Cetara ist anders als die übrigen Orte der Amalfiküste: kein Postkartenort, kein Ziel für Kreuzfahrtgruppen, sondern ein Fischerdorf mit rund 1.900 Einwohnern, das seinen Lebensunterhalt nicht primär aus dem Tourismus zieht. Die Thunfischflotte gehört zu den größten Italiens, die Sardellen werden in den Betrieben am Ort verarbeitet. Auf der Strecke zwischen Vietri sul Mare und Maiori ist Cetara der Ort mit dem geringsten Andrang und dem besten Essen fürs Geld.
Ortscharakter: Fischerdorf ohne Kulisse
Der Ort liegt in einer engen Schlucht, die von den Monti Lattari zum Meer hinunterführt; die Häuser stapeln sich zu beiden Seiten des Bachbetts, unten öffnet sich die Bucht mit Hafen, Strand und Wachturm. Von der Küstenstraße SS 163 aus sieht man wenig davon; Cetara zeigt sich erst, wenn man die Serpentinen hinunter zum Hafen geht. Dort liegen die kleinen Sardellenboote; die großen Thunfischfänger laufen im Frühsommer zum Roten Thun aus und sind dann wochenlang unterwegs. Die Fischer fahren dafür weit hinaus, bis vor Kalabrien und zu den Äolischen Inseln; der Fang wird in schwimmende Käfige umgesetzt, in Mastanlagen auf Malta oder in Spanien gemästet und geht zum größten Teil nach Japan. Vor Ort sieht man vom Thunfischgeschäft also wenig, außer den Booten selbst und den Betrieben, die Thun in Öl einlegen und Sardellen verarbeiten. Anfang der 1980er-Jahre erreichte die Flotte mit 22 Thunfischbooten ihren Höchststand; heute ist sie kleiner, aber nach wie vor aktiv, zuletzt kam 2026 ein 48 Meter langer Neubau hinzu.
Was Cetara von Positano oder Amalfi unterscheidet, ist der Alltag: eine Handvoll Trattorien, zwei, drei Bars, ein paar Läden mit Konserven und Colatura, dazwischen Menschen, die hier arbeiten und wohnen. Tagestouristen bleiben meist zwei bis drei Stunden; Übernachtungsgäste haben den Ort abends fast für sich.
Colatura di Alici: Fischsauce mit DOP-Siegel
Die Colatura di Alici ist eine bernsteinfarbene Würzflüssigkeit aus in Salz gereiften Sardellen und gilt als Nachfahrin des antiken römischen Garum. Seit Oktober 2020 trägt sie das EU-Siegel Colatura di Alici di Cetara DOP — als erstes Fischereiprodukt Kampaniens mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Das Regelwerk ist streng: Die Sardellen müssen zwischen Ende März und Mitte Juli vor der Küste der Provinz Salerno mit dem traditionellen Ringwadennetz (cianciolo) gefangen werden, werden von Hand geköpft und ausgenommen und reifen dann in Salzschichten in kleinen Holzfässern, den terzigni, mindestens neun Monate. Die Flüssigkeit, die dabei austritt, wird abgezogen; daher der Name, von colare, tropfen. Die geschätzte Jahresproduktion liegt bei nur 20.000 bis 30.000 Litern, entsprechend ist der Preis: Eine 100-ml-Flasche kostet etwa 10 € (Stand: September 2026).
Die klassische Anwendung: Spaghetti alla colatura, nur mit Knoblauch, Olivenöl, Petersilie und der Sauce, ohne Salz im Nudelwasser und ohne Käse. In den Trattorien am Hafen kostet der Teller etwa 12 bis 16 € (Stand: September 2026). Beim Kauf einer Flasche auf das DOP-Logo achten; einfache „Colatura“ ohne Siegel gibt es auch aus anderen Orten und mit kürzerer Reifung. Mehr zur regionalen Küche im Artikel Essen und Trinken an der Amalfiküste.
Sardellen und Thunfisch: Was man probieren sollte
Sardellen (alici) erscheinen in Cetara in jeder denkbaren Form: frittiert im Papiertütchen (cuoppo), mariniert mit Zitrone und Essig, gefüllt und gebacken (alici alla cetarese), als alici sotto sale zum Mitnehmen oder als tortino mit Kartoffeln. In der Fangsaison von Frühjahr bis Sommer sind die Fische frisch, außerhalb davon kommen sie aus dem Salz. Roter Thun steht als Tatar, Carpaccio, gegrilltes Steak oder als ventresca (Bauchstück) auf den Karten; hochwertiger ist meist das Eingelegte aus den örtlichen Manufakturen, das man in Gläsern im Ort kaufen kann. Ein Menü aus Vorspeise, Pasta und Wasser liegt in den Hafenlokalen bei 30 bis 45 € pro Person, deutlich unter dem Niveau in Positano oder Amalfi (Stand: September 2026). Die Manufakturen liegen teils im Ort, teils im oberen Tal. Besichtigungen sind möglich, doch als Familienbetriebe haben sie keine festen Öffnungszeiten; am besten vormittags anfragen.
Sehenswertes: Torre Vicereale, San Pietro Apostolo, Hafen
Über dem Hafen steht die Torre Vicereale. Der runde Kern stammt aus der Anjou-Zeit im 14. Jahrhundert; nach den Überfällen von 1534 und 1544 ließ der spanische Vizekönig die Anlage ab 1567 zum massiven Wehrturm ausbauen, im 19. Jahrhundert kam eine Wohnaufstockung hinzu. Nach einer Restaurierung ist der Turm seit 2011 Sitz des Museo Civico mit Werken des in Cetara geborenen Künstlers Ugo Marano (1943–2011), Malerei der Amalfiküste aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und einer Abteilung zum Architekten Manfredi Nicoletti (im Sommer Dienstag bis Sonntag 10–13 und 17–23 Uhr, für Herbst und Winter die Zeiten vorab erfragen; Stand: September 2026). Die Terrasse bietet den besten Blick über Bucht und Ort.
Die Pfarrkirche San Pietro Apostolo ist erstmals 988 erwähnt und wurde mehrfach umgebaut; heute zeigt sie eine klassizistische Fassade und ein spätbarockes Inneres mit einem Holzrelief der Kreuzigung aus dem 16. Jahrhundert. Wahrzeichen sind die gekachelte Majolikakuppel, wie man sie auch in Vietri, Positano oder Praiano sieht, und der über 18 Meter hohe Glockenturm, dessen unterer Teil noch romanisch ist. Dazu kommen die Klosterkirche San Francesco und die kleine Santa Maria di Costantinopoli. Der Hafen selbst ist die eigentliche Sehenswürdigkeit: Netze, Kisten, das morgendliche Ausladen und die Fischer, die am Nachmittag ihre Boote in Ordnung bringen.
Strände: Marina di Cetara und Lannio
Der Strand am Hafen ist kurz, dunkel, ehrlich; im Sommer stark frequentiert von Salernitanern, mit einem freien Abschnitt und Liegenverleih. Im Juni und Juli 2026 war er zeitweise gesperrt, seit Ende Juli 2026 ist er wieder nutzbar. Ruhiger, ohne den belebten Hafen im Blick, badet man in der Bucht Spiaggia di Lannio wenige Gehminuten östlich des Orts. Sie war wegen Steinschlaggefahr zeitweise gesperrt und ist nach einer Felssicherung für rund eine Million Euro seit Sommer 2026 wieder in Betrieb (Stand: September 2026). Beide Strände sind Kies-Sand-Mischungen mit klarem, schnell tiefem Wasser; Badeschuhe sind sinnvoll. Liegenverleih und Strandbars arbeiten in der Regel bis Ende September oder Anfang Oktober, danach ist Baden nur noch auf eigene Faust möglich.
Feste: San Pietro und Notte delle Lampare
Am 29. Juni feiert Cetara seinen Schutzpatron Petrus, den Fischer unter den Aposteln. Fischer tragen die Statue abends auf einem bootförmigen Gestell durch den Ort, mit einem wiegenden Schritt, der die Wellenbewegung nachahmt, und bringen sie am Strand dreimal bis ans Wasser, um das Meer zu segnen; um Mitternacht folgt ein Feuerwerk über der Bucht, das bis zu 10.000 Zuschauer anzieht. Die Küstenstraße wird an dem Abend gesperrt, die Anreise geht dann nur per Bus oder Boot.
Anfang August folgt die Notte delle Lampare. Fischerboote demonstrieren dabei nachts vor der Küste den traditionellen Sardellenfang mit Lampare, den starken Lampen, die die Schwärme an die Oberfläche locken; Zuschauer können per Boot hinausfahren. An der Mole gibt es Sardellen- und Thunfischgerichte, Musik und Videomapping. 2026 fand sie zum 49. Mal statt, am 8. August als Abschluss der viertägigen Cetara Experience (5. bis 8. August); das Degustationsmenü kostete 15 €. Der genaue Termin richtet sich nach der Mondphase und wird meist erst im Frühsommer bekannt gegeben, deshalb vor der Reise das Programm der Gemeinde prüfen.
Anreise und Parken
Der SITA-Bus der Linie 5120 aus Salerno Richtung Amalfi hält an der Küstenstraße oberhalb des Orts, Fahrzeit rund 30 Minuten; von der Haltestelle geht man wenige Minuten hinunter zum Hafen. Etwa von April bis Oktober legen zusätzlich die Fähren von Travelmar und Grassi Junior auf der Linie Salerno–Amalfi in Cetara an: rund 15 Minuten ab Salerno, 6 bis 8 €, die entspanntere Variante, im Hochsommer aber früh ausgebucht. Mit dem Auto ist Cetara der erste Ort hinter Vietri sul Mare, etwa 5 Kilometer über die SS 163. Der Gemeindeparkplatz am Hafen hat rund 100 Plätze und kostet von März bis Oktober 3 € pro Stunde, im Winter 1,50 € (Stand: September 2026); an Sommerwochenenden ist er ab Vormittag voll. Ausweichmöglichkeit ist der Parkplatz Pastena im oberen Ortsteil, von dort geht man bergab in den Ort.
Übernachten und beste Reisezeit
Cetara hat nur wenige Betten: ein Vier-Sterne-Hotel an der Küstenstraße, ein Albergo diffuso mit Zimmern in Häusern des Zentrums und ein paar Dutzend B&Bs und Ferienwohnungen. Die Preise liegen deutlich unter Positano oder Amalfi, im Juli und August sollte man trotzdem mehrere Wochen vorher buchen. Wer im Ort schläft, erlebt morgens den Hafen beim Ausladen und abends die Trattorien ohne Tagesgäste; dafür sind die Verbindungen nach Amalfi und Positano per Bus zeitaufwendig. Als Standort eignet sich Cetara vor allem für Reisende, die Salerno als Bahnknoten nutzen und die östliche Küste erkunden wollen.
Beste Reisezeit ist Mai bis Anfang Juli und September: warm genug zum Baden, die Sardellen frisch, die Lokale nicht überlaufen. August ist voll und laut, vor allem an Wochenenden. Von November bis März ist der Ort sehr ruhig, mehrere Restaurants schließen, die Fähren fahren nicht. Dafür ist Cetara dann noch am ehesten das, was es war.
Ausflüge und Kombinationen
Cetara lässt sich gut in einen Tag entlang der östlichen Amalfiküste einbauen: morgens die Keramikwerkstätten in Vietri sul Mare, mittags Sardellen in Cetara, nachmittags Baden am Strand von Erchie, dem nächsten Ort westlich, oder am langen Strand von Maiori. Alle drei liegen an derselben Bus- und Fährlinie, sodass man ohne Auto auskommt. Zum Wandern bieten sich der alte Pfad von Cetara über die Hänge nach Erchie oder der Aufstieg zu den Weilern oberhalb des Tals an. Amalfi ist per Fähre in rund 20 bis 25 Minuten erreichbar und damit als Halbtagesausflug realistisch.
Geschichte in Kürze
Der Name geht wahrscheinlich auf das lateinische cetaria zurück — eine Anlage zum Fang und zur Verarbeitung von Thunfisch; die Fischerei ist hier also älter als jede Urkunde. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts nutzten Sarazenen die Bucht als Stützpunkt, bevor sie vertrieben wurden; ab 1030 zahlte der Ort Fischereiabgaben an Amalfi, 1120 kam er zur Benediktinerabtei Cava, deren Einfluss bis in die Neuzeit reichte. Im Mai 1534 überfiel die Flotte des osmanischen Admirals Sinan Pascha den Ort, verschleppte rund 300 Einwohner in die Sklaverei und tötete viele weitere; 1544 folgte ein zweiter Überfall. Antwort war der Ausbau des Wachturms ab 1567. Eine eigenständige Gemeinde ist Cetara erst seit 1834; vorher gehörte es zu Vietri.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist, Cetara nur vom Bus aus zu sehen: Die Haltestelle liegt oben an der Straße, der Ort zeigt sich erst unten am Hafen. Zweitens: An einem Sommerwochenende mit dem Auto nach 10 Uhr ankommen und einen Parkplatz erwarten. Drittens: Colatura wie Sojasauce dosieren; ein Esslöffel pro Portion Spaghetti reicht, mehr wird schnell zu salzig. Viertens: eine Flasche ohne DOP-Siegel für das Original halten. Und schließlich: den Ort im November mit vollem Angebot erwarten — außerhalb der Saison schließen viele Lokale und die Fähren fahren nicht.
Häufige Fragen zu Cetara
- Was ist Colatura di Alici und wie schmeckt sie?
Colatura di Alici ist die klare, bernsteinfarbene Flüssigkeit, die beim monatelangen Reifen gesalzener Sardellen in Holzfässern austritt. Sie schmeckt intensiv salzig und nach Umami, ähnlich einer sehr reinen Fischsauce, und wird tropfenweise über Pasta oder Gemüse gegeben — nie gekocht.
- Wie kommt man von Salerno nach Cetara?
Mit dem SITA-Bus 5120 Richtung Amalfi in rund 30 Minuten oder von April bis Oktober mit der Fähre in etwa 15 Minuten (6 bis 8 €, Stand: September 2026). Mit dem Auto sind es rund 10 Kilometer über Vietri sul Mare, aber Parkplätze am Hafen sind im Sommer knapp.
- Lohnt sich Cetara als Tagesausflug?
Ja, vor allem für ein Mittagessen und einen Blick in ein Fischerdorf ohne Kulisse. Zwei bis drei Stunden reichen für Hafen, Turm, Kirche und Strand; wer badet oder das Museum besucht, plant einen halben Tag.
- Wann ist die Notte delle Lampare?
Ende Juli oder Anfang August, der Termin hängt von der Mondphase ab und wird meist im Frühsommer veröffentlicht. 2026 bildete sie am 8. August den Abschluss der Cetara Experience (5. bis 8. August).
- Kann man in Cetara baden?
Ja, am kleinen dunklen Strand direkt am Hafen und in der Bucht Lannio wenige Minuten östlich, die nach einer Felssicherung seit Sommer 2026 wieder geöffnet ist. Beide sind im August voll, das Wasser ist klar und schnell tief.









