Furore nennt sich selbst il paese che non c'è — das Dorf, das es nicht gibt. Wer die Küstenstraße zwischen Praiano und Conca dei Marini entlangfährt, sieht vom Ort tatsächlich fast nichts: Es gibt keine Piazza, keinen Ortskern, keine Uferpromenade. Stattdessen verteilen sich die Häuser der rund 700 Einwohner (Stand: Juli 2026) als Streusiedlung über die Terrassenhänge zwischen etwa 300 und 600 Metern Höhe, verbunden durch Treppen und schmale Gassen. Was Furore trotzdem berühmt gemacht hat, liegt ganz unten: der einzige fjordartige Meereseinschnitt Italiens.
Der Fjord: Furores berühmteste Ecke
Der Fiordo di Furore ist eine enge Felsschlucht, in die sich ein winziges ehemaliges Fischerdorf und ein kleiner Kiesstrand ducken — überspannt von der rund 30 Meter hohen Brücke der Amalfitana, von der im Sommer die Fotos in alle Welt gehen. In den 1940er-Jahren drehte Roberto Rossellini hier mit Anna Magnani, an die heute ein kleiner Museumsweg erinnert — die ganze Geschichte steht im Artikel zum Fjord. Wer baden will: Details zu Zugang und Wasserqualität im Porträt der Spiaggia di Furore. Der Strand ist klein und liegt wegen der hohen Felswände schon am frühen Nachmittag im Schatten.
Murales: das bemalte Dorf
Oben in der Streusiedlung wartet die zweite Überraschung: Furore ist ein paese dipinto, ein bemaltes Dorf. Seit 1980 laden die Initiative Muri in cerca d'autore („Mauern auf der Suche nach einem Autor“) und ihre Nachfolgeprojekte italienische und internationale Künstler ein, Hauswände und Mauern entlang der Dorfwege zu gestalten. Entstanden ist eine Open-Air-Galerie aus Dutzenden Wandbildern und Skulpturen, die Alltagsszenen, Legenden und die Geschichte des Ortes erzählen — am besten zu entdecken bei einem Spaziergang entlang der Via Trasita und der Panoramawege oberhalb der Kirchen San Giacomo und Sant'Elia.
Weinbau: Marisa Cuomo und die Costa d'Amalfi DOC
Furores steile Terrassen sind eines der spektakulärsten Weinbaugebiete Italiens. Die Reben wachsen auf schmalen Felsbändern teils mehrere hundert Meter über dem Meer — Handarbeit, Pergola-Erziehung, alte lokale Sorten wie Fenile, Ginestra und Ripoli. Wichtig zur Einordnung: Furore ist kein eigenständiger Wein, sondern eine von drei Unterzonen der DOC Costa d'Amalfi (neben Ravello und Tramonti). Bekanntester Erzeuger ist das Weingut Marisa Cuomo, dessen Weißwein Fiorduva (Costa d'Amalfi Furore Bianco) regelmäßig zu den höchstbewerteten Weißweinen Italiens zählt; Kellereibesichtigungen mit Verkostung sind nach Voranmeldung möglich (Stand: Juli 2026). Mehr zur Küche der Küste im Guide Essen und Trinken.
Wandern rund um Furore
Durch das Gemeindegebiet ziehen sich alte Treppenwege, die Fjord und Oberdorf verbinden — unter anderem die Sentiero-Abschnitte mit klingenden Namen wie Mad for Love (Via dell'Amore) rund um die Rossellini-Häuser am Fjord. Wer höher hinaus will: Das Hochplateau von Agerola mit dem Startpunkt Bomerano für den Sentiero degli Dei liegt direkt oberhalb von Furore und ist mit dem Bus in wenigen Minuten erreicht. Eine Übersicht der schönsten Routen der Küste gibt der Guide Wandern an der Amalfiküste.
Anreise und Orientierung
Zwei Ebenen, zwei Buslinien: Den Fjord an der Küstenstraße SS163 bedient die SITA-Linie 5070 Amalfi–Positano–Sorrent (Haltestelle direkt an der Brücke), das Oberdorf die Linie Amalfi–Furore–Agerola (Stand: Juli 2026). Tickets vorab kaufen — Details im Guide zu den SITA-Bussen. Mit dem Mietwagen ist Parken das Hauptproblem: An der Brücke über dem Fjord gibt es nur wenige Stellplätze am Straßenrand, im Oberdorf sieht es etwas besser aus. Einen Fähranleger hat Furore nicht — die nächsten liegen in Amalfi und an der Marina di Praia in Praiano.






