Vietri sul Mare markiert den östlichen Beginn der Amalfiküste — direkt nach Salerno klettert die SS163 hier in die ersten Serpentinen. Der Ort ist deutlich weniger touristisch als Amalfi oder Positano und hat dafür einen anderen Charakter behalten: lebendige Werkstätten, ein normaler Wochenmarkt, weniger Souvenir-Inflation. Berühmt ist Vietri vor allem für seine Keramik.
Die Keramik
Vietri ist das Zentrum der süditalienischen Majolika-Produktion — die Tradition ist über Jahrhunderte gewachsen und prägt bis heute Fassaden, Straßenschilder und Kirchen im Ort. Charakteristisch sind kräftige Gelb-, Blau- und Grüntöne, oft mit Zitronen-, Hahnen- oder Eselmotiven. Der Esel (ciucciariello) gilt als Wappentier der vietresischen Keramik. Im Ortskern liegen mehrere ernsthafte Werkstätten mit eigener Produktion. Wer kein Geschirr nach Hause schleppen will: Fliesen, Magnete und kleine Schüsselchen sind ehrliche Mitbringsel.
Ceramica Solimene: Fabrik von Paolo Soleri
Die bekannteste Manufaktur ist Ceramica Artistica Solimene an der Via Madonna degli Angeli. Ihr Fabrikgebäude ist eine architektonische Rarität: entworfen von Paolo Soleri, einem Schüler Frank Lloyd Wrights, und Mitte der 1950er fertiggestellt — sein einziges Bauwerk in Italien. In die wellenförmige Fassade sind tausende Keramikgefäße aus eigener Produktion eingelassen. Der Verkaufsraum im Erdgeschoss ist frei zugänglich, oft mit Blick in die laufende Produktion.
Museo della Ceramica in Raito
Im Ortsteil Raito, oberhalb von Vietri, zeigt das Museo Provinciale della Ceramica in der Villa Guariglia die Geschichte der vietresischen Keramik: sakrale Stücke, Alltagsgeschirr und Arbeiten der sogenannten „deutschen Periode“ (1929–1947), als deutsche und mitteleuropäische Künstler die lokale Produktion stark beeinflussten. Der Eintritt ist frei. Wichtig: Das Museum ist wegen Sanierungsarbeiten seit Anfang 2025 geschlossen; die Wiedereröffnung ist für 2026 angekündigt, war aber zuletzt noch nicht erfolgt (Stand: Juli 2026) — vor dem Besuch den Status bei der Provinz Salerno prüfen.
Kirche und Strand
Die Chiesa di San Giovanni Battista ist das ortsbildprägende Wahrzeichen. Der heutige Bau stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert (neapolitanische Spätrenaissance); die Kuppel erhielt ihre grün-gelb-blaue Majolika-Deckung 1902 — natürlich aus lokaler Produktion. Der Strand Marina di Vietri liegt unterhalb des Hauptorts an der Bucht — dunkler Sand, gut ausgestattet, im Sommer voll mit Tagesgästen aus Salerno. Eine ruhigere Alternative ist die kleinere Bucht Spiaggia di Crestarella unterhalb des gleichnamigen Wachturms, ein Stück westlich.
Anreise
Vietri ist der einzige Ort der Amalfiküste mit eigenem Bahnhof: Vietri sul Mare–Amalfi an der Regionalstrecke Salerno–Neapel. Ab Salerno dauert die Fahrt 5–8 Minuten, tagsüber gibt es meist ein bis zwei Verbindungen pro Stunde, das Regionalticket kostet rund 2 € (Stand: Juli 2026). Alternativ halten die SITA-Busse der Linie Salerno–Amalfi in Vietri. Mit dem Auto liegt der Ort direkt am Beginn der SS163; Parkplätze sind wie überall an der Küste knapp — Details unter Anreise. Wer weiter die Küste entlang will: Cetara ist der nächste Ort Richtung Westen.








