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Reisetipps

Wandern an der Amalfiküste: Die schönsten Routen

Die Amalfiküste ist ein Wandergebiet erster Klasse: alte Maultierpfade, Treppenwege und Kammrouten in den Monti Lattari — vom berühmten Sentiero degli Dei bis zu stillen Touren, die kaum jemand kennt.

9 Min. LesezeitAktualisiert 6. Juli 2026

Bevor die Küstenstraße gebaut wurde, war die Amalfiküste nur zu Fuß und per Boot erschlossen — das alte Netz aus Maultierpfaden, Treppen und Verbindungswegen zwischen den Dörfern existiert bis heute. Dazu kommen die Kammwege der Monti Lattari, des Gebirgszugs, der die Halbinsel bis über 1.400 Meter aufwölbt. Gepflegt und markiert wird das Wegenetz vor allem vom italienischen Alpenverein CAI (Club Alpino Italiano, Sektion Monti Lattari). Dieser Guide stellt die wichtigsten Routen im Steckbrief vor — von der Familienwanderung bis zur Gipfeltour.

Die wichtigsten Routen im Überblick

Sentiero degli Dei — der Klassiker

Dauer: ca. 3 Std reine Gehzeit · Länge: ca. 6,5 km · Höhenprofil: Start Bomerano 630 m, Ziel Nocelle 440 m — ca. 200 m bergauf, 400 m bergab · Schwierigkeit: mittel · Start: Bomerano (Agerola), SITA-Linie 5080 ab Amalfi

Der berühmteste Weg der Küste (CAI 327) verläuft hoch über der Steilküste von Bomerano nach Nocelle oberhalb von Positano — mit freiem Blick auf Capri. Zugang frei und ohne Anmeldung (Stand: Juli 2026), dafür in der Saison voll: früh starten. Alle Details, Varianten über Praiano und der Abstieg nach Positano stehen im ausführlichen Beitrag zum Sentiero degli Dei.

Valle dei Mulini & Valle delle Ferriere — die Schattige

Dauer: 2,5–4 Std · Länge: ca. 6 km hin und zurück, ab Pontone ca. 8 km · Schwierigkeit: leicht bis mittel, viele Stufen · Start: Piazza Duomo in Amalfi oder Pontone

Die Schluchtwanderung hinter Amalfi führt am Canneto-Bach entlang zu den Ruinen der alten Papiermühlen und hinauf Richtung Naturreservat mit Wasserfällen und Riesenfarnen. Dank Schatten und Wasser die beste Wahl für heiße Tage. Die Kernzone des Reservats ist nur mit Ticket (ca. 5 €) und zu begrenzten Zeiten zugänglich (Stand: Juli 2026) — Details, Varianten und das Museo della Carta am Startpunkt im Beitrag zum Valle dei Mulini.

Sentiero dei Limoni — die Genusstour

Dauer: ca. 1 Std je Richtung · Länge: ca. 2,5 km · Höhenmeter: ca. 150–200 m, viele Treppen · Schwierigkeit: leicht · Start: Kirche Santa Maria a Mare in Maiori oder Ortszentrum Minori

Der alte Verbindungsweg zwischen Maiori und Minori führt über den Weiler Torre mitten durch die Zitronenterrassen, in denen der Sfusato Amalfitano wächst. Beste Aussicht auf beide Buchten von Torre aus. Auch für Familien machbar — und ideal kombinierbar mit Strand oder Fähre in Minori. Wer mehr will, hängt den Aufstieg nach Ravello an.

Torre dello Ziro — der Aussichtsbalkon

Dauer: 2–3 Std hin und zurück · Länge: ca. 4–5 km · Schwierigkeit: leicht · Start: Piazza von Pontone (Ortsteil von Scala), per Bus ab Amalfi oder zu Fuß ab Ravello

Kurze, lohnende Tour zum Sarazenen-Wachturm aus dem 16. Jahrhundert auf dem Felsrücken zwischen Amalfi und Atrani. Vom Belvedere oberhalb des Turms fällt der Blick fast senkrecht auf die Dächer von Atrani und den Golf von Salerno — eines der besten Fotomotive der Küste. Der Weg durch den Pinienwald ist auch für Ungeübte machbar; wer mag, steigt anschließend über die Treppen direkt nach Atrani ab.

Monte Tre Calli — die Gipfeltour

Dauer: ca. 2 Std zum Gipfel, als Rundtour 4–5 Std · Höhenprofil: Gipfel 1.122 m, ab Bomerano ca. 500 m Aufstieg · Schwierigkeit: mittel · Start: Bomerano (Agerola), SITA-Linie 5080

Wer den Sentiero degli Dei von oben sehen will, steigt vom selben Startpunkt auf den Monte Tre Calli: ein markierter CAI-Weg über Weideflächen und Kalkgrat, mit Rundblick über die Hochebene von Agerola, die gesamte Ostküste und den Golf von Salerno — an klaren Tagen bis Capri. Deutlich einsamer als der Götterpfad und die logische Steigerung für den zweiten Wandertag. Trittsicherheit nötig, oben oft windig.

Baia di Ieranto & Punta Campanella — die Sorrentiner Seite

Dauer: ca. 1 Std je Richtung · Länge: ca. 2,5 km einfach · Höhenmeter: ca. 250 m · Schwierigkeit: mittel · Start: Piazza von Nerano (Massa Lubrense), westlich von Sorrent

Ganz am Ende der Halbinsel liegt die Baia di Ieranto, eine vom FAI (Fondo per l’Ambiente Italiano) geschützte Bucht mit Blick auf die Faraglioni von Capri. Der Pfad ab Nerano führt durch Olivenhaine und Macchia hinunter ans Wasser. Wichtig: Stand Juli 2026 sind die Badeplattform und die Zugänge zum Wasser wegen Sanierung gesperrt, Baden und Bootsverkehr in Teilen der Bucht untersagt — die Wanderung mit ihren Ausblicken lohnt trotzdem. Von Termini führt zudem ein alter Militärweg zur Punta Campanella mit Leuchtturm, dem äußersten Kap gegenüber Capri und Endpunkt der Alta Via dei Monti Lattari.

CAI-Wege und Markierungen

Die Wanderwege der Region tragen Nummern der 300er-Serie und sind mit den üblichen rot-weißen CAI-Zeichen an Felsen, Mauern und Bäumen markiert — der Sentiero degli Dei etwa als CAI 327. Rückgrat des Netzes ist die Alta Via dei Monti Lattari (CAI 300): eine mehrtägige Kammwanderung von Corpo di Cava bei Cava de’ Tirreni bis zur Punta Campanella, quer über den gesamten Gebirgszug. Einzelne Abschnitte sind als anspruchsvoll (Kategorie EE, für erfahrene Wanderer) eingestuft und teils ausgesetzt — für Tagestouren eignen sich eher die hier vorgestellten Zubringer- und Höhenwege. Die Markierung ist insgesamt ordentlich, aber nicht lückenlos: Eine Offline-Karte oder GPS-Track gehört auf jede längere Tour.

Beste Jahreszeit

Die besten Wandermonate sind April bis Mitte Juni und September bis Mitte Oktober: stabile Sicht, erträgliche Temperaturen, im Frühling blühende Macchia. Im Hochsommer sind exponierte Wege wie der Sentiero degli Dei oder der Monte Tre Calli praktisch schattenlos — dann nur mit Start vor 8 Uhr, oder gleich ins kühle Valle dei Mulini ausweichen. Im Winter ist Wandern grundsätzlich möglich, nach Regen werden die Kalkwege aber rutschig und einzelne Abschnitte können nach Unwettern gesperrt sein. Mehr zum Küstenklima im Beitrag zur besten Reisezeit.

Ausrüstung und Wasser

Für alle vorgestellten Routen reicht Tagesausrüstung — aber die richtige: feste Schuhe mit Profilsohle (Sneaker sind auf polierten Kalksteinplatten grenzwertig), Sonnenhut, Sonnencreme und mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person. Auf dem Sentiero degli Dei, am Monte Tre Calli und Richtung Punta Campanella gibt es unterwegs weder Quellen noch Einkehr. Wer empfindliche Knie hat, nimmt für die langen Treppenabstiege leichte Stöcke mit. Die komplette Übersicht steht in der Packliste.

Sicherheit

Dazu gilt: Touren nicht nach Schönwetterfotos planen, sondern nach der eigenen Kondition — fast jede Wanderung hier enthält deutlich mehr Stufen, als die Kilometerzahl vermuten lässt. Einzelne Wege werden nach Erdrutschen oder Waldbränden zeitweise gesperrt; im Zweifel vor Ort oder bei der CAI-Sektion Monti Lattari nach dem aktuellen Zustand fragen.

Anreise zu den Startpunkten

Das Auto ist zum Wandern hier eher Ballast: Parkplätze an den Startpunkten sind rar, und Strecken wie Bomerano–Positano sind ohnehin nur als Überschreitung mit Busrückfahrt sinnvoll. Praktisch alle Ausgangspunkte sind mit den SITA-Bussen erreichbar: Bomerano (Sentiero degli Dei, Monte Tre Calli) mit der Linie 5080 ab Amalfi, Pontone (Torre dello Ziro, Valle delle Ferriere) mit dem Bus Richtung Ravello/Scala, Maiori und Minori zusätzlich per Fähre. Für Nerano und die Baia di Ieranto fährt man über Sorrent und weiter mit dem Bus nach Massa Lubrense/Nerano. Tickets vorher im Tabacchi kaufen und den letzten Rückbus vor dem Start prüfen — abends dünnt der Takt aus. Grundsätzliches zur Anfahrt in die Region steht im Beitrag zur Anreise.