Positano ist das meistfotografierte Motiv der Amalfiküste und einer der wenigen Orte, die ihrem Bild auch in der Wirklichkeit entsprechen. Pastellfarbene Würfelhäuser stapeln sich einen rund 300 Meter hohen Steilhang hinab bis zur Bucht, oben wächst der Ort bis in die Bergdörfer Montepertuso und Nocelle auf über 400 Metern. Befahrbar ist nur eine Einbahn-Schleife durch den Ort (Viale Pasitea, Via Cristoforo Colombo); alles andere erschließt man zu Fuß über Treppen, und davon gibt es Tausende. Der Ort hat rund 3.650 Einwohner (Stand: 2026), an einem Sommertag kommt ein Vielfaches davon als Gäste.
Ehrlich gesagt gehört Positano zu den teuersten Orten Italiens, und zwischen 11 und 17 Uhr ist er im Juli und August schlicht überfüllt. Wer aber früh morgens oder am Abend durch die Gassen geht, versteht, warum John Steinbeck den Ort im Mai 1953 in Harper’s Bazaar als Traumort beschrieb, der erst nach der Abreise wirklich real werde.
Was Positano besonders macht
Das Ortsbild ist ein zusammenhängendes Ensemble. Anders als Amalfi hat Positano kein einzelnes Wahrzeichen, sondern wirkt als Ganzes; die Majolika-Kuppel der Santa Maria Assunta aus gelben, grünen und blauen Kacheln ist eher das Zentrum eines Bühnenbilds als ein Solitär. In den Boutiquen entlang der Treppengassen dominieren Leinenkleidung im lokalen Stil (Moda Positano, entstanden Ende der 1950er-Jahre, als der internationale Jetset die Küste entdeckte) und handgefertigte Ledersandalen, die in einigen Werkstätten noch innerhalb einer Stunde am Fuß angepasst werden. Keramik, Limoncello und Leinen gibt es an jeder Ecke. Preise und Qualität schwanken stark, ein Blick in die Werkstatt hinter dem Laden hilft.
Positano war im 20. Jahrhundert ein Künstlerexil: Der Sozialphilosoph Alfred Sohn-Rethel lebte ab 1921 hier, der Schriftsteller Stefan Andres von 1937 bis 1948, der Pianist Wilhelm Kempff hatte ein Haus im Ort. Rudolf Nurejew kaufte 1989 die vorgelagerten Inseln Li Galli. Etwas davon ist geblieben: Im Juli findet das Positano Teatro Festival statt, das mit dem Premio Pistrice endet (Stand: 2025).
Santa Maria Assunta und die römische Villa
Die Pfarrkirche Santa Maria Assunta direkt über der Spiaggia Grande ist frei zugänglich. Im Inneren hängt die byzantinische Ikone der Schwarzen Madonna, die im 12. Jahrhundert nach Positano kam; die Legende erzählt, ein Schiff mit der Ikone an Bord sei vor der Küste in Flaute geraten und eine Stimme habe „posa, posa“ („leg ab, leg ab“) gerufen, daher angeblich der Ortsname. Direkt unter der Kirche liegt das MAR Positano (Museo Archeologico Romano): die Reste einer römischen Meeresvilla aus dem 1. Jahrhundert, die beim Vesuvausbruch 79 n. Chr. verschüttet wurde. Die Fresken im Triclinium, elf Meter unter der Kirche, sind bemerkenswert gut erhalten und seit 2018 zugänglich. Der Zugang erfolgt in Gruppen von rund zehn Personen mit Führung (ca. 30 Minuten). Eintritt 15 €, Kinder bis 12 frei, Zahlung nur mit Karte, Online-Buchung ratsam; 1. April bis 31. Oktober täglich 9–21 Uhr, November bis März 10–16 Uhr (Stand: September 2026).
Die Strände
Die Spiaggia Grande ist der zentrale Ortsstrand: dunkler Kies, etwa 300–400 Meter lang, im Sommer weitgehend mit Liegen besetzt (25–60 € pro Person, erste Reihe um 80 € für zwei Liegen). Ein freier Abschnitt liegt im westlichen Drittel. Der Blick hinauf auf die Stadt ist legendär. Positano ist 2026 die einzige Gemeinde der Amalfiküste mit Bandiera Blu. Die ruhigere Alternative ist die Spiaggia di Fornillo: über den Küstenweg in 10–15 Minuten erreichbar, etwas kleiner, mit einfachen Strandbars und zwei Liegen plus Schirm für 60–120 €. Am längsten Nachmittagssonne hat die Spiaggia di Arienzo östlich des Orts, erreichbar per Shuttleboot vom Lucibello-Steg oder zu Fuß über rund 300 Stufen; der Beachclub dort kostet allerdings ab etwa 150–200 € pro Person inklusive Lunch. Liegenverleih und Shuttleboote gibt es nur in der Badesaison (Stand: September 2026).
Anreise: Fähre, Bus, Auto
In der Saison kommt man am besten per Fähre: aus Salerno (50–75 Min je nach Zwischenhalten, ca. 15–17 €), Amalfi (ca. 25 Min), Sorrent (ca. 30–40 Min) oder Capri (ca. 30–50 Min). Die meisten Fähren verkehren von April bis Ende Oktober, einzelne Sorrent-Linien bis Anfang November. Im Winter fahren allenfalls einzelne Verbindungen, die Winterfahrpläne 2026/27 waren im September noch nicht veröffentlicht; bei Wellengang fällt der Halt auch in der Saison aus (Stand: September 2026). Übersicht unter Fähren an der Amalfiküste.
Der SITA-Bus 5070 braucht aus Amalfi 40–50 Minuten, aus Sorrent rund 50; in der Hochsaison ist er oft so voll, dass er an Zwischenhalten durchfährt. Wichtig: Der Bus hält nicht unten im Ort, sondern an der Staatsstraße. Aus Amalfi kommend steigt man an der Haltestelle „Sponda“ aus, aus Sorrent an „Chiesa Nuova“; von beiden geht es 10–20 Minuten über Treppen hinunter zum Zentrum. Im Herbstfahrplan bis 1. November 2026 fährt der letzte Bus von Sponda nach Amalfi um 20:35 Uhr. Die Tageskarte CostieraSita für 12 € (inklusive Positano-Ortsbusse) lohnt sich ab drei Fahrten (Stand: September 2026).
Mit dem Auto: Parken und ZTL
Mit dem Auto über die SS 163 Amalfitana ist Positano nur bedingt empfehlenswert. Die Garagen an der Viale Pasitea und der Via Cristoforo Colombo verlangen 4–7 € pro Stunde und 25–60 € pro Tag (Hochsaison Juni bis September am oberen Ende), blaue Zonen 3 € pro Stunde. Im Sommer sind die Garagen häufig ausgebucht, Vorreservierung ist üblich, und von der Garage bis zum Strand bleiben je nach Lage 200 bis 400 Stufen. Der Ortskern selbst ist eine ZTL, Fahrzeuge mit mehr als sechs Sitzen brauchen eine Transitgenehmigung. Dazu kommen 2026 die targhe alterne auf der gesamten SS 163 zwischen Vietri und Positano: Von 10 bis 18 Uhr dürfen an geraden Tagen nur ungerade, an ungeraden nur gerade Kennzeichen fahren, bis 30. September täglich, im Oktober an Wochenenden und Feiertagen. Hotelgäste sind bei An- und Abreise mit Buchungsnachweis ausgenommen (Stand: September 2026).
Im Ort: interner Bus und Treppen
Durch den Ort verkehrt der interne Bus von Mobility Amalfi Coast (früher Flavio Gioia): im Kreis über Piazza dei Mulini, Via Marconi und Viale Pasitea sowie hinauf nach Montepertuso und Nocelle und weiter nach Praiano. Tickets kosten 1,30 € im Vorverkauf (Tabacchi, Bars), 1,80 € an Bord, die Tageskarte 4 € (Stand: September 2026).
Wichtig für die Planung: Positano ist ein Treppenort. Zwischen Straße und Strand liegen Hunderte Stufen — für Kinderwagen, Rollstuhl oder schwere Koffer ist der Ort kaum geeignet; viele Hotels bieten deshalb Gepäckträger-Service an, der meist extra kostet.
Übernachten: oben oder unten?
Die Lage entscheidet über Preis und Alltag. Unten am Strand liegen die klassischen Grandhotels und die teuersten Terrassen; jeder Weg zurück führt bergauf. Die Viale Pasitea und der Bereich um Chiesa Nuova oben am Ortseingang sind günstiger und näher an Bus und Garage, dafür sind es zum Strand 15–25 Minuten Treppen abwärts (und wieder hinauf). Ruhe und moderate Preise bieten Montepertuso und Nocelle: einfache Pensionen, Blick über die ganze Bucht und der Ortsbus nach unten, der abends allerdings nicht mehr lange fährt. Für den Sommer sollte man vier bis sechs Monate im Voraus buchen; Alternativen im Vergleich unter Wo übernachten an der Amalfiküste. Grobe Größenordnung im Sommer: Fünf-Sterne-Häuser vierstellig pro Nacht, gute Mittelklasse 300–600 €, B&B und Ferienwohnungen ab 150–200 €. Dazu kommt die Kurtaxe: 5 € (5 Sterne), 4 € (4 Sterne), 3 € (3 Sterne) und 2,50 € (übrige Unterkünfte, B&B, Ferienwohnungen) pro Person und Nacht vom 1. April bis 31. Oktober, Kinder unter 10 frei (Stand: September 2026).
Essen und Trinken
Die Strandreihe an der Spiaggia Grande ist Kulisse, nicht Küche: gute Aussicht, hohe Preise, wechselhafte Qualität. Besser isst man in den Trattorien der oberen Ortsteile und in Montepertuso und Nocelle, wo die Küche der Küste (Zitronen-Spaghetti, frittierte Alici, Totani e patate, also Kalmar mit Kartoffeln) zu Preisen serviert wird, die noch etwas mit dem Rest Kampaniens zu tun haben. Die Küche von Nerano jenseits der Landspitze, die berühmten Spaghetti alla Nerano mit Zucchini und Provolone del Monaco, ist von Positano aus per Boot ein klassischer Tagesausflug. Faustregel für die Kalkulation: Pasta unten 22–30 €, oben 14–20 €, Espresso an der Bar 1,50–2 €, am Strandtisch das Doppelte (Stand: September 2026).
Beste Zeit für den Besuch
Im Juli und August schieben sich zwischen 11 und 17 Uhr Tagesgäste von Ausflugsbooten und Bussen durch die Gassen. Übernachtungsgäste haben morgens vor 10 und abends nach 18 Uhr fast leere Treppen und das beste Licht: Die Bucht liegt nach Süden, das Abendlicht trifft die Häuserfront frontal. Als Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober die entspanntere Wahl. Im Winter (November bis März) haben viele Hotels und Restaurants geschlossen, Fähren fahren nicht; der Ort ist dann still, aber auch etwas leer.
Feste: Ferragosto und die Sarazenen
Der Höhepunkt des Jahres ist das Patronatsfest der Madonna Assunta am 15. August. Die Prozession trägt die Marienstatue aus der Kirche zur Spiaggia Grande und hinaus aufs Meer, begleitet von Booten; gegen Mitternacht folgt ein großes Feuerwerk über der Bucht, das man vom Strand und von den Terrassen sieht. Dahinter steht die zweite Legende des Ortes: Sarazenen sollen in der Nacht zum 15. August die Ikone der Schwarzen Madonna geraubt haben, bis der Ruf „posa, posa“ sie zur Umkehr zwang. Diese Sarazenenlandung wurde ab 1954 einige Jahre lang als Reenactment mit Hunderten Darstellern inszeniert und lebt heute nur in einzelnen Neuauflagen weiter; ob es sie im jeweiligen Jahr gibt, zeigt erst das Festprogramm. An Ferragosto ist der Ort voll wie an keinem anderen Tag: Unterkünfte und Fährplätze deutlich früher buchen.
Ausflüge: Capri, Li Galli, Sentiero degli Dei
Positano ist der westliche Endpunkt des berühmten Wanderwegs Sentiero degli Dei (Götterpfad). In der klassischen Richtung (Bomerano → Nocelle) endet man nach rund 6,5 Kilometern in Nocelle und steigt dann etwa 1.700 Stufen nach Positano hinab oder nimmt dort den Ortsbus. Der Weg fordert die Knie, bietet großartige Ausblicke und kaum Schatten: früh starten.
Vom Steg an der Spiaggia Grande starten Boote nach Capri (30–50 Minuten). Die drei Inseln Li Galli (der Sage nach die Heimat der Sirenen, später Besitz von Massine und Nurejew) sind Privatbesitz; Boote ankern nur davor zum Baden. Hier kann man auch selbst ablegen: Kleine Boote ohne Führerschein (bis 40 PS) kosten ab etwa 300 € für einen halben Tag, ein Gozzo mit Skipper 500–1.500 € pro Tag, ein privater Sonnenuntergangstörn zu den Li Galli um 300 € (Stand: September 2026).
Nach Praiano mit seiner Sonnenuntergangsterrasse und der Gavitella-Bucht sind es 15 Minuten mit dem Bus. Mit einer zusätzlichen Nacht lohnt die Weiterfahrt nach Amalfi und Ravello oder gleich nach Salerno und Paestum.
Geschichte in Kürze
Die römische Villa unter der Kirche zeigt, dass die Bucht schon im 1. Jahrhundert als Sommersitz geschätzt wurde. Im Mittelalter gehörte Positano zur Seerepublik Amalfi; im 10. Jahrhundert entstand die Benediktinerabtei, aus der die heutige Pfarrkirche hervorging. Im 18. Jahrhundert brachten Handelsschiffe unter positanesischer Flagge Wohlstand, ehe Dampfschiffe die Segler verdrängten und nach der italienischen Einheit Massenauswanderung nach Amerika einsetzte. Ganze Viertel standen leer, Positano hieß „la città morta“. Die Wende kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit Künstlern, Steinbecks Reportage und dem Hotel Le Sirenuse der Familie Sersale; seither lebt der Ort fast vollständig vom Tourismus.
Typische Fehler
Mit dem Mietwagen ohne reservierte Garage anreisen. Den Hotelkoffer unterschätzen — 30 Kilo über 300 Stufen sind keine Anekdote. Am Samstag im August mittags ankommen. Die Fähre als sicher einplanen und bei Wellengang ohne Plan B dastehen. Am SITA-Bus in Amalfi ganz hinten anstehen. Und: nur den Strand sehen und nach zwei Stunden wieder abreisen. Der Ort lohnt sich morgens früh und abends spät, nicht in der Mittagshitze.
Häufige Fragen zu Positano
- Positano oder Amalfi — welcher Ort ist besser?
Positano ist schöner anzusehen, teurer und reiner Badeort mit Treppen; Amalfi hat mehr Geschichte (Dom, Papiermuseum), ein flacheres Zentrum und ist als Verkehrsknoten praktischer. An einem Tag lassen sich beide per Fähre verbinden (ca. 25 Minuten, bis Ende Oktober); übernachten lässt sich in Amalfi günstiger.
- Wie kommt man von Salerno nach Positano?
Am einfachsten per Fähre vom Molo Manfredi: 50–75 Minuten je nach Zwischenhalten, ca. 15–17 € (April bis Oktober; Stand: September 2026). Per Bus fährt man mit SITA nach Amalfi (2,80 €) und steigt dort in die Linie 5070 nach Positano um, insgesamt rund zwei Stunden. Außerhalb der Fährsaison bleibt nur der Bus.
- Ist Positano teuer?
Ja, mit Abstand der teuerste Ort der Küste: Hotels im Sommer meist 300–600 € pro Nacht, Liegen 25–60 €, Pasta am Strand ab 22 € (Stand: September 2026). Günstiger wird es in den oberen Ortsteilen, in Montepertuso und Nocelle oder als Tagesgast aus Praiano, Sorrent oder Salerno.
- Wo kann man in Positano parken?
In den Garagen an der Viale Pasitea und Via Cristoforo Colombo (4–7 €/h, 25–60 €/Tag; Stand: September 2026), im Sommer nur mit Reservierung realistisch. Straßenparkplätze gibt es praktisch nicht. Für einen Aufenthalt im Ort bleibt der Wagen am besten gleich in Salerno oder Sorrent.
- Lohnt sich ein Tag in Positano?
Ja, wenn man früh kommt oder bis zum Abend bleibt: Kirche und römische Villa, ein Bad an der Spiaggia Grande oder in Fornillo, ein Bummel durch die Gassen und der Blick von der Terrasse an der Via Positanesi d’America füllen einen halben Tag gut. Zwischen 11 und 17 Uhr im Hochsommer ist der Ort dagegen vor allem voll.











