Capri liegt am südlichen Ende des Golfs von Neapel, vor der Spitze der Sorrentinischen Halbinsel. Die Insel misst nur rund zehn Quadratkilometer und ist seit den Reisenden der Grand Tour ein internationales Ziel, entsprechend voll und teuer ist sie heute. Im Juli und August schieben sich Tausende Tagesgäste zwischen Hafen und Piazzetta; angenehmer sind Mai, Juni, September und Oktober, am besten mit der ersten Fähre des Tages. Dann zeigt sich, warum der Ruf trotz allem berechtigt ist: Kalkklippen, Gärten und Meerblick gibt es an der Amalfiküste nicht in dieser Dichte. Weniger im Rampenlicht stehen die beiden anderen Inseln im Golf, Ischia und Procida.
Als Tagesausflug machbar? Ehrliche Einschätzung
Ab Amalfi und Positano ist Capri ein bequemer Tagesausflug: Erste Abfahrt gegen 8:25 bzw. 8:50 Uhr, Ankunft in Marina Grande gegen 9:30 Uhr, letzte Rückfahrt im Sommer gegen 18:50 Uhr. Das ergibt rund acht Stunden auf der Insel (Stand: September 2026).
Ab Salerno ist die Rechnung enger. Die Schnellboote halten unterwegs in Amalfi und Positano und brauchen 1,5 bis 2 Stunden pro Richtung; die erste Abfahrt liegt zwischen 7:30 und 8:25 Uhr, die letzte Rückfahrt zwischen 18:20 und 18:50 Uhr. Netto bleiben fünf bis sechs Stunden auf Capri bei rund vier Stunden auf dem Wasser. Das lohnt sich, wenn man sich auf zwei Schwerpunkte beschränkt (etwa Anacapri mit Monte Solaro plus Capri-Stadt) und die Blaue Grotte als Zugabe betrachtet, nicht als Pflichtprogramm. Für Grotte, Villa Jovis und beide Orte übernachtet man besser auf der Insel oder in Sorrent, von wo die Überfahrt nur 20–30 Minuten dauert.
Anreise: Fähren 2026 mit Zeiten und Preisen
Alle Verbindungen laufen den Hafen Marina Grande an. Preise je Richtung und Person (Stand: September 2026):
- Salerno: Schnellboote von Alicost und NLG ab Molo Manfredi (einzelne Alicost-Kurse ab Molo Masuccio), 1,5–2 Stunden, 25,50–34,50 €. Langsamere Motorboote von Coop. Sant'Andrea und Grassi Junior legen an der Piazza della Concordia ab. Saison etwa April bis Ende Oktober; im Herbst fahren nicht mehr alle Kurse täglich, bei Alicost teils nur werktags, teils nur am Wochenende.
- Amalfi: ca. 50 Minuten über Positano, 23–30 €; bis zu zehn Abfahrten täglich in der Hochsaison.
- Positano: ca. 40 Minuten, 23–30 €; direkte Kurse etwa April bis Ende Oktober, einzelne bis Anfang November.
- Sorrent: 20–30 Minuten, ca. 15–25 €, ganzjährig im dichten Takt.
- Neapel: Schnellfähre ca. 50 Minuten, 19–29 €, ganzjährig.
Im Winter erreicht man Capri nur über Neapel oder Sorrent. Vor dem Kauf lohnt der Blick auf den genauen Ablegeort: In Salerno liegen Molo Manfredi und Piazza della Concordia einen Fußweg von 15 Minuten auseinander. Anbieter, Buchung und Wetterrisiko im Überblick Fähren an der Amalfiküste.
Auf der Insel unterwegs
Die Funicolare fährt in vier Minuten von Marina Grande hinauf nach Capri-Stadt (2,40 € pro Fahrt); von Januar bis Ostern ist sie wegen Wartung geschlossen und wird durch Busse ersetzt. Die orangefarbenen Minibusse verbinden Marina Grande, Capri-Stadt, Anacapri und die Blaue Grotte für 2,50 € pro Fahrt (3 € beim Bezahlen an Bord, nur Karte oder kontaktlos). Ein Handgepäckstück bis 10 kg fährt frei mit, größere Koffer kosten ein zusätzliches Ticket, ein Argument für einen kleinen Tagesrucksack. Taxis sind offene Cabrio-Wagen mit festen Tarifen der Gemeinde: 25 € für Marina Grande–Capri-Stadt, 30 € nach Anacapri, jeweils pro Wagen bis vier Personen; Gepäckträger am Hafen nehmen 10–15 € pro Stück (Stand: September 2026).
Eigene Fahrzeuge bleiben zu Hause: Vom 30. März bis 2. November 2026 dürfen Nicht-Residenten weder Autos noch Motorroller auf die Insel bringen. Ein Mietwagen von der Amalfiküste bleibt in Salerno, Amalfi oder Sorrent stehen.
Capri-Stadt oder Anacapri?
Die Insel hat zwei Gemeinden mit sehr verschiedenem Charakter, und beide passen in einen Tag, wenn man sie nicht komplett abarbeiten will.
Capri-Stadt ist die berühmte Kulisse: die Piazzetta mit den teuersten Espressi der Insel, die Boutiquengassen und die Giardini di Augusto (2,50 €), deren Terrassen den bekannten Blick auf die drei Faraglioni-Felsnadeln und die Serpentinen der Via Krupp bieten. Der 1902 vom Industriellen Friedrich Alfred Krupp gestiftete Fußweg hinunter zur Marina Piccola ist seit 2024 nach jahrelanger Steinschlagsperre wieder begehbar, jeweils nach der Winterpause ab April; kurzfristige Sperrungen bleiben möglich (Stand: September 2026). Die Villa Jovis, Ruine der Kaiserresidenz des Tiberius auf dem Ostkap, kostet 6 € (nur Kartenzahlung, montags geschlossen) und liegt 45 Minuten Fußweg bergauf von der Piazzetta; sie belohnt mit dem weitesten Blick über den Golf, frisst aber gut zwei Stunden.
Anacapri liegt höher, ist ruhiger und günstiger. Von hier fährt der Einzelsessellift in 13 Minuten auf den Monte Solaro (589 m), den höchsten Punkt der Insel: 15 € hin und zurück, 12 € einfach; zu Fuß hinunter dauert es etwa eine Stunde. Die Villa San Michele des schwedischen Arztes Axel Munthe (sein Buch von 1929 machte sie weltbekannt) verlangt 12 € Eintritt und bietet aus dem Garten den Blick über Marina Grande bis zum Vesuv (Stand: September 2026). Von Anacapri fährt auch der Bus zur Blauen Grotte.
Blaue Grotte: Preise, Wartezeit, Schließungen
Die Grotta Azzurra ist ein staatliches Museum, in das man nur in Ruderbooten der örtlichen Genossenschaft gelangt. Am schwimmenden Kassenboot vor dem Eingang zahlt man Eintritt und Ruderboot zusammen rund 18–19 € pro Person, bar oder Karte; EU-Bürger unter 18 zahlen nur das Boot, 18- bis 25-Jährige rund 15 € (Stand: September 2026). Dazu kommt die Anfahrt: Das Motorboot ab Marina Grande kostet je nach Anbieter rund 20–25 € hin und zurück, eine Inselrundfahrt mit Grottenstopp 25–35 €. Günstiger ist der Landweg: mit dem Bus von der Piazza della Pace in Anacapri in fünf Minuten zur Treppe direkt am Grotteneingang, wo man ebenfalls in die Ruderboote steigt.
Geöffnet ist die Grotte vom 1. April bis 30. September von 8:30 bis 18 Uhr, vom 1. bis 15. Oktober bis 16 Uhr und ab 16. Oktober bis Ende März nur von 9 bis 14 Uhr; im Winter ist die Öffnung nicht garantiert (Stand: September 2026). In jedem Fall gilt: nur bei ruhiger See. Bei Nordwind oder Wellengang bleibt sie geschlossen, und das ist an vielen Tagen im Jahr der Fall; eine verlässliche Vorhersage gibt es nicht. Der Aufenthalt in der Grotte dauert etwa fünf Minuten, die Wartezeit auf dem Wasser in der Hochsaison 60 bis 90 Minuten, mittags auch länger. Das blaue Leuchten ist zwischen 12 und 14 Uhr am stärksten, die Schlange vor 9:30 Uhr am kürzesten. Die Ruderer singen in der Grotte und erwarten am Ende ein Trinkgeld; üblich sind ein paar Euro, Pflicht ist es nicht.
Realistischer Tagesplan ab der Amalfiküste
- Bis 9:30 Uhr: Ankunft Marina Grande. Rückfahrt klären, dann Entscheidung: Ist die Grotte offen, sofort per Boot dorthin oder mit dem Bus nach Anacapri und über die Treppe anstehen. Ist sie geschlossen, direkt nach Anacapri.
- Vormittag: Anacapri. Mit dem Sessellift auf den Monte Solaro; oben Rundblick über die Faraglioni, den Golf von Neapel und bei klarer Sicht bis zur Amalfiküste. Danach Villa San Michele oder ein Mittagessen abseits der Hauptgasse.
- Nachmittag: Capri-Stadt. Bus nach Capri, Piazzetta, Giardini di Augusto, bei Lust ein Stück Via Krupp hinunter. Mit der Funicolare zum Hafen, mindestens 30 Minuten Puffer vor der Abfahrt.
Ab Salerno ist dieser Ablauf nur ohne Grotte oder ohne Villa San Michele zu schaffen; Villa Jovis passt an keinem Tagesausflug zusätzlich hinein, es sei denn, man streicht Anacapri.
Was kostet ein Tag auf Capri?
Größenordnung pro Person (Stand: September 2026):
- Fähre hin und zurück: ab Amalfi oder Positano 46–60 €, ab Salerno 51–69 €
- Blaue Grotte mit Bootstransfer ab Marina Grande: rund 40–45 €; über Anacapri mit Bus rund 21 €
- Sessellift Monte Solaro: 15 €
- Villa San Michele 12 €, Giardini di Augusto 2,50 €, Villa Jovis 6 €
- Funicolare und zwei bis drei Busfahrten: 8–10 €
- Mittagessen mit Getränk: selten unter 25 €, an der Piazzetta deutlich mehr
Realistisch landet ein voller Tag mit Grotte bei 130–180 €, ohne Grotte bei 90–120 €. Wasser und einen Snack bringt man mit; zum Einkehren eignen sich Anacapri und die Seitengassen von Capri-Stadt.
Typische Fehler
- Falscher Pier in Salerno. Schnellboote ab Molo Manfredi, Motorboote ab Piazza della Concordia; das Ticket verrät den Ablegeort.
- Kein Rückfahrtticket. In der Hochsaison sind die späten Boote voll; wer erst um 18 Uhr am Schalter steht, übernachtet womöglich ungeplant.
- Alles auf die Grotte setzen. Sie entscheidet nicht über den Tag, die Insel selbst tut es.
- Ankunft um 11 Uhr im August. Dann sind Funicolare, Busse und Piazzetta bereits voll; nur die erste Fähre hilft.
- Zu viel Gepäck. Koffer über 10 kg kosten in Bus und Funicolare extra und sind in den Gassen ein Ärgernis.
- Sommerhitze unterschätzen. Die Wege zu Villa Jovis und über die Via Krupp liegen in der Sonne; Wasser, Hut und frühe Stunden einplanen.
Zur Saisonplanung mehr unter Beste Reisezeit: Mai, Juni, September und Oktober bieten die beste Balance aus Wetter, Fährtakt und Besucherzahlen; Wochentage sind spürbar ruhiger als Wochenenden.
Häufige Fragen zu Capri
- Wie kommt man von Amalfi nach Capri?
Mit dem Schnellboot ab dem Hafen von Amalfi, etwa 50 Minuten mit Zwischenhalt in Positano, 23–30 € je Richtung. In der Saison von April bis Anfang November fahren bis zu zehn Kurse täglich, die erste gegen 8:25 Uhr, die letzte zurück gegen 18:50 Uhr (Stand: September 2026).
- Lohnt sich die Blaue Grotte?
Für rund 18–19 € plus Anfahrt bekommt man etwa fünf Minuten in einem tatsächlich außergewöhnlichen Licht, nach oft über einer Stunde Wartezeit. Wer bei ruhiger See früh dort ist, wird es nicht bereuen; als einziger Grund für die Reise taugt sie wegen der häufigen Schließungen nicht.
- Kann man Capri an einem Tag sehen?
Ab Amalfi, Positano oder Sorrent ja: Anacapri mit Monte Solaro, Capri-Stadt mit Giardini di Augusto und bei Glück die Grotte passen in acht Stunden. Ab Salerno bleiben nur fünf bis sechs Stunden auf der Insel, dann besser zwei Schwerpunkte wählen.
- Was kostet die Fähre von Salerno nach Capri?
25,50–34,50 € je Richtung mit Alicost oder NLG ab Molo Manfredi, Fahrzeit 1,5 bis 2 Stunden mit Halt in Amalfi und Positano. Die Verbindung läuft nur etwa von April bis Ende Oktober, im Frühjahr und Herbst nicht mehr mit allen Kursen täglich (Stand: September 2026).
- Ist die Blaue Grotte auch bei schlechtem Wetter offen?
Nein. Bei Nordwind, Wellengang oder hohem Wasserstand bleibt sie geschlossen, weil der Eingang nur etwa einen Meter hoch ist. Die Entscheidung fällt morgens vor Ort; Bootsanbieter am Hafen Marina Grande wissen es meist ab 9 Uhr.


