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Geschichte

Das Ravello Festival

Seit 1953 spielen jeden Sommer Orchester auf dem Belvedere der Villa Rufolo, rund 340 Meter über dem Golf von Salerno. Die 74. Ausgabe lief vom 4. Juli bis 5. September 2026, Tickets kosteten 20–100 €; 2027 steht im Zeichen von Beethovens 200. Todestag.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 27. September 2026

Das Ravello Festival geht auf Richard Wagners Besuch in der Villa Rufolo am 26. Mai 1880 zurück. Der Komponist kam auf dem Maultier von Amalfi herauf, sah die Gärten mit ihren Palmen und maurischen Bögen und notierte noch am selben Tag im Gästebuch der Pensione Palumbo, der Zaubergarten Klingsors aus dem zweiten Akt des Parsifal sei gefunden. Dieser Satz hat Ravello nie wieder losgelassen; er ist bis heute die Gründungslegende der „Stadt der Musik“.

Von Wagners Besuch zum Festival: die Geschichte in Kürze

Zum 70. Todestag Wagners organisierte der Provinz-Fremdenverkehrsverband unter Girolamo Bottiglieri gemeinsam mit dem Ravelleser Paolo Caruso im Sommer 1953 die ersten „Wagner-Konzerte im Garten des Klingsor“. Das erste fand am 18. Juni 1953 statt, gespielt vom Orchester des Teatro San Carlo aus Neapel unter Hermann Scherchen; ein zweiter Abend folgte unter William Steinberg. Aus den beiden Wagner-Abenden wurde über die Jahrzehnte ein Sommerfestival mit Sinfonik, Alter Musik, Kammermusik, Jazz und Tanz, das seit 2002 von der Fondazione Ravello (getragen von Region Kampanien, Provinz Salerno und Gemeinde) organisiert wird.

Seit 2010 besitzt Ravello mit dem Auditorium Oscar Niemeyer (rund 400 Plätze) zusätzlich einen festen Konzertsaal. Für das Festival ist er in erster Linie Ausweichquartier: Fällt ein Belvedere-Konzert ins Wasser, wird es dorthin verlegt — mit deutlich weniger Plätzen, weshalb nur bestimmte Sitzreihen mit umziehen und die übrigen Karten erstattet werden.

Die schwebende Bühne auf dem Belvedere

Das Wahrzeichen des Festivals ist die Bühne, die jedes Jahr neu auf der Belvedere-Terrasse der Villa Rufolo errichtet wird. Sie kragt rund 15 Meter über die Brüstung hinaus und steht auf einem Gerüst, das 15 Meter tief aus der darunterliegenden Terrasse aufsteigt: 22 Meter breit, 14 Meter tief, über 400 Tonnen Material. Jahrzehntelang bestand der Unterbau aus Holzstangen, heute ist es ein Rohr-Kupplungs-Gerüst mit Glasbrüstung, das die historischen Gärten schont und trotzdem ein komplettes Orchester trägt. Die Idee dahinter war so einfach wie kühn: Nur die Musiker stehen „im Leeren“ über dem Abgrund, das Publikum sitzt in den Gärten, rund 600 Plätze auf der Belvedere-Arena.

Der Blick geht nach Süden und Osten über den Golf von Salerno: Im Tal liegen Minori und Maiori, gegenüber zeichnet sich bei klarer Luft die Küste des Cilento ab. Die Abendsonne geht dabei nicht vor, sondern hinter dem Publikum über den Bergen unter; das Meer färbt sich rosa, dann gehen im Tal die Lichter an. Beim Concerto all’alba ist es umgekehrt — dort steigt die Sonne genau über dem Golf auf.

Programm und Termine 2026

Die 74. Ausgabe lief vom 4. Juli bis 5. September 2026 mit 22 Terminen. Eröffnet wurde am 4. Juli mit dem Orchester des Maggio Musicale Fiorentino unter Daniele Gatti (Wagners Siegfried-Idyll, Mendelssohns Lobgesang). Weitere Schwerpunkte: Monteverdis L’Orfeo mit Jordi Savall (11. Juli), das Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai (24. Juli), Prolog und erster Akt der Götterdämmerung auf historischen Instrumenten mit Kent Nagano und dem Dresdner Festspielorchester (31. Juli), das Gustav Mahler Jugendorchester unter Philippe Jordan (29. August) und zum Abschluss am 5. September Simon Rattle mit dem Freiburger Barockorchester und Isabelle Faust (Schumann).

Vom 6. bis 8. August gehörte der Belvedere dem Jazz, mit dem Andrea Motis Trio, Rita Marcotulli und einem Miles-Davis-Abend, jeweils ab 21:30 Uhr. Die Sinfoniekonzerte begannen im Juli um 20 Uhr, Ende August wegen der früheren Dämmerung um 19:30 Uhr. Außerhalb des Belvedere gab es einige kleinere Termine: ein kostenloses Konzert für fünf Orchestergruppen auf der Piazza Duomo (10. Juli), Bläser in der Kirche San Giovanni del Toro (11. Juli, frei) und einen Musiktheaterabend im Rittersaal der Villa (29. Juli).

Parallel zeigte die Villa Rufolo vom 4. Juli bis 27. September 2026 eine Ausstellung mit Arbeiten von William Kentridge, im normalen Villa-Eintritt enthalten. Für 2027 hat die Fondazione Ravello einen Schwerpunkt zu Beethovens 200. Todestag angekündigt, eröffnet werden soll mit dem Fidelio; Termine und Programm standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest (Stand: September 2026).

Das Concerto all’alba

Berühmtester Termin ist das Sonnenaufgangskonzert, das es seit über 30 Jahren gibt und das auf eine Idee des Ravelleser Dirigenten Pasquale Palumbo zurückgeht. 2026 fand es am 11. August um 5:15 Uhr statt: Die Orchestra Filarmonica „Giuseppe Verdi“ aus Salerno spielte unter Alessandro Palumbo Bizet, Dvořák und Liszt, während der Himmel über dem Golf von Schwarz zu Rosa wechselte. Das Ticket kostete 100 € inklusive Frühstück im Anschluss; die Ermäßigung für unter 26-Jährige gilt hier nicht. Die Karten waren 2026 innerhalb weniger Minuten nach Vorverkaufsstart vergriffen. Für 2027 lohnt es sich also, den Verkaufsstart (üblicherweise Ende April) im Kalender zu haben (Stand: September 2026).

Tickets und Preise

Die Preise sind je nach Konzert gestaffelt: Die großen Orchesterabende auf dem Belvedere kosten 60 €, Jazz-Abende und einzelne Recitals 40 €, Termine mit unnummerierten Plätzen 20–30 €, das Concerto all’alba 100 €. Unter 26-Jährige bekommen Karten für 20 €, allerdings nur vor Ort an der Kasse, solange Plätze frei sind, und nicht fürs Sonnenaufgangskonzert. Der Vorverkauf läuft online über ravellofestival.com und an der Kasse auf der Piazza Duomo direkt gegenüber dem Villa-Eingang; die Kasse war 2026 ab 1. Juli dienstags bis sonntags 10–14 Uhr geöffnet, an Konzerttagen zusätzlich ab 17 Uhr bis Konzertbeginn (Stand: September 2026).

  • Die Tore schließen mit Konzertbeginn; wer zu spät kommt, kommt nicht mehr hinein.
  • Kinder unter 6 Jahren dürfen nicht in den Zuschauerbereich; Rucksäcke, Speisen, Getränke und Kinderwagen sind ebenfalls nicht erlaubt.
  • Ton- und Videoaufnahmen sind untersagt.
  • Bei Regen zieht das Konzert ins Auditorium Niemeyer um, wo weniger Plätze zur Verfügung stehen; nur ein Teil der Reihen kommt mit, der Rest wird erstattet.

Anreise, Parken und der Rückweg nach dem Konzert

Ohne Auto geht es mit der SITA-Linie Amalfi–Ravello (1,50 €, ca. 25–35 Minuten, tagsüber etwa alle 20–30 Minuten); im Sommerfahrplan fahren die letzten Busse abends zwischen etwa 22 und 23:30 Uhr talwärts, die Zeiten variieren aber je nach Wochentag und Fahrplanperiode. Ein Sinfoniekonzert, das um 20 Uhr beginnt, endet meist gegen 22:30 Uhr: knapp, aber machbar. Jazz-Abende ab 21:30 Uhr sind mit dem Bus kaum zu schaffen. Vor dem Konzert die letzte Abfahrt an der Haltestelle unterhalb des Tunnels prüfen. Sicherer ist ein vorab reserviertes Taxi (Ravello–Amalfi ca. 40–60 €) oder eine Nacht in Ravello, was den Abend erheblich entspannt (Stand: September 2026).

Mit dem Auto endet die Fahrt am Parkhaus an der Piazza Duomo (140 Plätze, Hochsaison ca. 4 € pro Stunde, Tagesmaximum 24 €) oder in der Tiefgarage am Auditorium (rund 80 Plätze, ca. 3 € pro Stunde). Das Zentrum ist Zona a traffico limitato mit Kameras; Hotelgäste im Ort brauchen die Freischaltung über die Unterkunft. An Konzertabenden sind beide Parkhäuser früh voll; aus Salerno oder Amalfi ist man mit Bus oder Taxi meist schneller (Stand: September 2026).

Praktische Tipps für den Konzertabend

Ravello liegt auf 350 Metern, abends weht auf dem Belvedere fast immer Wind vom Meer — eine Jacke gehört auch im August in die Handtasche (der Rucksack muss draußen bleiben). Die Sitze sind Kunststoffstühle, die Plätze der 60-€-Kategorie nummeriert; in den hinteren Reihen sieht man die Bühne, aber der Blick aufs Meer verschwindet hinter den Vorderleuten. Für die Aussicht sind seitliche oder vordere Plätze besser, und man sollte rechtzeitig vor Einlassende da sein.

Tagsüber lohnt die Kombination: erst die Gärten der Villa Rufolo, wo man die Bühne bei Tageslicht und das Belvedere ohne Stuhlreihen sieht, dann der Spaziergang zur Villa Cimbrone mit der Terrazza dell’Infinito, gegen 18 Uhr Abendessen und um 20 Uhr Konzert. Die Villa Rufolo kostet 8 € Eintritt und war während des Festivals bis 20 Uhr geöffnet (Stand: September 2026). Sportliche steigen am Nachmittag über die alte Treppe von Atrani nach Ravello hinauf (steiler Treppenweg, gut eine Stunde, feste Schuhe) und nehmen abends den Bus zurück.

Typische Fehler: den Rückweg nicht klären, zu spät kommen (die Tore schließen pünktlich), leichte Sommerkleidung ohne Jacke, und das Concerto all’alba erst im Juli buchen wollen. Und wer Wagner erwartet, sollte ins Programm schauen: Die Wagner-Abende sind heute nur noch ein Teil des Festivals.

Tickets für die nächste Saison
Karten kosten je nach Konzert 20–100 €, verkauft werden sie über ravellofestival.com und an der Kasse auf der Piazza Duomo. Der Vorverkauf startet in der Regel Ende April. Eröffnung und Concerto all’alba sind regelmäßig binnen Tagen ausverkauft, gute Belvedere-Plätze für Wochenendtermine bucht man am besten einige Wochen vorher (Stand: September 2026).

Häufige Fragen zum Ravello Festival

Was kosten Tickets für das Ravello Festival?

Je nach Konzert 20–100 € (Stand: September 2026): große Orchesterabende 60 €, Jazz 40 €, Kammermusik 20–30 €, das Concerto all’alba 100 € inklusive Frühstück. Unter 26 zahlt man 20 €, aber nur an der Kasse vor Ort und nicht für das Sonnenaufgangskonzert.

Wann findet das Ravello Festival statt?

Jeden Sommer von Anfang Juli bis Anfang September, überwiegend auf dem Belvedere der Villa Rufolo. 2026 lief die 74. Ausgabe vom 4. Juli bis 5. September mit 22 Terminen; Sinfoniekonzerte begannen um 20 Uhr (Ende August 19:30 Uhr), die Jazz-Abende vom 6. bis 8. August um 21:30 Uhr. Die Termine für 2027 standen im September 2026 noch nicht fest.

Wie kommt man nach dem Konzert zurück nach Amalfi?

Im Sommer fahren die letzten SITA-Busse meist zwischen 22 und 23:30 Uhr. Für ein 20-Uhr-Konzert reicht das in der Regel, für Jazz-Abende nicht. Alternativ ein vorab reserviertes Taxi (ca. 40–60 €) oder eine Übernachtung in Ravello.

Was passiert bei Regen?

Belvedere-Konzerte ziehen ins Auditorium Oscar Niemeyer um. Da es dort nur rund 400 Plätze gibt, kommen nur bestimmte Sitzreihen mit; die übrigen Karten werden erstattet.

Lohnt sich das Ravello Festival auch ohne Klassik-Vorwissen?

Ja. Die Kulisse trägt einen großen Teil des Abends, und die Programme sind mit Beethoven, Dvořák oder Monteverdi meist zugänglich. Lockerer sind die Jazz-Abende im August für 40 €.