Die Küche der Amalfiküste ist eine Variante der kampanischen Küche, geprägt vom Meer, von den Zitronenterrassen und von den Weiden und Kastanienwäldern der Monti Lattari im Rücken der Orte. Sie arbeitet mit wenigen Zutaten, die aus der unmittelbaren Umgebung kommen: Sardellen aus Cetara, Zitronen von den Terrassen, Ricotta und Fior di latte aus Agerola und Tramonti, Kartoffeln und Tomaten aus den Hanggärten. Mit etwas Ortskenntnis isst man hier hervorragend zu fairen Preisen. Im erstbesten Lokal am Hauptplatz zahlt man dagegen oft das Doppelte für die Hälfte.
Die typischen Gerichte der Küste
Scialatielli sind das Aushängeschild: eine kurze, dicke, leicht unregelmäßige Frischpasta aus Mehl, Milch, Ei, Pecorino und Petersilie, meist ai frutti di mare mit Muscheln, Garnelen und Tintenfisch serviert. Sie sind keine jahrhundertealte Tradition, sondern die Erfindung des aus Amalfi stammenden Kochs Enrico Cosentino, der sie in den 1970er-Jahren entwickelte und 1978 bei einem Kochwettbewerb dafür ausgezeichnet wurde. Der Name leitet sich vom neapolitanischen scialare („genießen, sich gehen lassen“) ab.
Spaghetti alle vongole (mit Venusmuscheln, Knoblauch, Öl und Petersilie) gibt es in jeder Trattoria am Wasser; die Qualität hängt fast nur von der Frische der Muscheln ab. In Cetara isst man Spaghetti con la colatura di alici: kalt angemachte Pasta mit einigen Löffeln der bernsteinfarbenen Sardellen-Würzsauce, Knoblauch, Öl und Petersilie, ohne Salz, denn die Colatura bringt genug mit. Ebenfalls typisch für Cetara sind Alici in allen Formen: frittiert, mariniert (alici marinate) oder gefüllt und paniert (alici ’mbuttunate).
Totani e patate, Fliegender Kalmar mit Kartoffeln, Knoblauch, Öl und kleinen Tomaten geschmort, ist das Gericht von Praiano, wo sich Fischer- und Bauerntradition der Terrassen treffen; Capri beansprucht die Urheberschaft ebenfalls. In Minori gibt es ’Ndunderi, große Ricotta-Gnocchi mit Ei, Pfeffer und Muskat, deren Rezept auf ein römisches Gericht aus Dinkel und Sauermilch zurückgehen soll; traditionell werden sie zum Fest der Stadtpatronin Santa Trofimena am 13. Juli gekocht, inzwischen ganzjährig serviert. Dazu kommen Klassiker wie Linguine al limone (Zitronenschale, Butter oder Öl, Parmesan), Pezzogna all’acqua pazza (Rotbrasse in Tomaten-Wasser-Sud) und Frittura di paranza (frittierte kleine Fische aus dem Tagesfang).
Pizza: neapolitanisch — und aus Tramonti
Salerno und die Küste liegen im Einzugsgebiet der neapolitanischen Pizza: dünner, weicher Boden, hoher Rand, im Holzofen bei über 400 °C in gut einer Minute gebacken. Weniger bekannt ist die eigene Pizza-Geschichte der Küste: Aus Tramonti, dem Bergdorf hinter Maiori, wanderten von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre Tausende Pizzabäcker nach Norditalien aus und eröffneten dort Pizzerien, die erste bereits 1947 in Novara. Heute führen sich rund 3.000 Betriebe in Italien auf Tramonti zurück. Die Pizza von Tramonti wird etwas kühler und länger gebacken, ist dadurch knuspriger als die neapolitanische und trägt seit 2010 eine kommunale Herkunftsbezeichnung (De.Co.). Belegt wird sie klassisch mit Fior di latte aus Agerola oder Tramonti statt mit Büffelmozzarella.
Eine gute Margherita kostet in Salerno ab etwa 6 €, in den touristischen Küstenorten 8 – 14 € (Stand: September 2026). Faustregel: Je näher am Anleger der Ausflugsboote, desto schlechter das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Produkte mit Schutzstatus
Die Küste hat für ihre Größe ungewöhnlich viele geschützte Herkunftsprodukte. Sie sind die verlässlichsten Mitbringsel und zugleich die beste Orientierung auf der Speisekarte:
- Colatura di Alici di Cetara DOP: seit Oktober 2020 geschützt. Sardellen werden nach dem Frühjahrsfang gesalzen und in Holzfässchen (terzigni) beschwert; die Flüssigkeit, die dabei austritt, reift mindestens neun Monate und wird dann abgezapft. Die Herstellung geht auf das römische garum zurück. Ein kleines Fläschchen kostet 10 – 15 € und reicht lange (Stand: September 2026).
- Limone Costa d’Amalfi IGP: seit 2001 geschützt. Die Sorte Sfusato Amalfitano ist groß und spindelförmig, mit ölreicher, sehr aromatischer Schale und vergleichsweise runder Säure. Angebaut auf den Terrassen von Vietri bis Positano.
- Liquore di Limone della Costa d’Amalfi IG: seit 2014 geschützte Bezeichnung für Limoncello aus IGP-Zitronen; Mindestalkoholgehalt 25 % vol, ausschließlich aus Schale, Alkohol, Wasser und Zucker.
- Mozzarella di Bufala Campana DOP: Südlich von Salerno, in der Piana del Sele rund um Paestum, liegt neben der Provinz Caserta das zweite Kerngebiet. Viele Büffelhöfe (caseifici) verkaufen direkt ab Hof; ein Besuch lässt sich gut mit den Tempeln von Paestum verbinden. Am besten schmeckt sie am Herstellungstag und bei Zimmertemperatur; aus dem Kühlschrank verliert sie Aroma und Konsistenz.
- Provolone del Monaco DOP: seit 2010 geschützter Pasta-filata-Käse aus Rohmilch der Monti Lattari (Agerola, Sorrentiner Halbinsel), mindestens sechs Monate gereift, kräftig und leicht scharf. Aus derselben Milch entsteht der Fior di latte di Agerola, der Kuhmilch-Mozzarella, der auf der Pizza der Küste liegt.
Dolci: Delizia, Santa Rosa und Pastiera
Die Delizia al limone, eine Kuppel aus Biskuit, gefüllt und überzogen mit Zitronencreme, ist das Dessert der Küste, obwohl sie streng genommen von der anderen Seite der Halbinsel stammt: Der Konditor Carmine Marzuillo aus Sorrent präsentierte sie 1978 bei einem Kochtreffen in Formia. International bekannt wurde sie ab 1989 durch eine Pasticceria in Minori, die bis heute als Referenz gilt. Die Sfogliatella Santa Rosa (Blätterteig mit Grießcreme, Ricotta und Amarenakirschen) entstand Anfang des 18. Jahrhunderts im Kloster Santa Rosa da Lima in Conca dei Marini; ein neapolitanischer Konditor übernahm das Rezept 1818, und daraus wurden die Sfogliatelle riccia und frolla, die heute in jeder Bar Neapels liegen. Die Pastiera (Mürbeteig, Weizenkörner, Ricotta, Orangenblütenwasser) ist der neapolitanische Osterkuchen, den gute Pasticcerie inzwischen ganzjährig führen. Eine Kuriosität aus Maiori sind Melanzane al cioccolato, frittierte Auberginen in Schokoladensauce, traditionell rund um den 15. August. Im Sommer ist die Granita al limone aus Sfusato-Saft das beste Mittel gegen die Hitze, an der Bar oder an den kleinen Kiosken am Strand, nicht an den Ständen mit den Plastikzitronen.
Wein und Limoncello
Die Costa d’Amalfi DOC (seit 1995) mit den Unterzonen Furore, Ravello und Tramonti ist eine der kleinsten und steilsten Weinregionen Italiens: Pergola-Reben auf Terrassen, Ernte von Hand. Der Weißwein besteht zu mindestens 40 % aus Falanghina und/oder Biancolella, ergänzt um lokale Sorten wie Ginestra, Fenile, Ripoli und Pepella; er passt zu allem, was aus dem Meer kommt. Rotweine basieren auf Piedirosso, Aglianico und Sciascinoso. Die Besonderheit von Tramonti ist der Tintore, eine dunkle, tanninreiche Rebsorte, die fast nur dort wächst, zum Teil an wurzelechten, jahrhundertealten Stöcken aus der Zeit vor der Reblaus. Für mehr Auswahl stehen auf jeder guten Karte die Weißweine aus Irpinien im Hinterland von Avellino: Fiano di Avellino und Greco di Tufo (beide seit 2003 DOCG), dazu den Aglianico-Rotwein Taurasi. Ein offener Hauswein (vino della casa) ist in der Trattoria oft ein solider Costa d’Amalfi oder Falanghina und kostet 4 – 6 € pro Viertel (Stand: September 2026).
Der Limoncello wird aus der Schale der Sfusato-Zitronen hergestellt und eiskalt als Digestif serviert; Details, Herstellung und Einkaufstipps im Artikel Sfusato und Limoncello. Kurzfassung: Echter Limoncello enthält nur Zitronenschale, Alkohol, Wasser und Zucker. Leuchtend gelbe Souvenirflaschen mit Aromastoffen oder Farbstoff erkennt man am Etikett.
Ristorante, Trattoria, Osteria, Pizzeria
Die Bezeichnungen sind nicht geschützt, geben aber eine Richtung vor. Ristorante steht für Tischdecke, ausführliche Karte und höhere Preise; Trattoria und Osteria für einfachere, familiär geführte Lokale mit kurzer, oft handgeschriebener Tageskarte, an der Küste meist die bessere Wahl. Eine Pizzeria öffnet fast immer nur abends, weil der Holzofen erst dann angeheizt wird; Pizza am Mittag gibt es eher in Lokalen mit der Bezeichnung Ristorante-Pizzeria. Eine Rosticceria oder Tavola calda verkauft warme Speisen zum Mitnehmen (Arancini, Pizza al taglio, frittierte Kleinigkeiten) und ist die günstigste Art, satt zu werden.
Die klassische Menüfolge ist kein Muss: Antipasto, Primo (Pasta), Secondo (Fisch oder Fleisch) mit Contorno (Beilage), Dolce, Kaffee. Nur einen Primo oder Antipasto plus Secondo zu bestellen, ist völlig üblich. Beilagen wie Kartoffeln oder Gemüse liegen nicht automatisch beim Secondo, sie werden extra bestellt. Wasser kommt als Flasche (naturale oder frizzante, 2 – 3 €), Leitungswasser ist unüblich.
Essenszeiten, Reservierung, Coperto, Trinkgeld
Mittagessen gibt es etwa 12:30 – 14:30 Uhr, Abendessen ab 19:30 Uhr; vor 20 Uhr sitzen fast nur Touristen im Lokal, Einheimische kommen zwischen 20:30 und 22 Uhr. Dazwischen ist die Küche der meisten Trattorien geschlossen; am Nachmittag bleiben nur Bar, Rosticceria oder Pizza al taglio. In Positano, Amalfi und Ravello ist an Sommerwochenenden eine Reservierung faktisch Pflicht; gefragte Adressen sind im Juli und August oft Tage im Voraus voll. In Salerno oder Cetara reicht meist ein Anruf am selben Tag.
Das Coperto (Gedeck, meist 1,50 – 3 € pro Person) ist in Kampanien erlaubt, muss aber auf der Karte ausgewiesen sein. Es ist keine Abzocke, sondern übliche Praxis; nur Latium hat es verboten. Ein separater servizio-Zuschlag von 10 – 15 % kommt in touristischen Lokalen dazu und steht ebenfalls auf der Karte. Trinkgeld ist keine Pflicht: Aufrunden oder 5 – 10 % bei gutem Service sind angemessen, mehr wird nicht erwartet. Kartenzahlung müssen Lokale seit 2014 akzeptieren, seit Mitte 2022 mit Sanktion; Bargeld beschleunigt trotzdem vieles, besonders in kleinen Bars. Ausführlich im Artikel Geld und Trinkgeld.
Frühstück an der Bar, Aperitivo am Abend
Frühstück ist in Italien Sache der Bar: Espresso oder Cappuccino im Stehen am Tresen, dazu ein Cornetto (mit Creme, Marmelade oder leer), zusammen 2,50 – 3,50 €. Am Tisch kostet dasselbe oft das Doppelte, mit Meerblick auch mehr; die Preisliste für Tresen (banco) und Tisch (tavolo) hängt aus (Stand: September 2026). Cappuccino nach dem Mittagessen ist möglich, gilt aber als Touristenmarker; nach dem Essen trinkt man Espresso, caffè macchiato oder im Sommer caffè shakerato.
Der Aperitivo zwischen 18 und 20 Uhr (Spritz, ein Glas Falanghina oder ein Bier mit Oliven, Chips und Taralli) ist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis des Tages: 5 – 8 € für den Spritz, die Kleinigkeiten kommen ohne Aufpreis (Stand: September 2026). Große Aperitivo-Buffets wie in Mailand gibt es an der Küste nicht.
Was kostet Essen gehen?
Größenordnungen (Stand: September 2026): Espresso an der Bar 1,20 – 1,50 €, Pizza 8 – 14 €, Pasta in der Trattoria 12 – 18 €, Hauptgericht 15 – 25 €, ein komplettes Fischmenü mit Wein 40 – 60 € pro Person. In Positano, Ravello und in den Lokalen direkt am Wasser von Amalfi liegt alles eine Stufe darüber; ein Abendessen mit Blick auf die Spiaggia Grande kostet ohne Weiteres 70 – 100 € pro Person. Der wichtigste Posten, den man kennen sollte: Frischer Fisch und Hummer stehen auf der Karte fast immer „al etto“, also pro 100 Gramm. Eine Dorade von 600 g zu 7 € pro Etto kostet 42 €, nicht 7 €. Nachfragen, wie viel das Tier wiegt, und es sich vorher zeigen lassen: Dann gibt es an der Rechnung keine Überraschung.
Gute Lokale erkennen — und Touristenfallen
Verlässliche Zeichen für ein gutes Lokal: eine kurze Karte, die sich nach Saison ändert, Fisch vom Tag statt „Meeresfrüchte-Platte“ zu jeder Jahreszeit, ein Hauswein aus der Region, italienische Gäste, ein Standort abseits des Anlegers oder ein paar Gassen den Hang hinauf. Warnzeichen: mehrsprachige Karten mit Fotos, Personal, das vor der Tür Gäste anwirbt, Menu turistico-Tafeln direkt an der Anlegestelle, gefrorener Fisch („surgelato“ muss auf der Karte gekennzeichnet sein, oft mit Sternchen), Limoncello-Verkostungen mit Souvenirshop im selben Raum. Im Hochsommer lohnt es sich, Lokalen in Nebenstraßen und in den Bergorten eine Chance zu geben; dort kochen häufig noch die Familien.
Wo essen? Salerno schlägt die Postkartenorte
In Salerno isst man spürbar günstiger und oft besser als in Positano oder Amalfi. Die Stadt lebt nicht vom Tourismus allein, die Gäste in der Altstadt sind Einheimische, und die Preise liegen ein Drittel unter denen der Küste. Auch Cetara, Maiori, Atrani und Minori haben ein besseres Preisniveau als die berühmten Nachbarn. Für Käse, Wein und einfache Landküche lohnen die Bergorte: Tramonti für Pizza, Tintore und Ricotta, Agerola für Fior di latte und Provolone del Monaco, Scala und Ravello-Oberstadt für ruhige Familienlokale. Der Cilento südlich von Paestum ist noch einmal deutlich günstiger und hat mit weißen Feigen, Büffelmozzarella und Sardellen von Menaica eine eigene, bäuerlichere Küche.
Mitbringsel, die sich lohnen
Haltbar, leicht und regional: eine Flasche Colatura di Alici DOP, Limoncello mit IG-Siegel direkt vom Hersteller, Sardellenfilets in Öl aus Cetara, ein Glas Marmellata di limoni, Pasta Scialatielli (getrocknet), kandierte Zitronenschalen, Provolone del Monaco (vakuumiert hält er die Heimreise gut aus), ein Costa d’Amalfi DOC oder ein Tintore aus Tramonti. Nicht empfehlenswert: Büffelmozzarella (hält keine 48 Stunden), Delizia al limone (Creme) und alles mit Plastikzitronen auf dem Etikett. Für den Rückflug ab Neapel gilt: Flüssiges nach der Sicherheitskontrolle kaufen oder im Koffer aufgeben.
Häufige Fragen zu Essen und Trinken an der Amalfiküste
- Was isst man an der Amalfiküste?
Typisch sind Scialatielli ai frutti di mare, Spaghetti alle vongole, Spaghetti mit Colatura di alici, frittierte oder marinierte Sardellen aus Cetara, Totani e patate aus Praiano, ’Ndunderi aus Minori und Fisch vom Tag. Als Dessert Delizia al limone, Sfogliatella Santa Rosa oder Granita al limone; dazu Costa d’Amalfi DOC und ein eiskalter Limoncello.
- Was ist Colatura di alici?
Eine bernsteinfarbene Würzsauce aus Cetara, die beim Reifen gesalzener Sardellen in Holzfässchen austritt. Sie reift mindestens neun Monate und ist seit 2020 als DOP geschützt. Sie ersetzt das Salz in Pasta-Gerichten und geht auf das römische Garum zurück; wenige Löffel reichen.
- Muss man in Italien Trinkgeld geben?
Nein. Das Coperto (1,50 – 3 € pro Person) und ein eventueller Servizio-Zuschlag stehen auf der Karte und sind der Ersatz. Aufrunden oder 5 – 10 % bei gutem Service sind eine freundliche Geste, mehr wird nicht erwartet.
- Wann isst man an der Amalfiküste zu Abend?
Restaurants öffnen abends gegen 19:30 Uhr; Einheimische kommen zwischen 20:30 und 22 Uhr. Mittags wird 12:30 – 14:30 Uhr gegessen, dazwischen sind die meisten Küchen geschlossen. Im Sommer in Positano, Amalfi und Ravello reservieren.
- Was kostet ein Essen an der Amalfiküste?
Grob (Stand: September 2026): Pizza 8 – 14 €, Pasta 12 – 18 €, Hauptgericht 15 – 25 €, Fischmenü mit Wein 40 – 60 € pro Person, plus Coperto. In Positano und Ravello liegt alles höher, in Salerno, Cetara oder den Bergorten etwa ein Drittel niedriger. Fisch wird oft pro 100 g („al etto“) berechnet.









