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Fischerboote im Hafen von Marina di Camerota, dahinter Kirche und bewaldete Hügel des Cilento
KI-generierte Illustration
Ort · Cilento

Marina di Camerota

Fischer- und Badeort im südlichen Cilento-Nationalpark — mit mehrfach prämierten Buchten wie Cala Bianca und Baia degli Infreschi, prähistorischen Grotten und einer der größten Camping-Landschaften Süditaliens.

Marina di Camerota ist der Küstenort der Berggemeinde Camerota, ganz im Süden des Parco Nazionale del Cilento, Vallo di Diano e Alburni — rund 140 Kilometer und gefühlt eine Welt von Salerno entfernt. Statt Boutique-Hotels und Reisebussen wie an der Amalfiküste prägen hier Fischerboote, Olivenhaine und Campingplätze das Bild. Der Ort selbst ist unspektakulär-sympathisch: ein Hafen, eine Uferpromenade, verwinkelte Gassen. Der eigentliche Grund zu kommen liegt davor und dahinter — eine der wildesten Steilküsten Kampaniens, deren schönste Buchten nur zu Fuß oder per Boot erreichbar sind. Wer den Vergleich mag: Palinuro nebenan ist der bekanntere Nachbar, Acciaroli weiter nördlich der stillere.

Strände im Ort: Calanca, San Domenico, Lentiscelle

Drei Strände liegen direkt am Ort. Die Spiaggia Calanca westlich des Zentrums schmiegt sich zwischen zwei Felsvorsprünge, fällt flach ab und ist der Familienklassiker. Der Stadtstrand San Domenico (auch „Marina delle Barche“) zieht sich am Hafen entlang und ist im Sommer der belebteste Abschnitt mit Liegen und Schirmen. Östlich davon liegt Lentiscelle, ein langer Sand-Kies-Strand unter der Steilwand mit schnell tiefem, sehr klarem Wasser — von hier startet auch der Küstenpfad Richtung Infreschi. Die Gemeinde Camerota trägt 2026 zum sechsten Mal in Folge die „Bandiera Blu“ für Wasserqualität, ausgezeichnet wurden die Abschnitte San Domenico–Lentiscelle und Cala Finocchiara sowie der Hafen (Stand: Juli 2026).

Cala Bianca und Pozzallo: nur zu Fuß oder per Boot

Südöstlich des Ortes beginnt der Küstenabschnitt, der Marina di Camerota berühmt gemacht hat. Die Cala Bianca — benannt nach ihren weißen Kieseln — wurde 2013 im Legambiente-Wettbewerb „La più bella sei tu“ zum schönsten Strand Italiens gewählt. Eine Straße dorthin gibt es nicht: Man wandert ab Lentiscelle gut eine Stunde über den Küstenpfad oder nimmt eines der Ausflugsboote vom Hafen. Auf halbem Weg liegt die Bucht Pozzallo, ebenfalls nur per Fußweg oder übers Wasser erreichbar. Festes Schuhwerk, Wasser und Sonnenschutz sind Pflicht — Schatten und Bars gibt es an beiden Buchten praktisch keine. Mehr zu Touren in der Region: Wandern.

Baia degli Infreschi: das Bootsziel schlechthin

Der Höhepunkt jeder Bootstour ist die Baia degli Infreschi am Ende des Küstenpfads: ein fast kreisrunder Naturhafen, in dem kalte Süßwasserquellen aus dem Meeresboden sprudeln — daher der Name. 2014 kürte sie Legambiente zum schönsten Strand Italiens, ein Jahr nach der Cala Bianca; zwei Siege in Folge für dieselbe Küste. Seit 2009 gehört sie zum Meeresschutzgebiet Costa degli Infreschi e della Masseta: Ankern ist verboten, Boote machen an einer begrenzten Zahl von Bojen fest, damit die Posidonia-Seegraswiesen unbeschädigt bleiben. Vom Hafen von Marina di Camerota starten im Sommer täglich Ausflugsboote und Mini-Kreuzfahrten entlang der Grottenküste — Richtung Süden zu den Infreschi, Richtung Norden bis zum Capo Palinuro.

Grotten und 40.000 Jahre Vorgeschichte

Die Steilküste ist von Karsthöhlen durchlöchert, und einige davon gehören zu den wichtigsten prähistorischen Fundstellen Süditaliens. In der Grotta della Cala direkt am Strand von Lentiscelle lebten nachweislich Neandertaler, später über Jahrtausende der Homo sapiens; gefunden wurden Knochenwerkzeuge, als Schmuck durchbohrte Meeresmuscheln, Feuerstellen und ein neolithisches Kindergrab. Die Höhle ist im Sommer mit Führung zugänglich (Stand: Juli 2026). Berühmt-berüchtigt ist die Geschichte des „Homo Camerotensis“: 1960 in einer Grabhöhle entdeckte Schädelreste galten kurzzeitig als sensationelles Bindeglied der Menschheitsgeschichte — bis genauere Untersuchungen die These widerlegten. Wer tiefer einsteigen will, besucht das virtuelle Paläolithikum-Museum oben im Bergort Camerota.

Camping-Hochburg mit italienischem Publikum

Marina di Camerota ist eine der größten Camping-Destinationen Süditaliens: Entlang der Küstenstraße Richtung Palinuro reiht sich unter Jahrhunderte alten Olivenbäumen ein Campingplatz und Villaggio an den nächsten, viele mit direktem Strandzugang, Bungalows und Glamping-Zelten. Das Publikum ist im Hochsommer fast durchweg italienisch, entsprechend lebhaft sind die Abende auf der Hafenpromenade. Hotels und B&Bs gibt es ebenfalls, aber deutlich weniger Auswahl als an der Amalfiküste — im August früh buchen. Eine Übersicht der Unterkunftsarten in der Region: Wo übernachten.

Anreise und beste Zeit

Am flexibelsten ist der Mietwagen: ab Salerno über die A2 und die „Cilentana“ (SS18) bis Poderia, dann über die Mingardina hinunter zur Küste — je nach Verkehr 2 bis 2,5 Stunden; unterwegs lohnt der Stopp bei den Tempeln von Paestum. Ohne Auto fährt man mit dem Regionalzug bis Pisciotta-Palinuro und weiter mit dem Infante-Bus über Palinuro nach Marina di Camerota; alternativ bis Sapri und von dort mit dem Bus. Im Sommer halten an Wochenenden zudem einzelne Fernzüge aus dem Norden in Centola-Palinuro-Marina di Camerota (Stand: Juli 2026). Beste Reisezeit sind Juni und September: warmes Wasser, freie Buchten, Bootstouren fahren bereits beziehungsweise noch — der August ist die mit Abstand vollste Zeit des Jahres. Mehr dazu: Beste Reisezeit.