Scala liegt auf rund 400 Metern Höhe am Hang des Dragone-Tals, direkt gegenüber von Ravello — die beiden Orte schauen sich über die Schlucht hinweg an, eine kurze Straße verbindet sie. Während drüben Reisebusse zur Villa Rufolo rollen, bleibt es auf dieser Talseite still: ein paar Gassen, Terrassenfelder mit Kastanien und Weinreben, fünf verstreute Ortsteile und Ausblicke, die denen von Ravello kaum nachstehen. Unterkünfte und Restaurants sind hier deutlich günstiger als in den berühmten Nachbarorten — wer die Amalfiküste abseits des Trubels erleben will, findet in Scala eine der besten Basen der Küste.
Ältester Ort der Küste — und der Duomo San Lorenzo
Scala gilt als älteste Siedlung der Amalfiküste. Der Gründungslegende nach strandeten im 4. Jahrhundert römische Familien auf dem Weg nach Konstantinopel an dieser Küste und ließen sich auf den sicheren Höhen nieder — erst später sollen ihre Nachkommen unten am Meer Amalfi gegründet haben. Im Mittelalter erlebte Scala als Teil der Seerepublik Amalfi seine Blütezeit: Kaufmannsfamilien wurden im Levantehandel reich, von 987 bis 1603 war der Ort eigener Bischofssitz, und zeitweise soll Scala mehr als hundert Kirchen und Adelspaläste gezählt haben. Pisanische Angriffe im 12. Jahrhundert, Pest und Erdrutsche beendeten den Aufstieg — Scala schrumpfte zum Bergdorf, in dem zwischen den Häusern bis heute romanische Kirchen und Palastruinen stehen, ohne Eintrittskarte und ohne Menschenschlangen.
An der Hauptpiazza steht der Duomo San Lorenzo, im 12. Jahrhundert errichtet und größer als jede Kirche in Ravello — ein Nachhall der einstigen Bedeutung des Ortes. Hinter der romanischen Fassade mit ihrem prächtigen Portal wurde das Innere im 17. Jahrhundert barock überformt; die Kassettendecke zeigt Szenen aus dem Leben des Märtyrers Laurentius. In der Krypta liegt eine gotische Kreuzabnahme-Gruppe mit einem bemalten Holzchristus aus dem 13. Jahrhundert.
Der größte Schatz des Doms ist die Mitra von Scala: eine mit Gold, Perlen und 82 Edelsteinen besetzte Bischofsmütze aus dem 13. Jahrhundert, der Überlieferung nach ein Geschenk aus dem Haus Anjou an die damals einflussreiche Diözese. Nach langer Restaurierung wird sie wieder im Dom gezeigt (Stand: Juli 2026) — ein Prunkstück mittelalterlicher Goldschmiedekunst, das man in einem so kleinen Ort nicht erwarten würde.
Pontone: Torre dello Ziro und Valle delle Ferriere
Der Ortsteil Pontone, auf einem Felssporn zwischen Scala und Amalfi gelegen, ist einer der besten Wander-Ausgangspunkte der Küste. Vom Dorfplatz führt ein Weg hinaus zur Torre dello Ziro, einem Wachturm aus dem 15. Jahrhundert hoch über Amalfi und Atrani — der Legende nach wurde hier Giovanna d’Aragona, die Herzogin von Amalfi, mit ihren Kindern gefangen gehalten und ermordet. Der Belvedere am Turm bietet einen der spektakulärsten Tiefblicke der gesamten Küste.
In die andere Richtung steigt man von Pontone ins Valle delle Ferriere hinab: ein grünes Tal mit Wasserfällen, Resten mittelalterlicher Eisenhütten und Papiermühlen und einem feuchten Mikroklima, in dem die urzeitliche Riesenfarn-Art Woodwardia radicans überlebt hat. Der Weg mündet unten ins Valle dei Mulini und endet mitten in Amalfi — eine der lohnendsten Halbtagestouren der Region, größtenteils bergab. Mehr Routen rund um Scala im Guide zum Wandern an der Amalfiküste.
Anreise und Fortbewegung
Scala erreicht man mit der SITA-Linie 5110, die von Amalfi über die Serpentinen des Dragone-Tals nach Scala und Ravello hinauffährt — Fahrzeit ab Amalfi rund 25 Minuten (Stand: Juli 2026). Tickets vorher kaufen, Details im Guide zu den SITA-Bussen. Von Ravello aus ist Scala auch zu Fuß erreichbar: über die Verbindungsstraße oder auf alten Treppenwegen durchs Tal, jeweils etwa 20 bis 30 Minuten. Mit dem Auto ist die Anfahrt entspannter als an der Küste unten, Parkplätze sind aber auch hier begrenzt. Wichtig für die Planung: Die Ortsteile liegen auf verschiedenen Höhen und sind teils nur über Treppen verbunden — gutes Schuhwerk gehört nach Scala wie an den Strand die Badesachen.





