Tramonti ist die Ausnahme an der Amalfiküste: kein Hafen, keine Strandpromenade, sondern ein weites, grünes Hochtal in den Monti Lattari hinter Maiori. Der Name kommt von lateinisch intra montes — „zwischen den Bergen" — und beschreibt die Lage treffend: Die Gemeinde mit rund 4.200 Einwohnern (Stand: Juli 2026) besteht nicht aus einem Ortskern, sondern aus 13 verstreuten Ortsteilen, darunter Polvica mit dem Gemeindesitz, Pucara, Gete und Campinola. Zwischen Kastanienwäldern, Zitronenterrassen und Weinbergen gilt Tramonti als die „grüne Lunge" der Küste — und als ihr flächengrößter Ort. Wer nach Tagen im Gedränge von Amalfi oder Ravello Ruhe sucht, findet sie hier.
Wein: Tintore-Reben aus der Zeit vor der Reblaus
Das Tal von Tramonti ist das wichtigste Weinbaugebiet der Amalfiküste und seit 1995 eine eigene Unterzone der Costa d'Amalfi DOC. Die Besonderheit ist die autochthone rote Rebsorte Tintore: In den sandigen Vulkanböden des Tals konnte die Reblaus nicht überleben, deshalb stehen hier bis heute wurzelechte, nicht veredelte Rebstöcke aus der Zeit vor der Phylloxera-Katastrophe — einzelne Exemplare werden auf mehrere hundert Jahre geschätzt, ihre Stämme sind dick wie kleine Bäume. Gezogen werden sie traditionell auf der hohen Pergola tramontina aus Kastanienholz, unter der man hindurchspazieren kann. Mehrere Weingüter im Tal bieten Verkostungen mit Voranmeldung an; mehr zur Küche der Region im Guide Essen und Trinken.
Pizza di Tramonti und der Concerto-Likör
Tramonti nennt sich selbstbewusst eine Heimat der Pizza — und hat dafür gute Argumente: Ab den 1950er-Jahren wanderten Hunderte Familien aus dem armen Tal nach Norditalien aus und eröffneten dort Pizzerien; als Pionier gilt Luigi Giordano, der 1951 im Piemont eine Käserei und wenig später eine Pizzeria gründete, um unverkaufte Mozzarella zu verwerten. In der Hochphase gingen mehrere tausend Pizzerien in Norditalien auf Betreiber aus Tramonti zurück. Die Pizza di Tramonti — bäuerlich belegt, länger und bei niedrigerer Temperatur gebacken, dadurch knuspriger als die neapolitanische — ist seit 2010 als kommunale Herkunftsbezeichnung (De.Co.) geschützt.
Die zweite Spezialität ist flüssig: Im ehemaligen Konservatorium San Giuseppe e Teresa im Ortsteil Pucara, gegründet 1662, kreierten Nonnen aus Bergkräutern, Gewürzen, Gerste und Kaffee den dunklen Kräuterlikör Concerto — er gilt als einer der ältesten Liköre der Amalfiküste und ist das lokale Gegenstück zum allgegenwärtigen Limoncello.
Valico di Chiunzi: Passstraße mit Vesuv-Blick
Über das Gemeindegebiet führt die Passstraße zum Valico di Chiunzi (rund 655 Meter), der die Amalfiküste mit der Ebene von Angri verbindet. Von der Passhöhe reicht der Blick über den Agro Nocerino-Sarnese bis zum Vesuv und zum Golf von Neapel — bei klarem Wetter einer der besten Aussichtspunkte der Region, mit Restaurants direkt am Pass. Für Autofahrer ist die Strecke zugleich die entspannteste Anfahrt an die mittlere Amalfiküste: A3-Ausfahrt Angri, dann der Beschilderung Valico di Chiunzi/Costiera Amalfitana folgen und durch das Tal nach Maiori hinunter — deutlich stressfreier als die kurvige Küstenstraße, Details im Guide zum Mietwagen und zur Anreise. Ohne Auto verbinden SITA-Busse Tramonti mit Maiori an der Küste (Stand: Juli 2026) — Tickets und Linien im Überblick zu den SITA-Bussen.

