Die Tempel von Paestum gehören zu den besterhaltenen Bauten der griechischen Antike, und anders als in Athen oder Agrigent stehen sie nicht in einer modernen Stadt, sondern auf einer flachen, weitgehend unbebauten Ebene. Man sieht sie schon vom Zug aus. Das Ausgrabungsgelände und das Nationalmuseum gegenüber bilden zusammen den staatlichen Parco Archeologico di Paestum e Velia; ein Ticket deckt beides ab. Diese Seite beschreibt den Besuch: Rundgang, was man in den einzelnen Tempeln sieht, Museum, Zeiten, Preise und Anreise. Die Geschichte der Kolonie Poseidonia steht unter Paestum und die Magna Graecia.
Rundgang: Reihenfolge auf dem Gelände
Das Gelände ist ein langgestrecktes Rechteck innerhalb der antiken Stadtmauer, die rund 4,75 km lang ist und noch weitgehend steht. Der Haupteingang (Porta Principale) liegt an der Via Magna Grecia direkt gegenüber dem „Neptuntempel“; hier ist eine der beiden Kassen, die zweite im Museum. Wer das Ticket bereits hat, kann auch am Nordende nahe dem Athena-Tempel (Porta Cerere) hinein. Ein befestigter Weg quert die Ausgrabung von Süd nach Nord, sodass sich ein einfacher Rundgang ergibt:
- Südliches Heiligtum: Gleich hinter dem Haupteingang stehen die beiden großen Hera-Tempel nebeneinander, zuerst der „Neptuntempel“, dahinter die „Basilika“. Zwischen ihnen liegt seit 2019 das „Sandpferd“ von Mimmo Paladino, eine zeitgenössische Skulptur.
- Forum: Nördlich der Tempel liegt der Marktplatz der römischen Stadt (ab 273 v. Chr.), umgeben von den Resten von Curia, Basilika und Macellum. Am Rand steht das ältere griechische Versammlungsgebäude (Ekklesiasterion), ein runder Stufenbau.
- Amphitheater: Nordöstlich des Forums direkt an der Straße, aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.; nur die westliche Hälfte ist zu sehen, die östliche liegt unter der heutigen Staatsstraße.
- Via Sacra und Wohnviertel: Die antike Hauptstraße führt nach Norden, rechts und links römische Häuser mit Resten von Peristylen und Becken.
- Nördliches Heiligtum: Auf einer leichten Anhöhe steht der Athena-Tempel, der kleinste und eleganteste der drei.
Wer vom Athena-Tempel aus zurück zum Museum will, geht außen an der Via Magna Grecia entlang (rund 10 Minuten) oder denselben Weg zurück. Das Museum lässt sich vor oder nach dem Gelände besuchen; im Sommer ist es sinnvoll, die Mittagshitze im klimatisierten Museum zu verbringen und das Gelände morgens oder ab 17 Uhr zu begehen.
Die drei Tempel — was man sieht
Die geläufigen Namen stammen von Gelehrten des 18. Jahrhunderts und sind fast alle falsch; die Fachbezeichnungen richten sich nach den Weihinschriften und Funden.
„Basilika“ (Hera I, um 550 v. Chr.): Der älteste der drei Tempel, ein Hera-Heiligtum. Auffällig ist die ungerade Zahl von neun Säulen an den Schmalseiten (18 an den Langseiten, 50 insgesamt): Eine Mittelsäulenreihe teilte den Innenraum in zwei Schiffe, eine archaische Lösung, die später verschwand. Die Säulen sind gedrungen und in der Mitte deutlich bauchig (Entasis), die Kapitelle flach ausladend. Weil das Giebeldreieck fehlt, hielten es die Entdecker für eine Markthalle, daher der Name. Über den barrierefreien Weg kann man in diesen Tempel hineingehen.
„Neptuntempel“ (Hera II, um 460 v. Chr.): Der größte und besterhaltene Bau, rund 24 mal 60 Meter, mit 6 mal 14 Säulen. Er entstand etwa zeitgleich mit dem Zeustempel von Olympia und gilt als Musterbeispiel des klassischen dorischen Tempels: Giebel und Gebälk stehen bis auf das Dach vollständig, im Inneren ist die zweigeschossige Säulenstellung der Cella erhalten, die das Dach trug. Wem er geweiht war, ist umstritten: Diskutiert werden Hera, Zeus und Apollon; Poseidon (Neptun), nach dem die Stadt benannt war, gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Man darf ihn nicht betreten, sieht aber von der Ostseite aus durch die Säulen bis zur Cella.
Athena-Tempel (um 500 v. Chr.): Früher „Cerestempel“ genannt, nach Weihgaben aber eindeutig der Athena zugeordnet. Mit 6 mal 13 Säulen deutlich kleiner, steht er auf einem künstlichen Hügel am Nordende. Besonderheit: Außen dorisch, hatte die Vorhalle innen ionische Säulen — eine seltene Mischung. Das Giebelfeld ist hoch und leer, ohne die sonst übliche horizontale Abschlussleiste. Im Mittelalter diente der Bau als Kirche, was ihn vor dem Abbruch schützte.
Das Museum: Grab des Tauchers und Sele-Metopen
Das Nationalmuseum gegenüber dem Haupteingang wurde 1952 eröffnet und seit 2019 in Etappen neu eingerichtet. Der Rundgang folgt der Chronologie: Vorgeschichte im Untergeschoss, griechisch-lukanische Stadt (600–273 v. Chr.) im Erd- und ersten Obergeschoss, römisches Paestum darüber. Drei Dinge sollte man nicht auslassen:
Grab des Tauchers (Tomba del Tuffatore): fünf bemalte Kalksteinplatten einer Grabkammer, gefunden am 3. Juni 1968 in einer Nekropole südlich der Stadt, datiert auf 480–470 v. Chr. Die vier Seitenplatten zeigen ein Gelage mit Trinkspielen und Musik, die Deckplatte einen jungen Mann, der von einem Turm kopfüber ins Wasser springt, meist gedeutet als Übergang ins Jenseits. Es ist die einzige vollständig erhaltene griechische Grabmalerei mit figürlichen Szenen aus dieser Zeit; die Platten hängen in einem eigenen, abgedunkelten Raum.
Metopen vom Heraion am Sele: Reliefplatten aus dem Hera-Heiligtum an der Sele-Mündung, rund 9 km nördlich, um 570–560 v. Chr. Sie zeigen Herakles, die Argonauten und andere Mythen in frühem, kantigem Stil und gehören zu den ältesten erhaltenen Bauskulpturen Großgriechenlands. Sie sind im Erdgeschoss in der ursprünglichen Höhe eingebaut.
Lukanische Grabmalereien: mehrere hundert bemalte Platten aus Gräbern des 4. Jahrhunderts v. Chr., als die Lukaner die Stadt beherrschten: Reiterkämpfe, Trauerszenen, Rückkehr des Kriegers. Dazu Grabbeigaben, Bronzen aus dem Forum (die Marsyas-Statue) und ein Modell der antiken Stadt, das den Rundgang draußen verständlicher macht. Für das Museum reichen 60–90 Minuten.
Eintritt und Öffnungszeiten
Das Kombiticket für Gelände, Museum und die Ausgrabung von Velia kostet 15 € von März bis November und 10 € von Dezember bis Februar; EU-Bürger zwischen 18 und 25 zahlen 2 €, unter 18 ist der Eintritt frei (Stand: September 2026). Es gilt drei Tage ab dem ersten Einlass, je einmal für Paestum (Gelände plus Museum) und einmal für Velia, rund 40 km weiter südlich. Eine Reservierung ist nicht nötig; Onlinekauf ist möglich, an der Kasse gibt es außer an Gratistagen selten längere Schlangen.
Geöffnet ist täglich 8:30–19:30 Uhr; Kasse und letzter Einlass ins Gelände 18:30 Uhr, ins Museum 19:00 Uhr. Am ersten und dritten Montag im Monat schließt das Museum bereits um 13:40 Uhr (letzter Einlass 13:00 Uhr), das Gelände bleibt offen. Geschlossen ist nur am 1. Januar und 25. Dezember. Der Park nennt diese Zeiten ganzjährig; einzelne Feiertage können abweichen (Stand: September 2026). Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei; dann ist es voll, dafür bietet der Park um 10:30 Uhr eine kostenlose Führung vom Museum durch die Tempel.
Im Sommer öffnet das Gelände an einzelnen Abenden zusätzlich von 20 bis 24 Uhr mit Beleuchtung, Konzerten und Führungen, letzter Einlass 23:15 Uhr; dafür gilt ein eigenes Abendticket, 2026 zu 15 €. Das sind wenige Einzeltermine, keine wöchentliche Regel: 2026 waren es der 21. Juni, der 18. Juli sowie vier Abende im August. Die Termine für den nächsten Sommer veröffentlicht der Park in seinem Veranstaltungskalender.
Anreise und Parken
Am einfachsten geht es mit dem Regionalzug ab Salerno: 30–40 Minuten, Tickets ab etwa 3,40 € (Stand: September 2026), tagsüber etwa stündlich, teils häufiger. Am Bahnhof Paestum geradeaus die Via Porta Sirena hinunter, nach rund 700 m durch das antike Stadttor Porta Sirena, dann rechts zur Via Magna Grecia und zum Haupteingang; insgesamt sind es 10–15 Minuten. Alternativ fährt Busitalia (Linie 34) von der Piazza della Concordia in Salerno an den Tempeln vorbei; im Sommer ist der Zug aber verlässlicher.
Mit dem Auto: A2 bis Battipaglia oder Eboli, dann SS18 Richtung Capaccio-Paestum. Parken ist gebührenpflichtig, an der Via Magna Grecia in der Größenordnung von 1 € pro Stunde oder 5 € pro Tag (Stand: September 2026). Kostenlose Plätze gibt es kaum, und das Abstellen an der Straße wird kontrolliert.
Von der Amalfiküste aus rechnet man mit einem Tagesausflug: erst per Fähre oder SITA-Bus nach Salerno, dort in den Zug; von Amalfi sind es rund zwei Stunden bis zum Eingang. Die Rückfahrt sollte man vorher planen: Die letzte Fähre nach Amalfi geht früh am Abend, außerhalb der Fährsaison bleibt nur der SITA-Bus. Details unter Anreise.
Beste Tageszeit, Dauer und Hitze
Für Gelände und Museum sollte man drei bis vier Stunden rechnen; die reinen Tempel lassen sich in einer Stunde abgehen, das ist aber schade. Das schönste Licht liegt morgens kurz nach Öffnung, wenn die Sonne die Ostfronten streift, und am späten Nachmittag, wenn der Kalkstein warm leuchtet; mittags wirken die Säulen im Gegenlicht flach. Von April bis Oktober kommen die meisten Gruppen zwischen 10 und 15 Uhr; davor und danach hat man die Tempel oft fast für sich.
Frühjahr und Herbst sind die angenehmsten Jahreszeiten; im Frühjahr blüht die Ebene, im Herbst ist das Licht klarer. Im Hochsommer heizt sich das schattenlose Gelände stark auf, Temperaturen über 35 Grad sind normal. Es gibt Bänke und wenige Bäume, aber keine Überdachungen; die einzigen Schattenplätze sind die Bars an der Via Magna Grecia und das Museum. Wasser darf man mitnehmen, essen im Gelände ist nicht erlaubt.
Barrierefreiheit
Das Gelände ist eben, aber nicht durchgehend befestigt: Der Hauptweg von Süd nach Nord ist als barrierefreier Pfad ausgebaut, und über eine Rampe kann man mit Rollstuhl in die „Basilika“ hinein; der Weg zum Athena-Tempel auf der Anhöhe ist steiler. Abseits des Hauptwegs liegen antikes Pflaster, Wiese und Schotter, mit Rollator oder Kinderwagen machbar, aber mühsam. Museum und Eingänge sind stufenlos verbunden, die Ausstellungsräume des Museums sind über Rampen erschlossen, barrierefreie Toiletten gibt es in Museum und Gelände. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität stellt der Park nach Voranmeldung (Telefon oder E-Mail an das Besucherbüro) elektrische Geländefahrzeuge mit Begleitung bereit; ob sie aktuell verfügbar sind, sollte man vorher erfragen. Für Blinde und Sehbehinderte gibt es Tastmodelle der Tempel, Beschriftungen in Braille und im Museumshof einen Duftpfad mit Pflanzen der Region. Führhunde sind überall erlaubt; andere Hunde im Gelände an der Leine und mit Maulkorb, im Museum nur getragen oder in der Box.
Führungen und Audioguide
Die Beschilderung auf dem Gelände ist gut, aber knapp. Für mehr Tiefe gibt es drei Möglichkeiten: Die kostenlose App des Parks (sieben Sprachen, darunter Deutsch) bietet einen ortsbezogenen Audioguide, der sich automatisch am jeweiligen Monument meldet, mit Routen von 60 oder 90 Minuten und wählbaren Themen wie Kulte, Alltag oder römisches Paestum; Kopfhörer und geladener Akku vorausgesetzt. Am Eingang gibt es klassische Audioguides zum Leihen. Lizenzierte Führer stehen oft am Haupteingang bereit; deutschsprachige Führungen bucht man besser vorab, Preise richten sich nach Gruppengröße und Dauer. Familienformate und Werkstätten für Kinder ab drei Jahren organisiert eine Kooperationsgruppe des Museums, buchbar über die Parkseite.
Kombinieren: Strand, Mozzarella, Velia
Paestum liegt keine drei Kilometer vom Meer: Der lange Sandstrand mit Pinienwald ist vom Gelände aus in 30–40 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar, im Sommer eine gute Fortsetzung nach dem Morgen zwischen den Säulen. Die Ebene rund um die Tempel ist außerdem das Kerngebiet der Büffelmozzarella (Mozzarella di Bufala Campana DOP); mehrere Höfe mit Verkauf, teils mit Besichtigung und Restaurant, liegen wenige Autominuten entfernt, einige auch in Gehweite. Um das Ticket auszureizen, fährt man am zweiten oder dritten Tag nach Velia (Elea), 40 km südlich bei Ascea: die Stadt der Philosophen Parmenides und Zenon mit der Porta Rosa, dem ältesten bekannten Rundbogen Italiens. Sie ist weniger spektakulär als Paestum, dafür fast leer. Auf dem Weg dorthin liegt Agropoli, wo man schwimmen und essen kann.
Typische Fehler
Mittags im Juli ankommen. Der klassische Fehler: mit dem 11-Uhr-Zug, dann drei Stunden ohne Schatten. Früh kommen oder das Museum in die Mitte legen.
Das Museum weglassen. Das Grab des Tauchers ist im Ticket enthalten und liegt 100 Meter vom Eingang; wer es auslässt, verpasst das wichtigste Einzelstück.
Am ersten Sonntag kommen und Ruhe erwarten. Freier Eintritt bedeutet volle Wege und Wartezeiten am Museum.
Sich auf Google-Öffnungszeiten verlassen. Die Montags-Frühschließung des Museums und saisonale Änderungen stehen verlässlich nur auf der Seite des Parks.
Velia vergessen. Das Ticket gilt drei Tage; bei einem Aufenthalt im Cilento ist der zweite Ort schon bezahlt.
Häufige Fragen zu den Tempeln von Paestum
- Wie viel Zeit braucht man für Paestum?
Für das Ausgrabungsgelände rechnet man 1,5–2 Stunden, für das Museum 60–90 Minuten, zusammen also drei bis vier Stunden. Als Tagesausflug von Salerno mit Zug reichen ein halber Tag plus Mittagessen; von der Amalfiküste ist es ein voller Tag.
- Was kostet der Eintritt in Paestum?
15 € von März bis November, 10 € von Dezember bis Februar; EU-Bürger von 18 bis 25 zahlen 2 €, unter 18 ist frei (Stand: September 2026). Das Ticket gilt drei Tage und schließt Museum und die Ausgrabung von Velia ein. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei.
- Kann man die Tempel von Paestum betreten?
Die „Basilika“ (Hera I) ist über eine Rampe begehbar. Der „Neptuntempel“ und der Athena-Tempel sind abgesperrt und nur von außen zu sehen; das Klettern auf Stufen und Mauern ist verboten.
- Wie kommt man von Salerno nach Paestum?
Mit dem Regionalzug in 30–40 Minuten ab etwa 3,40 € (Stand: September 2026); vom Bahnhof Paestum sind es 10–15 Minuten zu Fuß bis zum Eingang. Alternativ Busitalia Linie 34 ab Piazza della Concordia oder mit dem Auto über A2 und SS18 (Parken gebührenpflichtig).
- Lohnt sich Paestum im Vergleich zu Pompeji?
Es sind verschiedene Dinge: Pompeji zeigt eine römische Stadt im Alltag, Paestum die besterhaltenen griechischen Tempel Italiens und ist deutlich ruhiger. Reicht die Zeit, lohnt sich beides; mit nur einem Tag und Quartier in Salerno ist Paestum schneller erreicht.
Paestum liegt rund 40 Kilometer südlich von Salerno in der Ebene des Cilento: griechische Tempel, ein kilometerlanger Sandstrand und die Heimat der Büffelmozzarella. Mit dem Regionalzug ist der Ort in gut 30 Minuten erreicht.







