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Geschichte

Regata delle Antiche Repubbliche Marinare

Seit 1956 tragen Amalfi, Genua, Pisa und Venedig jedes Jahr ein Ruderrennen über 2.000 Meter samt Festumzug aus, reihum in einer der vier Städte. 2026 war Pisa Gastgeber, 2027 folgt Venedig; Amalfi ist planmäßig 2029 wieder an der Reihe.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 27. September 2026

Die Regata delle Antiche Repubbliche Marinare erinnert an die vier mittelalterlichen Seerepubliken Italiens: Amalfi, Genua, Pisa und Venedig. Jedes Jahr treten die vier Städte in nachgebauten Galeonen gegeneinander an, jedes Jahr in einer anderen der vier Städte, vorneweg ein Festumzug mit rund 320 Kostümierten. Für Amalfi ist das mehr als Folklore: Der kleine Ort war im 10. und 11. Jahrhundert eine der führenden Handelsmächte des Mittelmeers, und die Regatta ist der Tag, an dem diese Geschichte einmal im Jahr sichtbar wird, vor allem, wenn sie an der eigenen Küste ausgetragen wird. Hintergründe dazu im Beitrag zur Seerepublik Amalfi.

Wie die Regatta entstand

Die Idee geht auf Ende der 1940er Jahre zurück: Der Pisaner Mirro Chiaverini und der Amalfitaner Francesco Amodio wollten den vier alten Seerepubliken eine gemeinsame Bühne geben — einen Palio zu Wasser. Am 10. Dezember 1955 unterzeichneten die vier Städte in Amalfi das Gründungsdokument, und am 1. Juli 1956 fand das erste Rennen auf dem Arno in Pisa statt. Seither steht die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des italienischen Staatspräsidenten. 2025 in Amalfi wurde die 70. Ausgabe gefahren, 2026 in Pisa die 71.

Der Festumzug: vier Städte, vier Epochen

Am Vorabend des Rennens zieht der Corteo storico durch die Gastgeberstadt: rund 320 Personen, etwa 80 pro Republik, in rekonstruierten Kostümen mit Fahnen, Trommlern und Trompetern. Jede Stadt stellt eine Szene aus ihrer Blütezeit dar. Amalfi tritt in Blau an und zeigt eine Herzogshochzeit aus der Zeit um das Jahr 1000: die Vermählung von Sergio, dem ältesten Sohn des Herzogs Giovanni I., mit Maria, einer Tochter des langobardischen Fürsten von Capua und Benevent. Genua erinnert in Weiß an den Kreuzfahrer Guglielmo Embriaco, Pisa in Rot an die Legende der Kinzica de' Sismondi (1004), Venedig in Grün an Caterina Cornaro, die 1489 Zypern an die Serenissima übergab.

Findet die Regatta in Amalfi statt, sammelt sich der Umzug am frühen Abend in Atrani und zieht über die Küstenstraße SS 163 bis auf die Piazza Duomo vor dem Dom Sant'Andrea. 2025 startete er um 19:30 Uhr und kam gegen 20:30 Uhr an, danach Feuerwerk über der Bucht. Die Küstenstraße war dafür rund zwei Stunden komplett gesperrt.

Boote, Besatzung, Distanz

Gefahren wird in vier baugleichen Galeonen, die Vorbildern des 12. Jahrhunderts nachempfunden sind: rund 11 Meter lang, mindestens 760 Kilogramm schwer, heute aus Glasfaser statt Holz, mit festen Sitzen — also ohne Rollsitze wie im olympischen Rudern. Acht Ruderer und ein Steuermann bilden die Besatzung. Die Strecke misst 2.000 Meter in gerader Linie, ohne Wende. Am Bug trägt jedes Boot eine Galionsfigur mit dem Wappentier der Stadt: bei Amalfi das geflügelte Pferd, bei Genua der Drache des heiligen Georg, bei Pisa der kaiserliche Adler, bei Venedig der Markuslöwe. Die Ruderer sind keine Laien: In den Booten sitzen Athleten der örtlichen Rudervereine, im Pisaner Frauenboot zuletzt auch eine Olympiateilnehmerin.

Seit 2022 gehört ein zweites Rennen zum Programm, anfangs für gemischte und Frauenbesatzungen über 1.000 Meter, inzwischen als Frauenrennen der vier Städte. Es wird je nach Gastgeberstadt am selben Tag oder am Vortag des Männerrennens gefahren. In Amalfi führte die Frauenstrecke 2025 am Samstag von der Marmorata bis vor Atrani.

Die Strecke vor Amalfi

Anders als in Pisa (auf dem Arno) oder Venedig (im Bacino di San Marco und Canal Grande) wird in Amalfi auf offener See gerudert, bei Wind und Dünung die anspruchsvollste der vier Strecken. Start ist am Capo di Vettica westlich des Ortes, unterhalb eines Wachtturms aus dem 16. Jahrhundert; von dort geht es an der felsigen Küste entlang ostwärts bis zum Ziel vor der Marina Grande, mit der Torre dello Ziro und dem Monte Aureo als Kulisse. 2025 fiel der Startschuss um 12:30 Uhr, die Siegerehrung folgte gegen 13:15 Uhr auf dem Piazzale Flavio Gioia am Hafen; die SS 163 war zwischen 11:50 und 13:50 Uhr gesperrt. Die Rai überträgt das Rennen live.

Sieger und Bilanz

Die Regatta ist sportlich alles andere als ausgeglichen: Venedig führt die Siegerliste mit 35 Erfolgen weit vor Genua (14), Amalfi (13) und Pisa (8) an (Stand: September 2026). Amalfi gewann zuletzt 2022 vor eigener Küste; 2025 reichte es zu Hause zu Platz zwei hinter Genua, das damit den vierten Sieg in Folge einfuhr und Amalfi in der Gesamtbilanz überholte. Am 2. Juni 2026 auf dem Arno in Pisa beendete Venedig die genuesische Serie, vor Genua, Pisa und Amalfi auf Platz vier. Das Frauenrennen gewann 2025 Genua, 2026 die Gastgeberinnen aus Pisa. Die Siegerstadt erhält den Palio, eine Trophäe, die sie ein Jahr lang behält und bei der nächsten Ausgabe wieder aufs Spiel setzt.

Wann ist die Regatta wieder in Amalfi?

Grundsätzlich wechselt der Austragungsort jährlich, Amalfi ist also alle vier Jahre dran, in der Praxis allerdings mit Ausnahmen: 2020 fiel die Regatta aus, 2021 wurde sie pandemiebedingt erst im Dezember in Genua gefahren, 2022 gab es gleich zwei Ausgaben (Juni in Amalfi, September in Pisa). Seither läuft der Turnus wieder regelmäßig: 2023 Venedig, 2024 Genua, 18. Mai 2025 Amalfi, 2. Juni 2026 Pisa. Als Nächstes sind 2027 Venedig (72. Ausgabe) und 2028 Genua an der Reihe, Amalfi planmäßig wieder 2029. Einen festen Kalendertag gibt es nicht: Die Termine der letzten Jahre lagen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni, in Genua auch im Oktober. Der genaue Tag wird meist erst einige Monate vorher bekannt gegeben, für 2027 stand er im September 2026 noch nicht fest. Bevor man eine Reise danach ausrichtet und Unterkünfte bucht, sollte man die Ankündigung des Comune di Amalfi abwarten.

Am Regatta-Tag in Amalfi
Parken ist an diesem Tag praktisch aussichtslos, und die SS 163 wird für Umzug und Rennen jeweils rund zwei Stunden gesperrt. Am besten per Fähre aus Salerno, Positano oder Sorrent anreisen und früh da sein. Gute Sicht auf den Zieleinlauf gibt es an der Hafenmole und der Uferpromenade der Marina Grande, auf das Rennen selbst von der Küstenstraße Richtung Conca dei Marini.

Anreise, Standort und typische Fehler

Amalfi ist an einem normalen Maiwochenende schon voll; am Regatta-Wochenende kommen Tausende Zuschauer, die Delegationen der vier Städte und das Fernsehen dazu. Mit dem Auto steckt man spätestens ab Vietri oder Positano fest. Sinnvoller ist die Fähre aus Salerno (ca. 35 Minuten, ca. 12 €) oder der SITA-Bus, wobei auch die Busse während der Straßensperrungen nicht durchkommen. Für Umzug am Samstagabend und Rennen am Sonntagmittag übernachtet man am besten in Amalfi, Atrani oder Ravello und bucht früh.

Für das Rennen selbst lohnt ein Platz mit Blick auf die letzten paar hundert Meter: Die Mole an der Marina Grande und die Promenade am Hafen füllen sich ab dem späten Vormittag. Das Feld unterwegs sieht man von den Brüstungen der SS 163 zwischen Amalfi und Conca dei Marini, allerdings nur bis zur Sperrung. Typische Fehler: erst mittags mit der Fähre kommen (das Rennen dauert nur wenige Minuten und ist kurz nach dem Start um 12:30 Uhr entschieden), auf Parkplätze am Hafen hoffen oder am Vorabend die Rückfahrt vergessen, denn die letzte Fähre nach Salerno geht im Mai am frühen Abend, lange vor dem Feuerwerk.

Wer ohnehin da ist, verbindet den Tag mit dem Chiostro del Paradiso neben dem Dom, dem Papiermuseum im Valle dei Mulini oder einem Spaziergang nach Atrani, wo der Umzug startet. Außerhalb der Regatta-Jahre ist die Erinnerung an die Seerepublik das ganze Jahr über im Arsenale della Repubblica am Hafen präsent, dem erhaltenen Schiffsarsenal aus dem Mittelalter, und im Juni beim Fest des heiligen Andreas, wenn die Träger die silberne Reliquienbüste des Stadtpatrons im Laufschritt die Domtreppe hinauftragen.

Häufige Fragen zur Regata delle Antiche Repubbliche Marinare

Wann findet die Regata delle Antiche Repubbliche Marinare 2027 statt?

2027 ist Venedig Gastgeber der 72. Ausgabe, 2028 folgt Genua. Einen Termin für 2027 gab es im September 2026 noch nicht; er wird meist einige Monate vorher veröffentlicht. Zuletzt lagen die Rennen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni.

Wann ist die Regatta wieder in Amalfi?

Planmäßig 2029. Zuletzt war Amalfi am 18. Mai 2025 Gastgeber; nach Pisa (2026) folgen im Turnus Venedig (2027) und Genua (2028).

Wo ist der beste Platz, um das Rennen in Amalfi zu sehen?

An der Hafenmole und der Promenade der Marina Grande, wo das Ziel liegt. Das Rennen startet am Capo di Vettica westlich des Ortes; die Boote sind vom Ziel aus erst auf den letzten paar hundert Metern gut zu sehen. Früh kommen, spätestens zwei Stunden vor dem Start.

Lohnt sich die Regatta auch ohne Ruder-Interesse?

Ja. Der Festumzug am Vorabend mit 320 Kostümierten und das Feuerwerk über der Bucht sind für die meisten Besucher der eigentliche Höhepunkt. Das Rennen selbst dauert weniger als zehn Minuten.

Wer hat die Regatta am häufigsten gewonnen?

Venedig mit 35 Siegen, gefolgt von Genua (14), Amalfi (13) und Pisa (8). 2025 gewann Genua, 2026 in Pisa Venedig (Stand: September 2026).