Conca dei Marini liegt an der Küstenstraße SS163 zwischen Amalfi und Praiano. Mit rund 640 Einwohnern und einer Fläche von gut einem Quadratkilometer gehört die Gemeinde zu den vier kleinsten Italiens; in Kampanien ist nur das Nachbardorf Atrani noch kleiner (Stand: September 2026). Seit 2012 zählt der Ort zur Vereinigung „I Borghi più belli d'Italia“, der schönsten Dörfer Italiens. Einen klassischen Ortskern gibt es kaum: Die weißen Häuser verteilen sich in Terrassen über den Steilhang, verbunden durch Treppen und schmale Wege. Genau das macht den Reiz aus: Conca dei Marini ist eine ruhige Wohnlage mit großen Namen in der Nachbarschaft, aber ohne den Trubel der bekannten Küstenorte.
Ortscharakter: das „Dorf der Treppen“
Die Einheimischen nennen ihren Ort Conca dei gradini, Dorf der Stufen. Die Siedlung zieht sich vom Meer bis auf rund 400 Meter Höhe den Hang hinauf: unten das Borgo Marinaro mit der Bucht Marina di Conca, in der Mitte die Kirche Sant'Antonio auf ihrem Felsvorsprung, oben an der Straße nach Agerola die Pfarrkirche San Pancrazio. Zwischen diesen Ebenen gibt es keine Fahrstraßen, sondern Treppen, und das gehört bei der Wahl der Unterkunft mit in die Planung. Typisch für das Ortsbild sind die weißen, gewölbten Dächer und kleinen Kuppeln, wie sie an der ganzen Küste vorkommen, hier aber besonders dicht am Hang sitzen. Restaurants, Bars und Geschäfte gibt es nur wenige; abends ist es still. Für Bummelgassen und Aperitivo-Betrieb ist man in Amalfi oder Positano besser aufgehoben, für Ruhe und Aussicht hier.
Grotta dello Smeraldo: die Smaragdgrotte
Die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes liegt direkt an der Gemeindeküste, rund 5 km westlich von Amalfi: Die Grotta dello Smeraldo ist eine teilweise geflutete Karsthöhle, in der das Sonnenlicht durch eine Unterwasseröffnung fällt und das Wasser smaragdgrün leuchten lässt. Entdeckt wurde sie 1932 vom Fischer Luigi Buonocore; seit 1956 steht auf dem Grund eine Unterwasserkrippe aus Keramik. Der Zugang liegt an der SS163 auf dem Gebiet von Conca dei Marini: per Aufzug oder Treppe hinunter zum Höhleneingang, alternativ per Boot ab Amalfi (Molo Pennello, ca. 15 Minuten, 10–15 € pro Person, etwa März bis Oktober). Der Eintritt kostet rund 10 €, Kinder 5 €; geöffnet ist ab 9 Uhr bis etwa 16–17 Uhr, im Winter kürzer (Stand: September 2026). Bei Wellengang bleibt die Grotte geschlossen. Alle Details zur besten Tageszeit stehen im eigenen Beitrag.
Monastero Santa Rosa: Geburtsort der Sfogliatella
Auf einem Felsvorsprung hoch über der Bucht thront das ehemalige Dominikanerinnenkloster Santa Rosa. Es wurde ab 1681 mit Mitteln der Familie Pandolfi an die ältere Kirche Santa Maria di Grado angebaut und beherbergte bis ins späte 19. Jahrhundert Nonnen. Hier entstand der Überlieferung nach Anfang des 18. Jahrhunderts die Sfogliatella Santa Rosa: Eine Klosterköchin verarbeitete übrig gebliebenen, in Milch gekochten Grieß mit Trockenfrüchten und Zitronenlikör, hüllte die Masse in dünne Teigblätter aus Brotteig, Schmalz und Zucker und formte das Ganze wie eine Nonnenhaube. Um 1818 brachte der Neapolitaner Konditor Pasquale Pintauro das Rezept in seine Pasticceria an der Via Toledo und entwickelte daraus die kleinere sfogliatella riccia ohne Creme und Kirsche, die heute weltweit bekannte neapolitanische Version. Das Original aus Conca ist größer, trägt eine Haube aus Konditorcreme und eine Amarenakirsche und wird an der Küste in fast jeder Bar verkauft. Mehr zur Küche der Region im Guide Essen und Trinken.
Das Kloster selbst kaufte 1999 die US-Unternehmerin Bianca Sharma; nach rund elf Jahren Restaurierung eröffnete im Mai 2012 das Fünf-Sterne-Hotel Monastero Santa Rosa mit 20 Zimmern, Spa und einem Infinity-Pool über der Bucht. Besichtigen lässt sich das Gebäude nur als Gast oder Restaurantbesucher; der Blick von der Küstenstraße auf den Bau am Felsen lohnt aber auch so.
Kirchen und der Wachturm am Capo di Conca
Die Pfarrkirche San Pancrazio ist seit dem 14. Jahrhundert belegt und steht ganz oben im Ort, an der Straße Richtung Agerola; die Mosaiken der Fassade stammen von 1957. Bekannter ist die Kirche San Giovanni Battista, die alle nur Sant'Antonio di Padova nennen: Sie sitzt mit barocker Fassade auf einer Felskante über der Marina, und Antonius ist seit 1694 Schutzpatron des Ortes, sein Fest am 13. Juni ist der wichtigste Tag im Jahr. Dazu kommen kleinere Kirchen und Kapellen wie Santa Maria di Grado neben dem Kloster und San Michele Arcangelo.
Die Landzunge Capo di Conca schließt die Bucht nach Westen ab. Auf ihr steht die Torre di Capo di Conca, auch Torre Bianca oder Torre Saracena genannt: ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, errichtet unter dem spanischen Vizekönig Pedro de Toledo als Teil der Küstenwachkette gegen türkische und nordafrikanische Überfälle, später zeitweise als Friedhof genutzt. Der Turm ist heute das Wahrzeichen des Ortes; das Innere ist nicht regelmäßig zugänglich, der Platz davor mit Blick nach Amalfi und Praiano schon.
Strand: Marina di Conca und Lido Capo di Conca
Tief unter der Küstenstraße liegt das Borgo Marinaro, der alte Fischerhafen: eine kleine, von weißen Häusern gerahmte Bucht mit Kies-Sand-Strand und Fischerbooten. Der Zugang führt nur zu Fuß über eine lange Treppe, die direkt an der SS163 beginnt und durch die Häuser des Borgo hinabführt; wer einen Wagen dabeihat, parkt oben und steigt ab. Der Strand ist teils frei, teils mit Liegen und Schirmen ausgestattet; in der Badesaison, die an der Küste meist Ende September oder Anfang Oktober endet, gibt es einen Badebetrieb mit Bar. 2003 nahm Legambiente die Bucht in die Liste der schönsten Strände Italiens auf; 1996 hatte ein Erdrutsch den Strand stark beschädigt, inzwischen ist er wiederhergestellt. Das Wasser ist klar, der Betrieb deutlich geringer als an den großen Stränden der Küste. Auf der Felsplattform am Capo di Conca, direkt neben dem Turm, liegt zudem der Lido Capo di Conca: kein Sandstrand, sondern Sonnenterrassen auf dem Fels mit Leitern ins Wasser und Restaurant, ebenfalls nur über Treppen erreichbar. Mehr Strand bieten die Marina Grande in Amalfi und die Spiaggia di Furore, beide nur wenige Minuten entfernt.
Jackie Kennedy in Conca, Sommer 1962
Vom 8. bis 31. August 1962 verbrachte Jacqueline Kennedy mit Tochter Caroline und ihrer Schwester Lee Radziwill drei Wochen an der Amalfiküste. Gewohnt wurde im Palazzo Episcopio in Ravello, gebadet aber fast täglich in Conca dei Marini, wo die First Lady bei der Familie D'Urso zu Gast war. Hier traf sie erstmals den Fiat-Chef Gianni Agnelli; die Fotos der beiden auf seiner Yacht beschäftigten die Klatschpresse monatelang. Zum Wasserskifahren fuhr sie morgens im Fiat-600-Cabrio nach Amalfi. Der Sommer 1962 gilt bis heute als Moment, in dem die Küste endgültig zur internationalen Jetset-Adresse wurde. Conca blieb trotzdem das Dorf, das es war.
Anreise und Parken
Die SITA-Busse der Linie 5070 (Amalfi–Positano–Sorrent) halten an mehreren Stellen entlang der SS163, unter anderem an den Haltestellen Conca Paese und Via Smeraldo (Grotte); ab Amalfi dauert die Fahrt rund 10 Minuten. Von Salerno kommt man per Fähre oder Bus zunächst nach Amalfi und steigt dort um. Mit dem Auto ist Conca über die SS163 erreichbar, hat aber praktisch keine öffentlichen Parkplätze: Entlang der Küstenstraße gibt es nur wenige gebührenpflichtige Stellplätze, im Ort selbst kaum welche. Vor einer Übernachtung sollte man klären, ob die Unterkunft einen Stellplatz hat. Hinweis: Nach dem Felssturz vom 21. November 2025 bei Furore wurde die SS163 westlich von Conca im Dezember 2025 einspurig mit Ampelregelung wieder freigegeben. Laut Lokalpresse wurde der Abschnitt nach Abschluss der Hangsicherung am späten Abend des 31. Januar 2026 wieder vollständig freigegeben. An der SS 163 kommen Felssturzstellen, Ampelabschnitte und kurze Sperrungen für Sicherungsarbeiten laufend hinzu, zuletzt im September 2026 nach den Waldbränden zwischen Amalfi und Conca dei Marini. Vor der Fahrt die Verkehrsmeldungen der ANAS oder die Lokalpresse prüfen (Stand: September 2026). Busse verkehren in solchen Phasen, aber mit Verzögerungen.
Übernachten und Essen
Neben dem Monastero Santa Rosa in der Luxusklasse gibt es im Ort einige Ferienwohnungen, B&Bs und kleinere Hotels, meist mit Meerblick und zu deutlich niedrigeren Preisen als in Amalfi oder Positano. Wichtig bei der Auswahl: die Zahl der Stufen zwischen Unterkunft und Bushaltestelle erfragen, denn Gepäck muss getragen werden. Die Auswahl an Restaurants ist klein: das Lokal am Lido Capo di Conca im Sommer, ein paar Trattorien und Bars an der Küstenstraße sowie das Hotelrestaurant. Für mehr Auswahl am Abend fährt man nach Amalfi oder Praiano. Typische Gerichte sind Spaghetti mit roten Garnelen, Fischsuppe und die allgegenwärtige Sfogliatella Santa Rosa zum Frühstück. Einen Überblick über Ortswahl und Preisniveau gibt der Guide Wo übernachten an der Amalfiküste.
Beste Zeit und Feste
Für Baden und Grotte eignen sich Mai bis Anfang Oktober; Juli und August sind an der SS163 am vollsten, der Ort selbst bleibt auch dann ruhig. Die Feste des Jahres: im Februar der Carnevale delle Janare, am 13. Juni das Patronatsfest Sant'Antonio mit Prozession, am 5. August die Seeprozession zu Ehren der Madonna della Neve und Ende August Il Giorno della Santarosa, ein Abend rund um die Sfogliatella mit Konditoren und Köchen aus Kampanien, dessen Erlös sozialen Projekten der Küste zugutekommt. Das Fest greift den Brauch auf, dass die Äbtissin des Klosters zum Fest der heiligen Rosa von Lima Ende August Sfogliatelle an die Bewohner verteilte; 2026 fand es am 27. August statt (Stand: September 2026).
Ausflüge in die Umgebung
Der Fiordo di Furore liegt nur rund 2 km westlich und ist zu Fuß entlang der SS163 oder mit einer Busstation erreichbar. Nach Amalfi mit Dom und Papiermuseum sind es 5 km, nach Praiano mit der Spiaggia della Gavitella gut 4 km. Wanderer nehmen den Bus hinauf nach Agerola-Bomerano und laufen den Sentiero degli Dei nach Positano. Wer eine Bootstour bucht, sieht die Torre di Capo di Conca, das Kloster und die Grotte in einer Runde von der Wasserseite — die Perspektive, aus der der Ort am besten wirkt.
Geschichte in Kürze
Der Ort geht auf eine Siedlung namens Cossa zurück, die der Überlieferung nach von den Etruskern gegründet wurde und nach 272 v. Chr. unter römische Herrschaft kam. Im Mittelalter gehörte Conca zur Seerepublik Amalfi und stellte mit eigenen Schiffen und Kapitänen einen Teil ihrer Handelsflotte. Pestjahre 1528 und 1556, ein türkischer Überfall 1543 und die darauf errichteten Wachtürme prägten das 16. Jahrhundert; bis 1956 betrieb der Ort eine Thunfisch-Tonnara vor der Bucht. Den Namenszusatz „dei Marini“ führt die Gemeinde offiziell seit 1928.
Typische Fehler
Der häufigste Irrtum: mit dem Auto anreisen und mit einem Parkplatz rechnen. Der zweite: die Grotte mittags bei Hochbetrieb und Wellengang ansteuern. Morgens direkt zur Öffnung um 9 Uhr sind Licht und Andrang am günstigsten. Der dritte: eine Unterkunft ohne Blick auf die Stufenzahl buchen und dann täglich mit Strandtasche einige hundert Stufen steigen. Und die Sfogliatella Santa Rosa nicht mit der kleinen neapolitanischen Sfogliatella verwechseln: Das Original ist die Version mit Creme und Amarenakirsche.
Häufige Fragen zu Conca dei Marini
- Was kann man in Conca dei Marini machen?
Die Grotta dello Smeraldo besuchen, am Strand Marina di Conca oder am Lido Capo di Conca baden, zum Wachturm am Capo di Conca spazieren und die Sfogliatella Santa Rosa in ihrer Heimat probieren. Der Ort selbst ist klein und ruhig; für einen halben Tag reicht es, als Basis für die Küste taugt er länger.
- Wie kommt man von Amalfi nach Conca dei Marini?
Mit dem SITA-Bus 5070 Richtung Positano/Sorrent, Fahrzeit rund 10 Minuten, Haltestellen Conca Paese oder Via Smeraldo an der Grotte. Alternativ per Boot ab Amalfi direkt zur Grotta dello Smeraldo (10–15 €, ca. 15 Minuten, Stand: September 2026) oder zu Fuß entlang der SS163, etwa 5 km ohne durchgehenden Gehweg.
- Gibt es in Conca dei Marini einen Strand?
Ja, die kleine Bucht Marina di Conca unterhalb des Ortes mit Kies-Sand-Strand, teils frei, teils mit Liegen. Der Zugang führt über eine lange Treppe von der Küstenstraße. Dazu kommt der Lido Capo di Conca auf der Felsplattform am Wachturm mit Sonnenterrassen und Restaurant.
- Kann man das Kloster Santa Rosa besichtigen?
Nur als Hotelgast oder Gast des Restaurants: Das ehemalige Dominikanerinnenkloster ist seit 2012 das Hotel Monastero Santa Rosa. Von der SS163 und vom Meer aus ist der Bau auf dem Felsvorsprung gut zu sehen.
- Wo parkt man in Conca dei Marini?
Kaum irgendwo: Entlang der SS163 gibt es nur wenige gebührenpflichtige Stellplätze, im Ort selbst praktisch keine. Wer mit dem Auto kommt, sollte eine Unterkunft mit Stellplatz wählen oder in Amalfi parken und mit dem Bus weiterfahren.









