Castellabate liegt rund 70 Kilometer südlich von Salerno an der Cilento-Küste, gleich hinter der Nachbarstadt Agropoli. Die Gemeinde mit ihren rund 8.700 Einwohnern ist zweigeteilt: oben das mittelalterliche Borgo auf 278 Metern, das zu den Borghi più belli d'Italia zählt, unten am Meer die Ortsteile Santa Maria di Castellabate (Gemeindesitz), San Marco, Lago und Ogliastro Marina. Wie Acciaroli gehört der Ort komplett zum Parco Nazionale del Cilento, Vallo di Diano e Alburni (UNESCO-Welterbe und Biosphärenreservat) und ist deutlich ruhiger und günstiger als Positano oder Amalfi. Das Publikum ist auch im Hochsommer überwiegend italienisch, viele Familien aus Neapel und Salerno kommen seit Generationen.
Borgo oder Küste: welches Castellabate man meint
Wer „Castellabate“ bucht, sollte wissen, wo er landet. Das historische Castellabate ist das Bergdorf: enge Gassen, Torbögen, Terrassen mit Blick über den Golf von Salerno bis Capri, abends Trattorien auf der Piazza — aber kein Strand, und die vier Kilometer hinunter ans Meer sind steil. Santa Maria di Castellabate ist der eigentliche Badeort mit Uferpromenade, Sandstränden, den meisten Hotels und dem Nachtleben im Sommer. San Marco, zwei Kilometer weiter südlich, ist kleiner und ruhiger, mit Fischer- und Jachthafen und dem Einstieg zur Punta Licosa. Lago liegt nördlich Richtung Agropoli an einem langen Familienstrand, Ogliastro Marina ganz im Süden hinter der Halbinsel. Für beides, Strandtage unten und Dorfabende oben, nimmt man am besten ein Quartier in Santa Maria und fährt abends mit Auto oder Ortsbus ins Borgo.
Castello dell'Abate: der Namensgeber von 1123
Den Namen verdankt der Ort seiner Burg: Am 10. Oktober 1123 ließ Costabile Gentilcore, der vierte Abt des Benediktinerklosters von Cava de' Tirreni, auf dem Hügel Sant'Angelo eine Festung errichten, als Schutz der Bevölkerung vor Sarazenenüberfällen, die vom damals sarazenisch besetzten Agropoli ausgingen. Costabile, selbst im nahen Tresino geboren, starb schon im Folgejahr; sein Nachfolger Abt Simeone vollendete den Bau. Aus Castrum Abbatis, der „Burg des Abtes“, wurde über die Jahrhunderte Castellabate. Die Anlage mit ihren vier Rundtürmen steht noch heute über dem Ortskern und wird für Ausstellungen und Konzerte genutzt; das Gründungsdatum trägt die zentrale Piazza im Namen: Piazza 10 Ottobre 1123. Costabile wurde später heiliggesprochen und ist Schutzpatron des Ortes; sein Fest am 17. Februar ist das wichtigste Winterereignis im Borgo.
Sehenswertes im Borgo und unten am Meer
Neben der Burg lohnt die Basilica di Santa Maria de Gulia, eine romanische Kirche aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, 1138 von Abt Simeone geweiht und seit 1988 päpstliche Basilika; innen ein hölzernes Kruzifix und Altäre aus Marmor, außen der schlichte Glockenturm. Wenige Schritte weiter öffnet sich der Belvedere di San Costabile, die Aussichtsterrasse über dem Abhang: Bei klarer Sicht reicht der Blick von der Amalfiküste über Capri bis zur Punta Licosa. Es ist die beste Stelle für den Sonnenuntergang. Der Rundgang durch das Borgo dauert mit Pausen eine gute Stunde; die Gassen sind autofrei, Parkplätze gibt es am Ortsrand. Unten in Santa Maria steht der Palazzo Belmonte aus dem 18. Jahrhundert, ehemaliger Jagdsitz der Fürsten von Belmonte, heute ein Hotel mit Park direkt am Strand. Im Hafen von San Marco erinnern Reste einer römischen Mole an die Antike; die Bucht war schon in griechisch-römischer Zeit Ankerplatz.
„Benvenuti al Sud“: der Film, der den Ort berühmt machte
2010 drehte Regisseur Luca Miniero in Castellabate die Komödie Benvenuti al Sud (deutsch: „Willkommen im Süden“) mit Claudio Bisio und Alessandro Siani, das italienische Remake des französischen Kinohits „Willkommen bei den Sch'tis“: Ein Postfilialleiter aus der Brianza wird strafversetzt in den tiefen Süden und will am Ende nicht mehr weg. Der Film wurde in Italien ein Riesenerfolg und machte das bis dahin wenig bekannte Dorf über Nacht landesweit berühmt; 2012 folgte die Fortsetzung Benvenuti al Nord. Gedreht wurde vor allem rund um die Piazza 10 Ottobre 1123 im Borgo: Dort stand das Postamt, davor spielten die Kollegen Tischfußball. Das Postamt sucht man heute vergeblich: Die Fassade war Kulisse, an ihrer Stelle ist eine Bar mit Filmfotos an den Wänden. Weitere Drehorte: der Aussichtspunkt an der Via Murat, an dem Maria mit dem Roller vorfährt, und die Gassen rund um die Basilika. Ein echtes Postamt hat Castellabate natürlich auch, allerdings unten in Santa Maria.
Strände: von Lago bis Ogliastro Marina
Fünf Strandabschnitte der Gemeinde tragen 2026 die Bandiera Blu: Lago-Tresino, Marina Piccola, Pozzillo-San Marco, Punta Inferno und Baia di Ogliastro. Von Nord nach Süd: Lago an der Grenze zu Agropoli ist mit rund 1,5 Kilometern feinem Sand und flachem Einstieg der Familienstrand, mit Lidos und freien Abschnitten. Marina Piccola liegt mitten im Zentrum von Santa Maria unterhalb der Promenade: etwa 200 Meter goldener Sand, im August entsprechend voll. Pozzillo ist mit gut einem Kilometer der längste Strand und zieht sich von Santa Maria bis San Marco; hier wechseln Lidos mit freien Bereichen, das Wasser ist wegen des Meeresschutzgebiets auffallend klar. In San Marco selbst gibt es kleinere Sandbuchten neben dem Hafen. Südlich davon werden die Strände felsig: Punta Inferno und die Buchten der Licosa-Halbinsel sind Schnorchelrevier, die Baia di Ogliastro ganz im Süden ist der ruhigste Abschnitt. Die Küste gehört seit 2009 zur Area Marina Protetta Santa Maria di Castellabate mit rund 7.000 Hektar Meeresfläche; in den Kernzonen um die Insel Licosa gelten Fischerei- und Ankerverbote, Schnorcheln und Baden sind erlaubt.
Wanderung zur Punta Licosa
Der Küstenweg zur Punta Licosa ist eine der einfachsten und schönsten Touren des Cilento und braucht keine Wanderausrüstung. Start ist der Hafen von San Marco; von dort führt ein beschilderter, weitgehend flacher Weg (Sant'Angelo/Vallone Alto) durch Pinien- und Macchiawald an der Küste entlang bis zur Landspitze, rund 2,5 Kilometer einfach, etwa 40 Höhenmeter, hin und zurück in zwei Stunden mit Badepause. Am Ende liegt die winzige Insel Licosa, ein sichelförmiger Sandstreifen von etwa 160 mal 40 Metern mit Leuchtturm, nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt. Der Mythos will, dass hier die Sirene Leukosia ins Meer stürzte und zur Insel wurde; belegt ist das nicht, aber der Name blieb. Der Weg führt weiter um die Halbinsel bis Ogliastro Marina, insgesamt rund 10 Kilometer einfach mit etwa 90 Höhenmetern und gut drei Stunden Gehzeit; zurück geht es dann mit dem Bus oder per Taxi. Im Sommer früh starten, Wasser und Badesachen mitnehmen, Schatten gibt es nur im Wald. Weitere Touren im Cilento stehen unter Wandern.
Anreise und Parken
Mit der Bahn fährt man von Salerno mit dem Regionalzug bis Agropoli-Castellabate (ca. 30–40 Minuten, ab ca. 4 €). Der Bahnhof liegt in Agropoli, nicht in Castellabate; weiter geht es mit den Busitalia-Bussen. Im Sommer verbindet die Linie 34 Salerno, Agropoli, Santa Maria di Castellabate und Acciaroli, Ortsbusse fahren von Santa Maria hinauf ins Borgo. Fahrpläne sind dünn und ändern sich saisonal, Sonntagsverbindungen sind knapp. An Sommerwochenenden gibt es eine Alternative übers Wasser: Der Metrò del Mare (Linie A2) fuhr 2026 samstags und sonntags vom 13. Juni bis 6. September um 8:00 Uhr in Salerno ab und erreichte San Marco di Castellabate um 9:25 Uhr, zurück ab 19:00 Uhr; das Ticket kostete 12 €. Termine für 2027 stehen noch nicht fest (Stand: September 2026).
Mit dem Auto braucht man von Salerno über die A2 bis Battipaglia und die Cilentana (SS 18) etwa 1,5 Stunden. Am flexibelsten ist man mit dem Mietwagen, zumal Punta Licosa und Ogliastro ohne Auto mühsam sind. Im Borgo parkt man am Ortsrand, der Kern ist Fußgängerzone. In Santa Maria und San Marco sind von Ende Mai bis September die meeresnahen Zonen gebührenpflichtig (blaue Linien ca. 2 €/Std., Tagespauschale 10 €); kostenlos parkt man auf dem großen Platz an der Via Pepi in Santa Maria mit rund 250 Plätzen (Stand: September 2026).
Übernachten
Das Angebot ist breit und deutlich günstiger als an der Amalfiküste: Bed & Breakfasts in Santa Maria und San Marco ab etwa 60–90 € pro Doppelzimmer in der Nebensaison, im August 100–150 €; Mittelklassehotels am Meer ab rund 120 €, der Palazzo Belmonte als Luxusadresse mit eigenem Strand ab etwa 300 €. Ferienwohnungen und Agriturismi im Hinterland (Alano, Richtung Perdifumo) sind günstiger und ruhiger, aber ohne Auto unpraktisch. Für Strandurlaub ist Santa Maria die pragmatische Wahl, für Ruhe und Wanderungen San Marco, für Atmosphäre das Borgo; dort gibt es nur wenige kleine B&Bs, im August früh buchen. Im Hochsommer verlangen viele Häuser Mindestaufenthalte von drei bis sieben Nächten (Stand: September 2026).
Essen: Fisch unten, Cilento-Küche oben
In Santa Maria und San Marco dominiert Fisch: Sardellen, Tintenfisch, Meeräsche, frittura di paranza aus dem Beifang, dazu Spaghetti mit Muscheln. Die Preise liegen spürbar unter Amalfi: Ein Fischmenü mit Wein ist ab etwa 30–40 € pro Person zu haben (Stand: September 2026). Im Borgo kochen die Trattorien bäuerlicher: fusilli mit Ziegenragout, cavatelli mit Kichererbsen, Ziegenkäse und die mozzarella nella mortella, die in Myrtenzweige gewickelt reift. Typische Cilento-Produkte zum Mitnehmen sind die getrocknete weiße Feige Fico bianco del Cilento (DOP), Olivenöl und die Salzsardellen alici di menaica aus dem benachbarten Pollica. Süß: zeppole und Mandelgebäck aus den Bäckereien des Borgo.
Beste Reisezeit und Feste
Baden geht von Ende Mai bis Anfang Oktober; die angenehmsten Wochen sind Juni und September mit warmem Meer und freien Stränden. Im August ist Santa Maria voll, die Parkplätze sind knapp, die Preise am höchsten. Dafür ist es die Zeit der Feste: Am 15. August feiert Santa Maria seine Patronin Santa Maria a Mare, die Statue wird vom Santuario zur Marina Piccola getragen, auf ein geschmücktes Fischerboot gehoben und in einer Bootsprozession über die Bucht gefahren, gefolgt von Dutzenden Booten; um Mitternacht gibt es Feuerwerk über dem Meer. Rund um Ferragosto und an den Sommerwochenenden finden Konzerte auf der Piazza im Borgo und Sagre in den Nachbardörfern statt. Im Winter ist das Borgo still, viele Lokale in Santa Maria schließen von November bis Ostern; das Fest des heiligen Costabile am 17. Februar ist die Ausnahme. Frühling und Herbst eignen sich für Wanderungen und den Besuch von Paestum ohne Hitze.
Ausflüge in die Umgebung
Der Pflichtausflug sind die griechischen Tempel von Paestum, 25 Kilometer nördlich und mit dem Auto in einer halben Stunde erreichbar, mit dem Zug ab Agropoli in wenigen Minuten. Agropoli selbst hat eine hübsche Altstadt mit Kastell über dem Hafen. Nach Süden lohnt Acciaroli, das Fischerdorf mit Hemingway-Legende, eine halbe Stunde entfernt; weiter geht es nach Palinuro mit seinen Meeresgrotten. Im Hinterland liegen Bergdörfer wie Perdifumo und San Mauro Cilento mit Blick auf die Küste, kulturell lohnen die Ausgrabungen von Velia bei Ascea. An Sommerwochenenden verbindet der Metrò del Mare San Marco auch mit Acciaroli und Salerno (2026 bis 6. September); in der Saison ist das auch als Tagesausflug nutzbar.
Häufige Fragen zu Castellabate
- Wo wurde „Benvenuti al Sud“ gedreht?
Vor allem im historischen Borgo von Castellabate, rund um die Piazza 10 Ottobre 1123. Dort stand das Postamt aus dem Film — heute eine Bar mit Filmfotos an den Wänden. Weitere Szenen entstanden am Aussichtspunkt an der Via Murat und in den Gassen rund um die Basilika.
- Castellabate oder Santa Maria di Castellabate — wo übernachten?
Castellabate ist das Bergdorf ohne Strand, Santa Maria der Badeort am Meer vier Kilometer tiefer. Für Strandurlaub eignen sich Santa Maria oder San Marco, für Atmosphäre und Ausblick das Borgo mit seinen wenigen kleinen B&Bs. Beides lässt sich mit Auto oder Ortsbus verbinden.
- Wie kommt man ohne Auto nach Castellabate?
Regionalzug von Salerno bis Agropoli-Castellabate (ca. 30–40 Minuten), dann Busitalia-Bus nach Santa Maria oder ins Borgo. An Sommerwochenenden fährt zudem der Metrò del Mare von Salerno nach San Marco di Castellabate (2026: Sa/So 13.6.–6.9., 12 €; Saison beendet, Stand: September 2026).
- Welche Strände in Castellabate sind die besten?
Für Familien Lago mit flachem Sandstrand, für kurze Wege Marina Piccola im Zentrum von Santa Maria, für Platz der über einen Kilometer lange Pozzillo Richtung San Marco. Schnorchler fahren zur Punta Licosa oder nach Ogliastro Marina. Fünf Abschnitte tragen 2026 die Bandiera Blu.
- Wie lang ist die Wanderung zur Punta Licosa?
Vom Hafen San Marco bis zur Landspitze sind es rund 2,5 Kilometer auf flachem Küstenweg, hin und zurück etwa zwei Stunden mit Badepause. Wer bis Ogliastro Marina weitergeht, rechnet mit rund 10 Kilometern und gut drei Stunden.



