuten vom Hafen entfernt.
Weiter oben passiert der Weg das Agriturismo Fore Porta, dann die Reste eines frühen Wasserkraftwerks, und erreicht auf 244 m die Ruine der mittelalterlichen Eisenhütte (Rudere della Ferriera), wo der Pfad 323a aus Pontone einmündet. Der letzte Abschnitt führt am alten Aquädukt (300 m) entlang zum Tor des Naturreservats auf 330 m. Die Eckdaten des CAI: 3,2 km, rund 300 Höhenmeter im Anstieg, etwa 1 Stunde hinauf und 50 Minuten zurück, Schwierigkeit E (Wanderweg ohne Klettern). Hin und zurück sind es also gut 6 km und 2 bis 2,5 Stunden reine Gehzeit; mit Reservat, Ruinen-Stopps und Fotopausen ein entspannter Halbtag.
Am 9. April 2022 verschüttete ein Felssturz den Abschnitt zwischen Fore Porta und der Ferriera-Ruine. Laut CAI Monti Lattari (Aktualisierung 2024) wurde das Geröll nicht entfernt, aber eine Umgehung angelegt: Sie folgt etwa fünf Meter unterhalb der alten Trasse einer älteren Wasserleitung, womit der Weg wieder durchgehend begehbar ist. An dieser Stelle ist er schmaler und bei Nässe unangenehm; vor Ort auf aktuelle Absperrungen achten.
Varianten: kurz bis zu den Ruinen oder Abstieg ab Pontone
Kurzversion (1 bis 1,5 Stunden): Von der Piazza Duomo bis zu den ersten Mühlenruinen und zurück, als Ergänzung zu einem Amalfi-Tag, auch mit Kindern, die Treppen mögen. Ticket oder Anmeldung braucht es dafür nicht.
Klassiker ab Pontone (ca. 6 km, fast nur bergab): Mit dem SITA-Bus der Linie Amalfi–Ravello–Scala (Ticket 1,50 €) bis zur Abzweigung Pontone, kurz hinauf ins Dorf zur Piazza San Giovanni (288 m). Von dort auf dem Weg 323a über einen Fahrweg und Waldpfad in 30 bis 45 Minuten zur Ferriera-Ruine (1,7 km); für das Reservat steigt man noch 90 Höhenmeter bis zum Tor hinauf, dann geht es auf dem 325 nach Amalfi hinunter. Insgesamt rund 6 km, etwa 110 Höhenmeter bergauf und 380 bergab, 2,5 Stunden Gehzeit, mit Reservat und Pausen 4 Stunden. Man läuft die vielen Stufen hinunter statt hinauf und kommt direkt in Amalfi an.
Rundweg über Pogerola (nur für Trittsichere): Vom Aquädukt zweigt der Verbindungspfad 325a steil und stellenweise ausgesetzt (CAI-Stufe EE, Abbrüche von 20 bis 30 m) zum oberen Talweg 301 ab; über Paradiso und Tavernate führt der Weg 359 durch Kastanienwald hinab nach Pogerola (318 m) und weiter nach Amalfi. Rund 8 km und deutlich über 600 Höhenmeter, nur bei trockenem Wetter, mit Karte oder GPS und ohne Kinder.
Naturreservat Valle delle Ferriere: Regeln und Ticket
Der oberste Talabschnitt ist seit dem 29. März 1972 staatliches Naturreservat (Riserva Naturale Orientata, 450 Hektar) und wird vom Carabinieri-Biodiversitätskommando betreut. Das feucht-kühle Mikroklima der Schlucht hat hier etwas Seltenes bewahrt: Woodwardia radicans, einen Farn mit bis zu drei Meter langen Wedeln, der als Relikt aus dem Tertiär gilt und in Europa nur noch an wenigen Standorten wächst. Dazu kommen Wasserfälle, darunter die rund 25 m hohe Cascata Alta, Moospolster und Salamander.
Wichtig für die Planung: Der Wanderweg bis zum Tor ist frei. Die Reservatszone dahinter ist laut Carabinieri-Biodiversitätskommando nur mit vorheriger Reservierung bei der Gemeinde Scala und bezahltem Ticket zugänglich (5 €, frei für Kinder unter 12, Personen ab 65 und Menschen mit Behinderung). Man betritt sie in Begleitung des Reservatspersonals, das am Infopunkt in Pontone (Via Valle delle Ferriere 62) und am Tor die Gruppen zusammenstellt: in der Regel 20 Personen alle 30 Minuten, Aufenthalt bis zu 30 Minuten. Die Besuchszeiten legt die Gemeinde fest, sie liegen tagsüber; außerhalb der Sommersaison vorher erfragen, ob und wann Gruppen gehen (Stand: September 2026). Der innerste Bereich mit dem Farnbestand bleibt generell gesperrt; bei Regen, Sturm oder Steinschlaggefahr schließt das Reservat kurzfristig.
Beste Zeit, Ausrüstung, Sicherheit
Die beste Zeit ist ausgerechnet dann, wenn andere Wanderungen an der Küste unangenehm werden: Im Hochsommer ist das fast durchgehend schattige, wasserreiche Tal deutlich angenehmer als etwa der exponierte Sentiero degli Dei. Im Frühjahr führt der Bach am meisten Wasser, dann sind die Wasserfälle am eindrucksvollsten. Nach starkem Regen lohnt die Tour nicht: Stufen und Umgehung werden rutschig, und das Reservat schließt. Im Herbst ist die Schlucht kühl und wird früh dunkel, der Weg bleibt aber eine gute Option für bedeckte Tage.
Ausrüstung: feste Schuhe mit Profil (nasse Steine, Moos, unregelmäßige Stufen), mindestens 1 Liter Wasser pro Person, eine dünne Schicht für die kühle Schlucht und Mückenschutz für den Bachabschnitt; Sandalen sind fehl am Platz (mehr unter Wandern an der Amalfiküste). Handyempfang gibt es im Tal nur lückenhaft; die rot-weißen Markierungen sind gut, senkrechte Wegweiser fehlen aber stellenweise.
Anreise, Rückweg und Kombination mit dem Museo della Carta
Amalfi erreicht man von Salerno mit der Fähre (ca. 12 €, 35 Minuten) oder dem SITA-Bus (2,80 €), Details unter Anreise. Vom Hafen bis zum Wegbeginn sind es fünf Minuten zu Fuß; ein Auto braucht man nicht, Parken in Amalfi ist teuer und knapp.
Das Museo della Carta liegt direkt am Weg (Via delle Cartiere 23): eine Papiermühle aus dem 13. Jahrhundert mit funktionierenden Wasserrädern und Schöpfbottichen. Die halbe Stunde vor der Wanderung lohnt, weil man danach die Ruinen im Tal lesen kann: Kanäle, Radkammern, Stampfwerke. Eintritt 4,50 €, mit Führung und eigenem Papierschöpfen 7 €; vom 1. März bis 2. November täglich 10 bis 19 Uhr, vom 3. November bis 23. Dezember dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr (Stand: September 2026). Sinnvolle Reihenfolge: Museum am Morgen, Tal in der Mittagshitze, danach Strand oder Dom.
Typische Fehler
- Am Tor stehen und wundern: Ohne Reservierung und Zeitfenster sieht man vom Reservat nur den Zaun. Vorher bei der Gemeinde Scala buchen.
- Nachmittags starten: Die Zeitfenster liegen tagsüber, und in der Schlucht wird es früh dunkel.
- Mit dem Sentiero degli Dei verwechseln: Der Götterweg beginnt in Bomerano (Agerola) und hat mit diesem Tal nichts zu tun.
- Falsche Schuhe: Der Weg ist kurz, aber nass, moosig und voller Stufen; Stadtsneaker rutschen.
- Den Rundweg über Pogerola unterschätzen: Der Pfad 325a ist ausgesetzt; als Familienvariante taugt nur die Strecke Pontone–Amalfi.
Häufige Fragen zum Valle dei Mulini
- Wie lang ist die Wanderung durch das Valle dei Mulini?
Von der Piazza Flavio Gioia in Amalfi bis zum Tor des Naturreservats sind es 3,2 km und rund 300 Höhenmeter (CAI-Weg 325), etwa eine Stunde bergauf und 50 Minuten zurück. Hin und zurück also gut 6 km; die Variante ab Pontone nach Amalfi hat ähnliche Länge, ist aber fast nur bergab.
- Braucht man eine Führung oder ein Ticket?
Für den Wanderweg und die Mühlenruinen nicht. Nur die Reservatszone Valle delle Ferriere hinter dem Tor ist kostenpflichtig (5 €, frei unter 12 und ab 65 Jahren). Sie ist nur mit Reservierung bei der Gemeinde Scala zugänglich und wird ausschließlich in Begleitung des Reservatspersonals in Gruppen zu festen Zeitfenstern betreten (Stand: September 2026).
- Ist das Valle dei Mulini für Kinder geeignet?
Die Kurzversion bis zu den ersten Ruinen und die Strecke Pontone–Amalfi ja, wenn die Kinder Treppen gewohnt sind und feste Schuhe tragen. Kinderwagen sind wegen der Stufen ausgeschlossen, der Rundweg über Pogerola ist wegen ausgesetzter Passagen nichts für Familien.
- Wann ist die beste Zeit für die Wanderung?
Von März bis Oktober, vormittags. Im Frühjahr führen Bach und Wasserfälle am meisten Wasser, im Hochsommer ist das schattige Tal angenehmer als jede andere Küstenwanderung. Nach starkem Regen ist der Weg rutschig und das Reservat geschlossen.
Amalfi ist der Hauptort und Verkehrsknoten der Küste: Dom mit 62 Stufen, Fähren nach Salerno, Positano und Capri, SITA-Busse in alle Richtungen — und zwischen 11 und 16 Uhr voll bis an den Rand.








