Acciaroli liegt rund 100 Kilometer südlich von Salerno an der Cilento-Küste und gehört zur Gemeinde Pollica. Der Ort liegt im Parco Nazionale del Cilento, Vallo di Diano e Alburni — seit 1998 UNESCO-Welterbe, seit 1997 Biosphärenreservat, außerdem UNESCO-Geopark. Wer von der Amalfiküste kommt, merkt den Unterschied sofort: kaum Reisebusse, kaum Souvenirläden, dafür ein Hafen, an dem morgens noch Fischerboote entladen werden. Das Publikum ist überwiegend italienisch, die Preise liegen spürbar unter denen von Positano oder Amalfi.
Die Hundertjährigen von Acciaroli
2016 machte die CIAO-Studie (Cilento Initiative on Aging Outcomes) den Ort international bekannt: Forscher der University of California San Diego und der römischen Universität La Sapienza untersuchten, warum in Acciaroli und Umgebung auffallend viele Menschen über 100 Jahre alt werden. Erste Ergebnisse zeigten bei den Hochbetagten eine Mikrozirkulation des Blutes, wie man sie sonst bei 30 Jahre Jüngeren findet, dazu niedrige Werte des Gefäßhormons Adrenomedullin. Als Erklärungen diskutieren die Forscher die traditionelle Mittelmeerkost — inklusive des allgegenwärtigen wilden Rosmarins —, tägliche Bewegung im hügeligen Gelände und enge soziale Bindungen. Die Studie läuft bis heute weiter; eine einzelne „Wunderzutat“ hat sie bislang nicht gefunden.
Die Hemingway-Legende
Im Ort erzählt man gern, Ernest Hemingway habe um 1951 in Acciaroli gewohnt und hier — bei einem alten Fischer des Dorfes — die Vorlage für „Der alte Mann und das Meer“ gefunden. Belege für einen Aufenthalt gibt es nach über 70 Jahren allerdings keine; als wahrscheinlichstes Vorbild für den Roman gilt Hemingways kubanischer Bootskapitän Gregorio Fuentes. Die Geschichte gehört trotzdem fest zur Ortserzählung — man muss sie nicht glauben, um sie am Hafen gern zu hören.
Strand und Hafen
Die Gemeinde Pollica mit ihren Küstenorten Acciaroli und Pioppi trägt seit Jahrzehnten die „Bandiera Blu“ für Wasserqualität — auch 2026 wurde sie wieder ausgezeichnet (Stand: Juli 2026). Der Hauptstrand ist hell und feinsandig, das Wasser fällt flach ab: gut für Familien mit kleinen Kindern. Im August wird es voll und die Parkplätze knapp; Juni und September sind die entspannteren Monate bei angenehmen Wassertemperaturen. Der kleine Hafen mit dem mittelalterlichen Turm ist abends Treffpunkt des Ortes — Passeggiata statt Programm.
Pioppi: Heimat der Mittelmeerdiät
Wenige Kilometer südöstlich liegt Pioppi, der zweite Küstenort der Gemeinde. Hier lebte der amerikanische Ernährungsforscher Ancel Keys von 1963 bis in die 1990er und erforschte, warum die Menschen im Cilento so selten Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten — hier wurde der Begriff „Mittelmeerdiät“ geprägt, die heute zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt. Daran erinnert das Museo Vivente della Dieta Mediterranea im Palazzo Vinciprova. Mehr zur Küche der Region: Essen & Trinken.
Anreise ab Salerno
Am flexibelsten ist der Mietwagen: über die A2 und die Schnellstraße „Cilentana“ (SS18) dauert es je nach Verkehr 1,5 bis 2 Stunden; unterwegs lohnt ein Stopp bei den Tempeln von Paestum. Mit der Bahn fährt man bis Vallo della Lucania–Castelnuovo (Regionalzug ab Salerno) und weiter mit Bus oder Taxi, etwa 25 Minuten. Im Sommer verbindet zusätzlich die Schnellfähre „Metrò del Mare“ Salerno direkt mit Acciaroli — mehr dazu unter Fähren.



