Maiori unterscheidet sich von fast allen Orten der Amalfiküste in einem Punkt: Der Ort liegt nicht am Steilhang, sondern in der breiten, ebenen Talmündung des Flusses Reginna Maior. Die Folge ist ein Straßenbild, das man sonst an dieser Küste nicht findet — eine gerade Hauptstraße (Corso Reginna), eine lange Uferpromenade und kaum Treppen im Zentrum. Das macht Maiori zum bequemsten Ort der Küste für Familien mit Kinderwagen, ältere Reisende und alle, die nach dem Strand nicht 300 Stufen zum Hotel steigen wollen.
Ehrlich gesagt ist Maiori auch der am wenigsten malerische Ort der Küste. Das Hochwasser in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 1954 zerstörte große Teile des alten Zentrums; der Wiederaufbau geschah zügig und pragmatisch, mit breiten Straßen und Wohnblocks der 1950er- und 1960er-Jahre. Wer die Postkartenkulisse von Positano sucht, wird hier enttäuscht; als bezahlbarer Badeort mit guter Anbindung überzeugt Maiori dagegen.
Der Strand
Mit rund 930 Metern Länge und bis zu 40 Metern Breite ist der Strand von Maiori der längste der Amalfiküste, kein Vergleich mit den schmalen Buchten in Positano oder Amalfi. Der Untergrund ist dunkler, grober Sand mit Kiesanteil; das Wasser fällt sanft ab, was den Ort bei Familien mit kleinen Kindern beliebt macht. Der mittlere Abschnitt ist fast durchgehend von Lidos belegt; ein Set aus Schirm und zwei Liegen kostet je nach Betrieb und Saison etwa 20–35 € pro Tag (Stand: September 2026). Freie Abschnitte gibt es im Osten unterhalb der Torre Normanna und im Westen am Hafen. Auf der Bandiera-Blu-Liste 2026 steht Maiori nicht; die Promenade mit Restaurants und Bars zieht sich die ganze Bucht entlang. Die Lidos bauen in der Regel Ende September oder Anfang Oktober ab, danach ist der ganze Strand frei zugänglich.
Sehenswertes
Collegiata di Santa Maria a Mare
Die Hauptkirche thront auf einem Felsvorsprung über dem Zentrum; vom Corso Reginna führt eine Treppe mit 127 Stufen hinauf. Der Bau geht auf das 13. Jahrhundert zurück und wurde mehrfach umgebaut; die grün-gelbe Majolika-Kuppel aus Vietri-Fliesen stammt von 1863, die vergoldete Kassettendecke im Inneren von 1529. Namensgeberin ist eine Marienstatue, die der Überlieferung nach 1204 am Strand angespült wurde. Der Blick von der Kirchterrasse über die ganze Bucht ist der beste im Ort.
Abbazia di Santa Maria de Olearia
Rund 3,5 km östlich, direkt an der Küstenstraße SS163 Richtung Capo d'Orso, liegt die in den Fels gebaute Abtei: drei kleine Kapellen übereinander in einer Höhle, gegründet im späten 10. Jahrhundert und nach 1509 aufgegeben. Die Fresken stammen überwiegend aus dem 11. und 12. Jahrhundert und wurden erst bei Restaurierungen 1988 wieder freigelegt. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist nur an wenigen Tagen der Woche, zuletzt Mittwoch und Samstag 15:30–18:30 Uhr sowie Sonntag 10:00–13:00 Uhr. Von November bis März bleibt die Abtei ganz geschlossen, an den übrigen Tagen öffnet sie nur nach Voranmeldung. Da die Zeiten häufig wechseln, vorher beim Tourismusbüro der Gemeinde Maiori nachfragen (Stand: September 2026). Zu Fuß sind es vom Zentrum rund 40 Minuten an der Straße entlang, ohne Gehweg; mit dem Auto oder dem SITA-Bus Richtung Salerno ist es angenehmer.
Castello di San Nicola de Thoro-Plano
Über dem Ortsteil San Pietro liegt die Burg, deren Ursprung als Fluchtburg ins 9. Jahrhundert zurückreicht; die heutige siebeneckige Anlage mit neun Türmchen entstand 1465–1468 unter den Piccolomini, den damaligen Herzögen von Amalfi. Der Aufstieg zu Fuß führt über rund 700 Stufen, alternativ per Auto über die Via Nuova Chiunzi. Die Besichtigung ist kostenlos, aber nur nach telefonischer Vereinbarung möglich, tagsüber in zwei Blöcken (Stand: September 2026); im Inneren ein kleines Museum zu altem Handwerk und ein Rundblick bis Capo d'Orso.
Torre Normanna, Castello Miramare, Palazzo Mezzacapo
Am östlichen Strandende steht die Torre Normanna, ein Wachturm aus dem 13. Jahrhundert gegen Sarazenenüberfälle, heute ein Restaurant mit Terrasse über dem Wasser. Roberto Rossellini drehte hier 1946 eine Episode von „Paisà“; Maiori war in den Nachkriegsjahren mehrfach seine Kulisse, auch für „La macchina ammazzacattivi“ und „Viaggio in Italia“. Auf der Westseite der Bucht erhebt sich das Castello Miramare (auch Castello Mezzacapo), ein neugotischer Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts um einen älteren Turm; es wird privat genutzt und ist nur von außen zu sehen. Frei zugänglich sind dagegen die Gärten des Palazzo Mezzacapo am Corso Reginna: ein Park in Form eines Malteserkreuzes mit Wasserbecken, täglich von 9 Uhr bis Sonnenuntergang, Eintritt frei (Stand: September 2026). Der Palazzo selbst beherbergt Bibliothek und Gemeindeämter.
Wandern
Der Sentiero dei Limoni verbindet Maiori mit Minori: ein alter Saumpfad durch Zitronenterrassen, Start an der Collegiata, 2–3 km und je nach Tempo 45–60 Minuten, mit vielen Treppen und einigen der besten Blicke auf beide Buchten. Am besten morgens gehen, in Minori frühstücken und mit dem Bus zurückfahren, so umgeht man die Mittagssonne. Anspruchsvoller sind der Aufstieg zum Santuario dell'Avvocata auf 870 m (CAI-Weg 307, gut 600 Höhenmeter) und der Küstenweg über den Capo d'Orso nach Erchie (CAI-Weg 304, mehrere Stunden, nur mit Karte oder GPS-Track). Die Straße nach Tramonti zum Valico di Chiunzi (11,5 km, rund 630 Höhenmeter) ist eher etwas für Rennradfahrer als für Wanderer.
Feste
Zwei Termine prägen den Kalender. Der Gran Carnevale Maiorese ist mit über 50 Ausgaben einer der ältesten Karnevalsumzüge Süditaliens und vom Kulturministerium als „Carnevale Storico d'Italia“ anerkannt: Pappmaché-Wagen, Musikgruppen und Umzüge an mehreren Terminen zwischen Anfang Februar und Faschingsdienstag; 2026 lief er vom 8. bis 22. Februar. Am 15. August feiert der Ort seine Patronin Santa Maria a Mare mit Pontifikalamt, Abendprozession und Feuerwerk über dem Meer gegen 23 Uhr. Höhepunkt ist die „Corsa della Madonna“: Die Statue wird im Laufschritt die 127 Stufen zur Collegiata hinaufgetragen. Zimmer um Ferragosto bucht man am besten Monate vorher.
Übernachten und Preisniveau
Maiori hat den größten Hotelbestand der östlichen Küste: Familienhotels aus den 1960er-Jahren an der Promenade, einige Vier-Sterne-Häuser mit Pool am Hang, dazu viele Ferienwohnungen. Die Häuser sind eher solide als stilvoll; dafür sind Zimmer mit Meerblick hier keine Frage des Budgets, sondern des Buchungszeitpunkts. Mit dem Auto profitiert man zusätzlich von den vergleichsweise entspannten Parkmöglichkeiten. Mehr zum Vergleich der Orte unter Wo übernachten.
Essen
Die Restaurants an der Promenade sind auf Durchlauf ausgelegt; besser isst man einen Block landeinwärts am Corso Reginna oder in den Seitengassen. Lokale Spezialitäten: Zitronen aus den Terrassen (Sfusato Amalfitano), Sardellen aus dem Nachbarort Cetara und die „Melanzane al cioccolato“, ein Nachtisch aus frittierten Auberginen mit Schokolade, der traditionell zu Ferragosto auf den Tisch kommt. Pizza gibt es fast überall; für einen Abend mit richtig gutem Essen lohnt die Fahrt nach Cetara oder hinauf nach Tramonti, das sich als Wiege der Pizza-Tradition an der Küste versteht.
Anreise und Parken
Mit dem SITA-Bus der Linie 5120 dauert die Fahrt aus Salerno 45–55 Minuten, aus Amalfi 15–20 Minuten; Tickets vorher an Tabakläden oder Bars kaufen, das 24-Stunden-Ticket CostieraSita kostet 10 €. Im Herbstfahrplan (14. September bis 1. November 2026) fahren ab Amalfi abends noch Busse um 21:05 und 21:40 Uhr bis Maiori, der letzte durchgehende Bus nach Salerno aber schon um 21:00 Uhr. Von etwa April bis Oktober fahren Fähren von Travelmar mehrmals täglich ab Salerno (30–40 Minuten, ca. 10 €) und ab Amalfi (15–25 Minuten, ab ca. 5 €); der Anleger liegt am kleinen Hafen im Westen der Bucht. Mit dem Auto erreicht man Maiori über die SS163 aus Vietri oder über den Valico di Chiunzi aus dem Hinterland (Autobahnausfahrt Angri); bei Stau auf der Küstenstraße ist die Passstraße oft die schnellere Wahl. Parken in den blauen Zonen kostet 2–3 € pro Stunde, in den Parkhäusern 3 € pro Stunde oder rund 20 € pro Tag. Plätze gibt es deutlich mehr als in Amalfi, im August werden sie aber auch hier knapp (Stand: September 2026).
Beste Reisezeit
Mai, Juni und September sind ideal: Wassertemperaturen ab etwa 20 °C, Lidos geöffnet, Fähren im Betrieb, aber noch keine August-Dichte. Juli und August sind heiß und voll, vor allem an italienischen Feiertagen. Im Oktober ist Baden noch möglich, die Fähren stellen gegen Monatsende den Betrieb ein. Von November bis März ist Maiori sehr ruhig: Viele Hotels und die Lidos sind geschlossen, dafür laufen Karneval und Zitronenernte. Oktober und November sind historisch die Monate der schweren Unwetter an dieser Küste, in dieser Zeit also die Wetterlage im Blick behalten.
Ausflüge und Kombinationen
Maiori eignet sich als Basis für die östliche Küste. Ravello erreicht man mit dem Bus über Amalfi (Umsteigen, insgesamt etwa 45–60 Minuten); mit dem Auto nimmt man die Bergstraße ab Castiglione zwischen Minori und Atrani. Cetara mit seiner Sardellenküche liegt gut zehn Busminuten östlich, Salerno mit Dom und Altstadt ist per Fähre ein entspannter Halbtagesausflug. Für Pompeji und den Vesuv fährt man über Salerno weiter mit dem Zug — früh starten. Positano ist von Maiori aus dagegen weit: Bus oder Fähre über Amalfi, in der Saison eher zwei Stunden pro Richtung.
Typische Fehler
Erstens: Maiori wegen der Architektur abzuschreiben, ohne Preise und Wege verglichen zu haben. Für Familien mit kleinen Kindern ist der flache Ort schlicht praktischer als jeder Steilhang. Zweitens: den Ort als Basis für Positano zu wählen; das Umsteigen in Amalfi frisst Zeit. Drittens: im August ohne reserviertes Lido an den Strand zu gehen, denn die mittleren Abschnitte sind ausgebucht und die freien früh belegt. Viertens: die Abtei Santa Maria de Olearia außerhalb der wenigen Öffnungstage anzusteuern oder im Winterhalbjahr, wenn sie von November bis März geschlossen ist.
Geschichte in Kürze
Der Ort hieß im Mittelalter Reghinna Maior nach seinem Fluss, der ihn vom kleineren Reghinna Minor (Minori) unterschied. Innerhalb der Seerepublik Amalfi war Maiori Sitz von Admiralität, Zoll und Arsenal; Überfälle von Sarazenen und Pisanern im 11. bis 13. Jahrhundert erklären die vielen Wachtürme. Die Piccolomini als Herzöge von Amalfi bauten 1465 die Burg San Nicola aus, 1662 wurde Maiori zur Königsstadt erhoben. Die Zäsur des 20. Jahrhunderts blieb das Hochwasser von 1954; seit 1997 gehört das Gemeindegebiet zum UNESCO-Welterbe Amalfiküste.
Häufige Fragen zu Maiori
- Lohnt sich Maiori?
Als Badeort und günstige Basis ja: längster Strand der Küste, ebene Wege, faire Hotelpreise, Bus und Fähre vor der Tür. Als Fotomotiv eher nicht, denn der Wiederaufbau nach 1954 hat dem Ort viel von seiner Altstadt genommen.
- Maiori oder Minori?
Maiori ist größer, hat den längeren Strand, mehr Hotels und die bessere Infrastruktur. Minori ist kleiner, hübscher und hat mit der römischen Villa und den Konditoreien mehr Charme. Beide liegen 2–3 km und einen kurzen Busstopp auseinander; über den Sentiero dei Limoni sieht man an einem Vormittag beide.
- Wie kommt man von Salerno nach Maiori?
Mit dem SITA-Bus der Linie 5120 in 45–55 Minuten oder von etwa April bis Oktober mit der Travelmar-Fähre in 30–40 Minuten für rund 10 € (Stand: September 2026). Die Fähre ist die entspanntere Variante, der Bus fährt ganzjährig.
- Ist Maiori für Familien mit Kindern geeignet?
Es ist der familienfreundlichste Ort der Amalfiküste: flach abfallender Sandstrand, ebene Promenade ohne Treppen, auf Familien eingestellte Lidos und Unterkünfte, die man mit Kinderwagen erreicht.
- Wie weit ist es von Maiori nach Amalfi und Positano?
Amalfi liegt rund 6 km westlich, 15–20 Minuten mit dem Bus oder 15–25 Minuten mit der Fähre. Positano ist deutlich weiter: mit Umsteigen in Amalfi in der Hochsaison eher zwei Stunden pro Richtung.









