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Verstreute Häuser von Furore am Steilhang hoch über dem Meer, an den Fassaden zwei Wandgemälde
KI-generierte Illustration
Ort · Amalfiküste

Furore

Furore hat keinen Ortskern: Rund 670 Einwohner verteilen sich als Streusiedlung über die Terrassenhänge zwischen 300 und 600 Metern, hoch über dem Fjord. Dazu Wandbilder an den Hauswänden und einige der steilsten Weinberge Italiens.

Furore nennt sich selbst il paese che non c'è — das Dorf, das es nicht gibt. Wer die Küstenstraße zwischen Praiano und Conca dei Marini entlangfährt, sieht vom Ort tatsächlich fast nichts: keine Piazza, keinen Ortskern, keine Uferpromenade. Die Häuser der rund 670 Einwohner (Stand: September 2026) verteilen sich als Streusiedlung über die Terrassenhänge zwischen etwa 300 und 600 Metern Höhe, verbunden durch Treppen, Serpentinen und schmale Wege. Berühmt ist Furore trotzdem: wegen einer Felsschlucht ganz unten am Meer, wegen der Wandbilder an den Hauswänden und wegen eines Weins, der auf schmalen Felsbändern über dem Wasser wächst.

Ortscharakter: ein vertikales Dorf

Furore ist keine Ortschaft im üblichen Sinn, sondern ein Gemeindegebiet aus Weilern und Streusiedlungen mit Namen wie Li Summonti, Le Porpore, Li Cuomi oder Galli. Das Zentrum, sofern man davon sprechen kann, bilden drei Contrade um die Kirchen San Michele, Sant'Elia und San Giacomo, jede mit ihrem Kirchplatz, ein paar Häusern und einem Blick, der bis Positano und zu den Li-Galli-Inseln reicht. Dazwischen liegen Terrassen mit Reben, Zitronen und Gemüsegärten, gehalten von Trockenmauern aus Kalkstein. Ein Besuch in Furore gilt also keiner Piazza, sondern einer Landschaft: eine Straße, die sich in Kehren von der Küste zum Hochplateau von Agerola hinaufschraubt, und ein Netz aus Treppenwegen, die Meer und Berg seit Jahrhunderten verbinden. Seit 1997 gehört Furore mit der gesamten Amalfiküste zum UNESCO-Welterbe.

Der Fjord: Furores berühmteste Ecke

Der Fiordo di Furore ist geologisch kein Fjord, sondern eine vom Bach Schiato in den Kalkstein geschnittene Schlucht, die das Meer geflutet hat. Unten ducken sich ein paar ehemalige Fischerhäuser und ein rund 25 Meter kurzer Kiesstrand, darüber spannt sich die rund 30 Meter hohe Straßenbrücke der Amalfitana, von der zwischen 1986 und 2018 die Klippenspringer des MarMeeting ins Wasser sprangen. 1948 drehte Roberto Rossellini hier mit Anna Magnani den Film L'amore; die Gemeinde hat die Häuser am Fjord seit 2000 zu einem Ecomuseo mit alten Mühlen, einer Papiermühle und Themenwegen ausgebaut. Der Strand ist über rund 200 Stufen von der Straße aus erreichbar und liegt wegen der hohen Felswände schon am frühen Nachmittag im Schatten. Details zu Zugang und Wasser im Porträt der Spiaggia di Furore. Wichtig für die Planung: Nach einem Felssturz am 21. November 2025 bei Kilometer 23+300 war die Küstenstraße am Fjord bis zum 11. Dezember 2025 gesperrt und wurde dann einspurig per Ampel freigegeben. Laut Lokalpresse wurde der Abschnitt nach Abschluss der Hangsicherung am späten Abend des 31. Januar 2026 wieder vollständig freigegeben. An der SS 163 kommen Felssturzstellen, Ampelabschnitte und kurze Sperrungen für Sicherungsarbeiten laufend hinzu, zuletzt im September 2026 nach den Waldbränden zwischen Amalfi und Conca dei Marini. Vor der Fahrt die Verkehrsmeldungen der ANAS oder die Lokalpresse prüfen (Stand: September 2026). Wo geregelt wird, kostet das Zeit und kann Busfahrten verzögern.

Murales: das bemalte Dorf

Oben in der Streusiedlung wartet die zweite Überraschung: Furore ist ein paese dipinto, ein bemaltes Dorf. Anfang der 1980er-Jahre begann die Gemeinde unter dem Motto Muri in cerca d'autore („Mauern auf der Suche nach einem Autor“), italienische und ausländische Künstler einzuladen, Hauswände und Stützmauern entlang der Dorfwege zu gestalten; den Anstoß gaben die neapolitanischen Brüder Rosario, Elio und Luigi Mazzella. Über die Jahre entstanden rund 100 Wandbilder und Skulpturen, die Alltag, Legenden und Geschichte des Ortes erzählen: die größten gleich an der Ortseinfahrt, viele weitere rund um die Kirchplätze von Sant'Elia und San Giacomo und entlang der Via Trasita. Nach einer längeren Pause hat die Gemeinde die Tradition 2023 mit dem Festival Furore streetART wieder aufgenommen, das jeweils im September für eine Woche Street-Art-Künstler in den Ort holte; die zweite Ausgabe lief 2024. Zu sehen sind die Werke frei zugänglich vom öffentlichen Weg aus; sie sind Bestandteil der Häuser und stehen wie jedes Kunstwerk unter Urheberschutz.

Kirchen und Aussichtspunkte

Drei kleine Kirchen prägen das Oberdorf. San Giacomo Apostolo steht auf den Resten einer Felskapelle aus dem 11. Jahrhundert, wird 1319 erstmals erwähnt und besitzt eine Majolika-Kuppel sowie Fresken mit Szenen aus dem Leben der heiligen Margarethe, Katharina und Maria Magdalena. Sant'Elia Profeta aus dem 12. Jahrhundert, 1474 erweitert, bewahrt ein Triptychon des Malers Angelo Antonello da Capua. San Michele Arcangelo am Largo San Michele stammt aus dem 13. bis 14. Jahrhundert. Alle drei sind meist nur zu Gottesdienstzeiten geöffnet. Die Kirchplätze lohnen sich auch so, denn sie sind die besten Aussichtspunkte des Ortes. Noch weiter reicht der Blick vom Poggio La Vela oberhalb des Dorfes, wo im Sommer Freiluftveranstaltungen stattfinden. Auf dem kleinen Friedhof von Furore liegt seit 2019 der neapolitanische Schriftsteller und Regisseur Luciano De Crescenzo begraben.

Weinbau: Costa d'Amalfi Furore

Furores Terrassen gehören zu den spektakulärsten Weinbergen Italiens: Die Reben wachsen auf schmalen Felsbändern bis etwa 500 Meter über dem Meer, als Pergola erzogen, in reiner Handarbeit. Zur Einordnung: Furore ist kein eigenständiger Wein, sondern eine von drei Unterzonen der DOC Costa d'Amalfi, neben Ravello und Tramonti. Typisch sind alte lokale Rebsorten: Fenile, Ginestra und Ripoli für die Weißweine, Piedirosso und Aglianico für die Roten. Bekanntester Erzeuger ist das Weingut Marisa Cuomo (Cantine Gran Furor Divina Costiera), dessen Weißwein Fiorduva regelmäßig zu den höchstbewerteten Weißweinen des Landes zählt und 2006 als bester Weißwein Italiens ausgezeichnet wurde. Der Keller liegt direkt an der Straße durch das Oberdorf; Besichtigungen mit Verkostung sind nach Voranmeldung möglich (Stand: September 2026). Auch ohne Besuch im Weingut findet man die Weine der Unterzone in fast jedem Restaurant der Küste; mehr zur regionalen Küche im Guide Essen und Trinken.

Wandern rund um Furore

Das Gemeindegebiet ist ein einziges Treppennetz. Drei Routen sind für Besucher am interessantesten:

  • Vom Fjord hinauf: Der Sentiero dei Pipistrelli Impazziti („Pfad der verrückten Fledermäuse“) führt vom Fjord durch das Vallone di Furore hinauf Richtung Punta Tavola, vorbei an den alten Mühlen des Ecomuseo. Der Name kommt von den Fledermausschwärmen, die abends durch die Schlucht ziehen. Achtung: Der Weg (CAI 317) wurde nach dem Brand vom August 2017 gesperrt und war nach den letzten verfügbaren Berichten (2023) nicht wieder freigegeben; den aktuellen Zustand vor Ort erfragen. Unproblematisch sind nur die ersten Meter zum Ecomuseo. Als Aufstieg vom Fjord ins Oberdorf bleibt der Treppenweg über Sant'Elia; dafür sind gut 300 Höhenmeter zu rechnen.
  • Via dell'Amore nach Praiano: Ein Küstenweg, der Furore mit Praiano verbindet und wegen der Filmgeschichte am Fjord „Weg der Liebe“ heißt. Zusammen mit dem Sentiero dell'Agave in Fiore und dem Sentiero della Volpe Pescatrice bildet er ein kleines Wegenetz oberhalb der Küstenstraße, größtenteils schattig, mit ständigem Meerblick.
  • Anschluss an den Sentiero degli Dei: Von Furore fährt der Bus in rund einer Viertelstunde hinauf nach Bomerano in Agerola, dem Startpunkt des Sentiero degli Dei (7,8 km bis Nocelle, CAI 327). Mit einem Quartier im Oberdorf von Furore liegt der bekannteste Wanderweg der Küste damit praktisch vor der Tür.

Für alle Wege gilt: festes Schuhwerk, ausreichend Wasser und im Hochsommer ein früher Start. Weitere Routen und Verbindungen stehen im Guide Wandern an der Amalfiküste.

Anreise und Parken

Zwei Ebenen, zwei Buslinien: Den Fjord an der Küstenstraße SS163 bedient die SITA-Linie 5070 Amalfi–Positano–Sorrent mit Haltestelle direkt an der Brücke. Das Oberdorf erreicht die Linie 5080 Amalfi–Agerola, die an mehreren Punkten im Gemeindegebiet hält, unter anderem am Rathaus (Furore Municipio); Amalfi–Bomerano dauert rund 40 Minuten, der letzte Bus ab Amalfi fährt im Herbstfahrplan (bis 1. November 2026) um 22:00 Uhr (Stand: September 2026). Tickets vor dem Einstieg kaufen; Details, Preise und Fallstricke im Guide zu den SITA-Bussen. Ohne Auto bleibt Furore trotzdem ein Ort mit Wartezeiten: Die Küstenlinie fährt tagsüber häufig, die Linie ins Oberdorf grob stündlich, abends beide deutlich seltener.

Mit dem Mietwagen ist Furore praktischer als die meisten Küstenorte, weil die Straße nach Agerola weniger befahren ist als die Amalfitana. Parken bleibt dennoch das Hauptproblem: An der Fjordbrücke gibt es nur wenige Stellplätze am Straßenrand, im Sommer meist ab dem Vormittag belegt; bei Sicherungsarbeiten mit Ampelregelung wird es dort zusätzlich eng. Im Oberdorf finden sich ausgewiesene Stellplätze an der Straße nach Agerola, in der Saison teils gebührenpflichtig (Stand: September 2026). Einen Fähranleger hat Furore nicht. Der nächste liegt an der Marina di Praia unterhalb von Praiano, deren Bucht zum Teil auf Furoreser Gemeindegebiet liegt, sowie in Amalfi. Alle Verbindungen ab Salerno und Neapel im Guide Anreise.

Fjord und Dorf getrennt planen
Fjord und Oberdorf liegen rund 300 Höhenmeter auseinander und sind zu Fuß nur über lange Treppen verbunden. Für beides kombiniert man den Fjord-Stopp mit der Küstenlinie 5070 und das bemalte Oberdorf mit der Linie 5080 Richtung Agerola, etwa als Zwischenhalt vor dem Sentiero degli Dei.

Übernachten und Essen

Furore ist der ruhigste Übernachtungsort zwischen Amalfi und Positano: keine Promenade, keine Bars bis Mitternacht, dafür Terrassen mit freiem Blick aufs Meer und Nächte, in denen man nur Grillen hört. Das Angebot besteht aus wenigen kleinen Hotels, Ferienwohnungen in Privathäusern und Agriturismi zwischen den Reben, die oft auch Halbpension anbieten; die Preise liegen spürbar unter Positano, aber ein Auto oder die Bereitschaft zu Bus und Treppen ist Voraussetzung. Als Wanderbasis eignet sich das Oberdorf gut: Agerola und der Sentiero degli Dei sind per Bus in Minuten erreichbar. Was für wen passt, steht im Guide Wo übernachten.

Gegessen wird in Furore bodenständig. Auf den Karten stehen Pasta mit Zucchini oder Zitrone, Gemüse von den Terrassen, Kaninchen und Ziegenkäse aus dem Hinterland, aus dem benachbarten Agerola außerdem der Provolone del Monaco DOP und der Fior di latte, der dort seit Generationen hergestellt wird. Dazu fast immer ein Weißwein aus der Unterzone Furore. Die Restaurantdichte ist gering, im Winter schließt ein Teil der Betriebe; fürs Abendessen besser reservieren und die Öffnungszeiten vorher prüfen.

Beste Reisezeit und Feste

Für Wanderungen und den Ort selbst sind April bis Juni und September bis Oktober ideal: angenehme Temperaturen, blühende Terrassen im Frühjahr, Weinlese im Herbst. Im Juli und August ist der Fjord überlaufen, der Strand liegt ab dem frühen Nachmittag im Schatten, und die Küstenstraße steht. Dann lohnt sich Furore vor allem als ruhiges Quartier abseits des Trubels. Im Winter ist der Ort sehr still, viele Betriebe schließen. Mehr zu Klima und Monaten im Guide Beste Reisezeit.

Schutzpatron ist San Pasquale Baylon, gefeiert am 17. Mai mit der traditionellen Brotsegnung in San Giacomo und nach altem Brauch ein zweites Mal am letzten Sonntag im August mit Prozession und Ständen. Am letzten Sonntag im Juli feiert die Contrada um San Giacomo ihren Kirchenpatron mit Grillfest, Musik und einem kleinen Feuerwerk. Über den Sommer verteilt bespielt die Reihe I giorni della cicala Aussichtspunkte wie den Poggio La Vela mit Konzerten und Theater, und im September brachte Furore streetART zuletzt 2024 neue Wandbilder in den Ort.

Geschichte in Kürze

Der Name Furore geht auf das Tosen des Meeres in der Schlucht und das raue Wetter des Hanges zurück. Zur Zeit der Seerepublik Amalfi war das Gebiet ein Vorort Amalfis, dessen Bewohner von Fischfang, Terrassenlandwirtschaft und den vom Bach Schiato angetriebenen Mühlen und Papiermühlen im Fjord lebten; erst später wurde Furore eine eigenständige Gemeinde. 1532 zählte man 28 Haushalte, Mitte des 18. Jahrhunderts fast 800 Einwohner, seither schwankt die Zahl um 700. Im 20. Jahrhundert brachten Rossellini und Magnani den Fjord ins Kino, in den 1980er-Jahren machten die Wandbilder und der Weinbau den Ort über die Küste hinaus bekannt.

Typische Fehler

  • Furore am Fjord suchen: Unten an der Brücke steht kein Dorf, nur der Strand und das Ecomuseo. Das eigentliche Furore liegt 300 Höhenmeter weiter oben an der Straße nach Agerola.
  • Mittags zum Baden kommen: Der Strand im Fjord hat wegen der Felswände nur wenige Sonnenstunden am späten Vormittag und frühen Mittag; das Wasser ist kühler als an der offenen Küste.
  • Mit dem Auto an der Brücke parken wollen: Die wenigen Plätze sind im Sommer früh belegt, bei Sicherungsarbeiten mit Ampelregelung erst recht. Besser mit dem Bus 5070 kommen oder oben parken und zu Fuß absteigen.
  • Den letzten Bus verpassen: Abends fahren beide Linien selten. Vor einem Abendessen im Oberdorf die Rückfahrt klären, denn Taxis sind rar und teuer.
  • Furore in einer Stunde abhaken: Fjord, Wandbilder, Kirchplätze und Weinberge liegen weit auseinander. Ein halber Tag ist das Minimum, mit Wanderung ein ganzer.

Häufige Fragen zu Furore

Wo genau liegt Furore an der Amalfiküste?

Furore liegt zwischen Praiano und Conca dei Marini, rund 6 Straßenkilometer westlich von Amalfi. Der Fjord befindet sich direkt an der Küstenstraße SS163, das eigentliche Dorf verteilt sich rund 300 Meter höher an der Straße hinauf nach Agerola.

Wie kommt man ohne Auto nach Furore?

Zum Fjord mit der SITA-Linie 5070 Amalfi–Positano–Sorrent (Haltestelle an der Brücke), ins Oberdorf mit der Linie 5080 Amalfi–Agerola, die unter anderem am Rathaus hält. Die Küstenlinie fährt tagsüber häufig, die Linie ins Oberdorf grob stündlich, abends beide seltener (Stand: September 2026).

Kann man im Fiordo di Furore baden?

Ja, der rund 25 Meter kurze Kiesstrand ist frei zugänglich und über etwa 200 Stufen von der Straße aus erreichbar. Wegen der hohen Felswände gibt es nur wenige Sonnenstunden, und das Wasser ist kühler als an der offenen Küste; eine Bandiera Blu hat Furore nicht (Stand: September 2026).

Warum heißt Furore das bemalte Dorf?

Seit Anfang der 1980er-Jahre haben eingeladene Künstler rund 100 Wandbilder und Skulpturen an Hauswänden und Mauern entlang der Dorfwege geschaffen. Sie sind vom öffentlichen Weg aus frei zu sehen, vor allem rund um die Kirchplätze von Sant'Elia und San Giacomo.

Lohnt sich Furore als Übernachtungsort?

Für Ruhe, Meerblick und Wanderungen ja, denn der Sentiero degli Dei beginnt im Nachbarort Agerola. Wer Strandpromenade, Restaurants und Abendleben sucht, ist in Amalfi oder Positano besser aufgehoben; in Furore braucht man ein Auto oder Geduld mit Bus und Treppen.